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DEUTSCHLAND: Drei Perlen im ostfriesischen Watt

Baltrum, Langeoog, Spiekeroog: Alle drei Inseln mit den fremd klingenden Namen sind autofrei, klein und windig, haben schöne Sandstrände zur offenen Nordsee hin und ein breites Watt bis an die Küste. Dennoch hat jede ihr ganz spezielles Flair.
Langeoog: Der markante Wasserturm ist das Wahrzeichen der «Fahrradinsel». (Bild: Angela Allemann)

Langeoog: Der markante Wasserturm ist das Wahrzeichen der «Fahrradinsel». (Bild: Angela Allemann)

Text und Bilder Angela Allemann

Zu Fuss auf die Insel, quer durchs Watt. Das ist die authentische und langsame Annäherung an Baltrum, die kleinste der ostfriesischen Inseln, nur fünf Kilometer lang und ein bis zwei Kilometer breit. Man watet über mal schlickigen und matschigen Meeresboden, mal über festen, sandigen. Und es gilt, knietiefe Wasserlöcher, Priele, zu überqueren. Immer aber werden die knapp drei Stunden eine spannende Lektion sein, denn es ist recht abenteuerlich zu sehen, was da so kreucht und fleucht am Nordseerand: Würmer, Muscheln, Krebse und Schnecken. Ein reichgedeckter Tisch für Tausende von Vögeln, die sich ihre Leckerbissen aus dem fetten Boden ziehen.

Ebbe und Flut hautnah

Nirgends ist das Wattenmeer so riesig wie vor der Nordseeküste, nämlich 9000 Quadratkilometer Fläche, über 450 Kilometer lang und bis zu 40 Kilometer breit. Seit 2009 gehören das niederländische und das deutsche Wattenmeer zum Unesco-Weltnaturerbe. Es ist täglich das gleiche Schauspiel von Ebbe und Flut, und doch wird man nie müde, den Naturgewalten zuzusehen. Durch die Anziehungskraft des Mondes und die Fliehkraft der Erde wird das Watt für gut sechs Stunden überflutet, dann zieht sich das Meer für die gleiche Zeitspanne wieder zurück, und es ist genau diese kurze Zeit, in der das Watt begehbar ist. Allerdings immer nur mit einem Wattführer, nie ohne Uhr oder Tidenplan, denn das Wasser kommt schneller zurück, als der Mensch laufen kann.

Im Gezeitenhaus von Baltrum, auch Nationalpark-Haus genannt, zeigt die Diplombiologin Karen Kammer alles, was man zum Thema Ebbe und Flut im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wissen muss, und hier ist auch der Ausgangspunkt des sieben Kilometer langen Gezeitenpfades. Er führt in 17 Stationen durch Dünen und Vogelschutzgebiete. Tafeln liefern spannende Informationen zu Gezeiten, Sturmfluten und Küstenschutz, laden zum Nachmachen und Mitmachen ein und machen vor allem bewusst, dass hier alles je nach Wind und Wetter immer in Bewegung ist.

Etwa 550 Menschen leben ganzjährig in den trutzigen Backsteinhäusern der Insel. Strassennamen gibts nicht, nur Hausnummern. Aus dem Jahr 1862 stammt die winzige Inselkirche. Pferde weiden auf den Marschwiesen, eine gefühlte Million Kaninchen durchpflügt das Erdreich, die legendäre Lachmöwenkolonie kichert in den Dünen vor sich hin, und fast immer ist es so windig am feinsandigen Strand, dass sich Kinder als Erstes einen Drachen im Kaufhaus Stadtlander erbetteln.

Und sonst ist nichts los? Nicht wirklich. Im Café Kluntje sitzt man wie in Grossmutters guter Stube bei Kaffee und Kuchen und freut sich, wenn es ein Donnerstag ist, aufs Nachtessen bei Urgestein Reemt Ulrich im Hotel Fresena. Denn dann sind Scampi oder Helgoländer Knieper angesagt. Das sind Taschenkrebsscheren, so frisch und knackig, dass sich alle danach die Finger lecken. Später sitzt man auf den Steintreppen, die eigentlich dem Küstenschutz dienen, um das Wetterleuchten bis zur Dunkelheit zu bestaunen, oder hört dem lokalen Shanty-Chor zu. Auch wenn die Insel nur klein ist, fürs Gepäck besorgt man sich eine sogenannte Wippe, für die Kinder einen Bollerwagen, und ein Pferdegespann dient als gemütliches Taxi. Denn Velos sind den Einheimischen vorbehalten.

