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DEUTSCHLAND: Mit dem Beinamen «Schweiz» geschmückt

Wir reisen durch die Schweiz. Von Schleswig-Holstein bis ins Fränkische. Schweiz, eine geografische Verwirrung? Mitnichten, wir besuchen deutsche Gegenden, die Schweiz heissen.
Text und Bilder: Andreas Z’graggen
Neuruppin ist die Stadt des Dichters Theodor Fontane, links ist sein Geburtshaus. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Neuruppin ist die Stadt des Dichters Theodor Fontane, links ist sein Geburtshaus. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Text und Bilder: Andreas Z’Graggen

Nördlich des Rheins gibt es 130 offizielle und inoffizielle Orte oder gar Regionen, die den Zusatz «Schweiz» enthalten. Auch in anderen Weltgegenden liegen «Schweizen», doch nirgends gibt es eine so hohe Schweiz-Dichte wie in Deutschland – Ausdruck einer offenbar tiefen Verehrung, die Deutsche für ihr südliches Nachbarland empfunden haben. Die Begeisterung für unser Land setzte ein, nachdem der Berner Albrecht von Haller anno 1729 sein Epos «Die Alpen» veröffentlicht hatte und der Genfer Philosoph Jean-Jacques Rousseau seine «Nouvelle Héloise». Das bis dahin als eher unwirtlich geltende Helvetien wurde jetzt romantisch verklärt: imposante Landschaften, bewohnt von glücklichen, unverdorbenen, basisdemokratischen Menschen, die mit ihrer natürlichen Umgebung in Einklang lebten. Ein Paradies somit. Deutsche Bildungsbürger begannen, die Schweiz zu bereisen. Zu Hause wiederum schmückten sie dann jede Gegend, die im Entferntesten unserem Land ähnelte, mit dem Beinamen «Schweiz». Wichtig stets: irgendwelche Erhebungen, die Gebirgiges andeuteten.

Gelegentlich tat’s auch ein Hügel von 168 Metern Höhe. Wie hier in der Holsteinischen Schweiz, im Osten von Schleswig-Holstein, nördlichstes Bundesland Deutschlands und flach wie ein Brett. Da sind wir jetzt, genauer in Bosau am Plöner See, der grösste der 200 Seen in der Holsteinischen Schweiz. Bosau ist ein schmuckes Dörfchen mit einigen kleinen Hotels und Restaurants und vor allem der sehr schönen romanischen Kirche St.Petri, deren verwunschener Friedhof romantisch am See liegt.

Auf gut ausgeschilderten Nebenstrassen fahren wir nach Plön, durch eine zauberhafte Landschaft von saftig grünen Wiesen, Pferdeweiden, Rapsfeldern, lichten Buchenwäldern, Seeleins, Tümpeln und Sümpfen. Und immer wieder Hecken, die sich wie Schnüre durch die Gegend ziehen. Plön, fast gänzlich von Wasser eingerahmt, ist ein betriebiges Städtchen mit einem mächtigen, weiss angemalten Schloss. Es ging hier vermutlich viel eleganter zu und her, als im Schloss noch jeweils die dänischen Könige ihre Sommerferien verbrachten. Jetzt gehört das Gebäude der Brillen­kette Fielmann, die dort Augenoptiker ausbilden lässt.

Der Bungsberg ist der höchste Hügel der «Schweiz»

In der Tourismuszentrale erfahren wird, was man alles in der Holsteinischen Schweiz unternehmen kann: Paddeln, Segeln und Angeln, Velofahren und Wandern, Golfen, Kneippen, Konzerte besuchen, reetgedeckte Herrenhäuser besichtigen sowie zünftige Kost verspeisen: Maräne (nicht Muräne) und «Aal grün», Katenschinken und Schweinebacke, Kohl oder Rübenmus. Oder den höchsten Hügel dieser Schweiz besteigen, etwas hochtrabend Bungsberg genannt, für uns Schweizer natürlich ein Muss. Wobei, es sei hiermit gestanden, dass wir dessen 168 Höhenmeter per Auto bewältigen. Er liegt nördlich von Eutin. Die Stadt mit ihrem alten Kern rund um den Marktplatz, den Bürgerhäusern aus unverputztem Ziegelstein, der 750 Jahre alten Sankt-Michaelis-Kirche und dem wuchtigen Schloss am See mit seiner englischen Parkanlage gefällt uns besonders. Man spürt hier noch, dass Eutin eine bedeutende Vergangenheit hat. Der Komponist Carl Maria von Weber wurde hier geboren, Tischbein war Hofmaler, und der Homer-Übersetzer Voss leitete die Gelehrtenschule.

Wir verlassen das Ferienparadies Holsteinische Schweiz, fahren 50 Kilometer bis Lübeck, spazieren wieder mal durch deren Unesco-Weltkulturerbe-Altstadt und realisieren einmal mehr, wieso die grossartige Stadt Thomas Manns «Königin der Hanse» genannt wurde.

