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Der Winter wird sehr warm - Ein neues Modell macht Langzeitprognosen einfacher

Die Universität Hamburg hat ein Modell entwickelt, mit dem sich endlich vorhersagen lässt, wie der gesamte Winter wird. Langzeitprognosen bleiben aber schwierig, gerade in der Schweiz.
Sabine Kuster/Christoph Bopp
Gemäss einem neuen Prognosemodell muss diesen Winter nicht viel gekratzt werden. (Bild: Getty)

Gemäss einem neuen Prognosemodell muss diesen Winter nicht viel gekratzt werden. (Bild: Getty)

Seit man entdeckt hat, dass das Wetter von Schmetterlingen gemacht wird, haben die Wetterfeen einen schweren Stand. Der Flügelschlag eines Schmetterlings, so geht die Saga, könne andernorts einen Tornado auslösen. Die Erkenntnis gehört zur Chaostheorie. Der Meteorologe Edward N. Lorenz hatte 1972 einen Vortrag «flap of a butterfly» betitelt. Eine ganz kleine Abweichung in den Anfangsbedingungen eines solchen Systems kann unabsehbare Folgen haben.

Das Wetter scheint ein solches System zu sein. Allerdings ist das Wetter etwas weniger chaotisch als das Chaos. Aber ein bisschen chaotisch ist es schon. Das merkt man daran, dass die Wetterprognosen vielleicht für einen Tag relativ zuverlässig sind, weiter nach vorne wird es unpräziser. Für die Schweizer Wetterprognose gilt ein Horizont von drei bis vier Tagen für realistisch.

Winterprognose im Frühling

Im Frühling publizierte die Universität Hamburg mit Beteiligung der ETH Zürich eine Studie mit dem Titel «Erstmals verlässliche Drei-Monate-Prognose für Winter in Europa möglich». Der Winter würde demzufolge sehr warm. Wie ist es möglich, langfristige Prognosen zu wagen? Es liegt an der Methode. Herkömmliche Wettermodelle errechnen aus den Daten, welche Messstationen liefern, mögliche Verläufe. Die liegen am Anfang näher zusammen, entfernen sich aber mit der Zeit voneinander.

Der Ozeanwissenschafter Mikhail Dobrynin erklärte der «NZZ am Sonntag» seinen, den Hamburger Ansatz. Er versucht, in den bisherigen Wetterverläufen Konstanten zu finden. Die muss man sich vorstellen wie Bauernregeln: «Wenn es viel Schnee hat in Russland, wird das Wetter bei uns kalt.» Das funktioniert, weil es bestimmte Konstellationen gibt, welche tatsächlich das Wetter grossräumig und deshalb auch langfristig steuern. Das lokale Wetter wird bestimmt durch Luftströmungen, die von weit her kommen – oder dann eben nicht, wenn sie vom Atlantikhoch abgeblockt werden. Und das sind Verläufe, die sich über längere Zeiträume beobachten lassen.

Hat die Publikation die Zentrale von Meteo Schweiz in Aufregung versetzt? Nein, Klimatologe Stephan Bader sagt:

«Was heisst, ein warmer Winter? Wenn es wie letztes Jahr eher kühl ist, aber im Januar rekordmässig warm, dann ergibt das immer noch einen durchschnittlichen Winter.»

Und doch: Wenn das neue Modell der Uni Hamburg so gut funktioniert wie angekündigt, dann sei das fast schon ein Quantensprung in der Langzeit-Prognostik, sagt Jonas Bhend von Meteo Schweiz. Die üblichen Modelle zeigen laut Bhend keine deutliche Tendenz zu einem milden Winter, «weder in den Vorhersagen des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersagen, die wir schon seit Jahren nutzen, noch in den Vorhersagemodellen des Copernicus Climate Change Services». Einzig im Mittelmeerraum und auf der Alpensüdseite sei eine Tendenz zu einem milden Winter auszumachen.

«Wir würden uns aber natürlich freuen, wenn mit diesem interessanten methodischen Ansatz deutliche Fortschritte in der Vorhersagbarkeit erzielt werden könnten», so Bhend. Er vermutet allerdings, dass Nordeuropa mehr von dieser Vorhersage profitieren wird als die Schweiz:

«Das Wetter in der Schweiz ist nicht so stark von den Einflussfaktoren bestimmt, die in der Studie verwendet werden.»

Laut Bhend ist es global nicht so schwierig, Langzeitmodelle zu erstellen wie in Europa. Es gebe mehrere Wetterphänomene wie den El-Nino, der Langzeitprognosen relativ zuverlässig mache. In Europa ist die Wirkung von El Nino jedoch schwach. Das Wetter in Europa wird von der Nordatlantischen Oszillation beeinflusst, welche vom Druckmuster zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch bestimmt wird – und ständig ändert, wenn nicht grad im Sommer eine stabile Hochdrucklage herrscht.

Bodenfeuchtigkeit wäre entscheidend

«Wir machen laufend Fortschritte», sagt Bhend, «bloss ist die Disziplin noch jung und einige wichtige globale Beobachtungsdaten für die Langfristvorhersage fehlen.» Dies gilt zum Beispiel für die Bodenfeuchtigkeit, welche womöglich viel über einen bevorstehenden Sommer und Winter sagen könnte. Sie flächendeckend zu messen, ist schwierig.

Die Lawinenwarner bringt die neue Berechnungsmethode für Winter nicht in Aufruhr: «Die Lawinengefahr ändert von Tag zu Tag», sagt Martin Heggli vom Institut für Schnee und Lawinenforschung. Und: Auch wenn sich die durchschnittliche Wintertemperatur besser voraussagen lässt, heisst das noch nichts für die Schneemenge.

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