Auf der Fitness-Insel

Anders auf Langeoog, die eine ausgesprochene Fahrradinsel ist. Fast städtisch mutet die Hauptstrasse mit ihren vielen Geschäften und Cafés an, durch die sich Gäste und Einheimische klingeln, Fussgängerzone hin oder her. Lale Andersen, die deutsche Sängerin, die mit dem Lied «Lili Marleen» bekannt wurde und hier ihre letzte Ruhe fand, scheint, in Stein gegossen, fast spöttisch über das bunte Treiben zu schauen. Kinderreich, gesund und sportlich ist man hier. Yoga und Wassergymnastik schon frühmorgens im Kur- und Wellness-Center. Mittags Brandungsbaden am 14 Kilometer langen Strand, danach ein zügiger Lauf dem Flutsaum entlang, um viel gesundes Brandungsaerosol einzuatmen, während die Kinderschar mit einem Piratenschiff unterwegs ist. Am Nachmittag dann per Velo westwärts zur Melkhorndüne, 20 Meter hoch und mit der besten Aussicht über die grüne Landschaft. Oder auf nach Flinthörn, durch den jungen Inselwald bis zur geschützten Dünen- und Wattlandschaft im Südwesten. So oder so, an die 20 Kilometer wird man geradelt sein und denken, das war kein Klacks, wenn der Wind von vorne kam.

Die ostfriesische Teezeremonie, und die ist ein Muss, macht jedoch alles wieder gut. Und die geht so: Erst legt man ein grosses Stück Kandiszucker, ein Kluntje, in die leere Tasse. Es knistert gemütlich, wenn der heisse Tee darübergegossen wird. Ja nicht umrühren, denn mit einem kleinen Löffelchen gibt man nun vorsichtig ein Wulkje, ein Wölkchen Sahne, hinzu. Immer noch nicht umrühren, sondern den Tee durch die Sahne schlürfen und nachschenken lassen, bis sich das Kluntje völlig aufgelöst hat. Dann erst gehört das Löffelchen in die leere Tasse.

Nicht nur Fitness, auch gutes Essen gehört zu Langeoog. Slow-Food im Panorama-Restaurant Seekrug etwa, Fisch und schottisches Hochlandrind von der Insel. Eine bunte alte Inselbahn fährt vom Dorf zum Hafen hinunter, wenn man schweren Herzens die Insel verlässt, um mit der Fähre auf Spiekeroog wieder anzulegen.

Die kleine Insel empfängt mit einer wahren Blumenorgie. Kein Wunder, wird Spiekeroog «die Hübsche» genannt. Gekalkte weisse Häuschen mit adretten grün-weissen Vorbauten sind die Norm. Das älteste Haus stammt aus dem Jahr 1703 und heisst denn auch sinnigerweise «Ältestes Inselhaus». Bei Flut kommen Surfer wegen der hohen Wellen zum Strand.

Die anderen nehmen es mit der Ruhe. Schöne Cafés und Eisdielen werben um Kundschaft, Boutiquen sind gediegen, Restaurants zahlreich und gut. Und im Lesepavillon liest man Geschichten zur Nacht. Doch oft macht Wattführer Kapitän Carsten Heithecker den Alleinunterhalter und erzählt anhand vieler Bilder vom Leben im Watt. Seine Show macht Lust auf mehr und Meer.

Alle staunen

Und wenn man noch nicht im Watt war, nichts wie hin. «Erlebnisfahrt» nennt er den mehrstündigen Törn auf seiner «Gorch Fock», einem echten Friesenkutter. Alle staunen, wenn er das Netz über den Meeresboden schleifen lässt und nach einer Weile den Fang an Bord kippen lässt. Viele Plattfische, Seesterne, Krabben, die in Ostfriesland Granat heissen, Krebse, Muscheln und anderes Seegetier sind zu begutachten, bevor das Ganze wieder über Bord geht. Der Fischfang habe sich aufgrund veränderter ökologischer Erkenntnisse stark verändert, weiss Heithecker zu berichten; nur noch zehn Fischkutter gebe es an der hiesigen Küste, vor 50 Jahren waren es noch 80. Weiter gehts in gebührendem Abstand an den Seehundbänken vorbei, denn sie haben gern ihre Ruhe. An die hundert der possierlichen Tiere aalen sich an der Sonne; ein Fernglas leistet jetzt gute Dienste.

Und dann kommt der grosse Moment, wo der Kapitän die Leiter über die Reling hievt und bis auf den Meeresboden gleiten lässt. Sorgfältig kontrolliert er das Schuhwerk der Wattläufer; wer nicht gut ausgerüstet ist, bleibt an Bord, da ist Heithecker strikt. Seit sich die hartschalige, scharfkantige, aber delikate Pazifische Felsenauster vom Norden her im ostfriesischen Watt breitmacht, ist hier nichts mehr mit Barfusslaufen. Sogar die Möwen können diese Austern mit ihren spitzen Schnäbeln nicht aufpicken.

Doch auch mit hohen Turnschuhen ist der Marsch eine Herausforderung, wenns durch knietiefen Schlick geht. Die trockeneren und sandigen Passagen sind einfacher zu meistern. Wattwürmer türmen ihre geringelten Häufchen auf. Heithecker hat eine vierzinkige Forke mitgebracht, mit der er den Meeresboden lockert, um sich ein paar fette Exemplare zu sichern. Denn ohne Fleisch kein Fisch, wissen die Angler auf den Inseln. Doch dann gilt es, sich zu beeilen, die Flut naht. Und dass sie schneller ist, als der Mensch laufen kann, hat man doch schon auf Baltrum gelernt.

Wandern, Wasser und Wellness

Anreise: Mit Flug oder Zug nach Hamburg oder Bremen. Bahn bis Wilhelmshaven, Anschlussbus nach Neuharlingersiel. Fähre nach Spiekeroog. Von Spiekeroog nach Langeoog fährt eine Ausflugsfähre. Von Langeoog mit der Fähre nach Bensersiel, Transfer zum Hafen Nessmersiel per Bus. Von dort Fähre nach Baltrum.

Hotels:Bio-Hotel Strandeck, Langeoog. Die Hotelfrau Birgit Kolb unterhält fünf Hotels auf der Insel Langeoog, von einfach bis chic. Aparthotel Spiekerooger Leidenschaft, schönes Gartenrestaurant. Gut ist auch das Hotel Inselfrieden, Spiekeroog. Hotel Strandhof, Baltrum, im Westdorf zwischen Strand und Salzwiesen und mit gutem Restaurant.

Restaurants: Fischrestaurant Capitäns Haus, Spiekeroog, Slow-Food im Panoramarestaurant Seekrug, Langeoog. Fisch Klette für ein schnelles Fischbrötchen, Langeoog. Sealords, klassisches Angebot, Baltrum. Scampi und Knieper im Hotel Fresena, ebenfalls Baltrum.

Thalasso: Alle drei Inseln bieten Meerwasser-Freizeit-Erlebnisbäder mitsamt Wellnesszentren und Thalasso-Therapien an.
Wattenmeer: Wattwandern ist wie Bergsteigen: Es hat seine Tücken und birgt Gefahren. Darum sollte man nur mit ausgebildeten Wattführern ins Watt und sich strikt nach deren Anweisungen richten.

Anbieter: Der Deutschland-Spezialist mit Schwerpunkt Nordsee, Railtour Suisse AG in Zollikofen, bietet ein umfangreiches Reiseprogramm an, www.railtour.ch
Info: www.baltrum.de, www.langeoog.de, www.spiekeroog.de

Baltrum: Breite, feinsandige Strände laden zum Spazieren ein. (Bild: Angela Allemann)

Baltrum: Breite, feinsandige Strände laden zum Spazieren ein. (Bild: Angela Allemann)

Spiekeroog: Auf der Insel gibt es lauschige Cafés. Wegen ihrer Blumenpracht wird sie auch «die Hübsche» genannt. (Bild: Angela Allemann)

Spiekeroog: Auf der Insel gibt es lauschige Cafés. Wegen ihrer Blumenpracht wird sie auch «die Hübsche» genannt. (Bild: Angela Allemann)

Seehunde (Bild: Angela Allemann)

Seehunde (Bild: Angela Allemann)

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