Mecklenburgische Schweiz erinnert ans Emmental

Der schnellste Weg in die nächste Schweiz, die Mecklenburgische, würde über Wismar und Rostock führen. Die sind zwar beide besuchenswert, aber da waren wir schon. Hingegen hat es uns ein Ort angetan, der Ludwigslust heisst, benannt nach Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg. Dieser begann hier im 18.Jahrhundert mit dem Bau eines riesigen, mit Elbsandstein verkleideten Barockschlosses, dessen 130 Hektaren umfassender Park einer der schönsten Landschaftsgärten im Norden Deutschlands ist. Im Tourismusbüro von Teterow rüstet uns eine freundliche Dame mit Informationen über die Mecklenburgische Schweiz aus, die hier beginnt und bis zum Kummerower See reicht. Eine einmalig anmutende Landschaft, die mit ihren Hügeln und Kuppen tatsächlich ein wenig ans untere Emmental erinnert. Laubwälder, Kastanienalleen, Korn- und Mohnblumenfelder sowie unzählige Seen prägen die Mecklenburgische Schweiz, fraglos eine der schönsten Gegenden Deutschlands. Wen wundert’s, dass hier Adlige ihre Gutshöfe und Schlösser errichtet haben – Teschow, Ulrichshausen, Gross Plasten, Klink, Ludorf, Mirow, um nur einige zu nennen. Viele dieser Herrensitze kann man besuchen oder gar darin übernachten. Im schmucken Dorf Basedow am Malchiner See hat sich, wie man uns erzählt, ein Schweizer aus St.Gallen eines dieser prächtigen Schlösser zugelegt. Vielleicht wird auch dieses zu einem Hotel umfunktioniert, wie man überhaupt hier den Eindruck erhält, alles sei auf Ferien ausgerichtet. Das Angebot ist stattlich: Moorwanderungen, Biberfahrten mit dem Kanu, Draisinetouren, Wolfspirsch, den Zug der Kraniche verfolgen, Flossfahrten, Open-Air-Konzerte, Theateraufführungen – neben all den üblichen Angeboten wie Golfen, Fischen, Velofahren, Wandern und natürlich Hausboot-Ferien auf der südlich der Mecklenburgischen Schweiz gelegenen Müritz, Deutschlands grösstem Binnensee, mit einem Naturpark, der über 300 Quadratkilometer umfasst.

Ein glückliches Wochenende für Schriftsteller Tucholsky

Ehe wir uns auf den Weg in die Sächsische Schweiz machen, übernachten wir in Rheinsberg, am Rande der Ruppiner Schweiz. Das Rheinsberger Schloss, von Wasser umgeben und in einem englischen Park gelegen, war der Lieblingsaufenthalt von Preussenkönig Friedrich II., als er noch Kronprinz war. Und Kurt Tucholsky verewigte das Städtchen, wo er ein glückliches Wochenende verbrachte, in der Erzählung «Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte». Die Ruppiner Schweiz wiederum, eine hügelige, von Buchen und Kiefernwäldern durchzogene Landschaft, mit verschwiegenen kleinen Seen und lichten Wiesen, ist Fontane-Land. Als Sohn eines Apothekers in Neuruppin geboren, war er geprägt von dieser zauberhaften Gegend, was man immer wieder spürt, wenn man seine Romane liest.

Next Stop, dabei Berlin grossräumig umfahrend, ist Pirna, unweit Dresdens, Eingangstor zur Sächsischen Schweiz, eigentlich die bekannteste aller deutschen Schweizen. Pirna ist ein beschauliches Städtchen, das viel historischen Charme bewahren konnte. Der spätmittelalterliche Marktplatz mit dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, den umstehenden Renaissance- und Barockhäusern, der Stadtkirche St.Marien – attraktiver könnte ein Ausgangsort für die Erkundung der Umgebung kaum sein. Diese wiederum ist spektakulär: «Schroffe Felsriffe und Sandsteinnadeln, canyonartige Waldtäler, Tafelberge wie natürliche Felsburgen», so trefflich der «Baedeker». 360 km2 umfasst diese aussergewöhnliche Landschaft, die da die Elbe und ihre Nebenflüsse im Laufe der Jahrtausende in das Sandsteingebirge gezeichnet haben. Pfaffenstein und Lilienstein, Felsenbühne Rathen und Basteibrücke heissen die natürlichen Aussichtspunkte, von wo man den Blick weit hinaus in die Felsen-, Wälder- und Flüssewelt der Sächsischen Schweiz schweifen lässt. Den Namen gaben ihr die beiden Schweizer Maler Anton Graff und Adrian Zingg, die im 18.Jahrhundert an der Dresdner Kunstakademie lehrten und in ihrer Freizeit immer wieder die Gegend erwanderten. Wandern ist denn auch eine der Hauptaktivitäten, die hier angeboten werden. 1200 Kilometer beschilderte Wege stehen zur Verfügung, allen voran der Malerweg, der sich auf den Spuren der frühen Romantiker Ludwig Richter und Caspar David Friedrich durch das gebirgige Land schlängelt und dabei alle wichtigen Natur- und Kulturdenkmäler der Sächsischen Schweiz verbindet. Man könnte paddeln, klettern, Velo fahren – wir indes besuchen Grosssedlitz, nahe Pirna gelegen, einer der schönsten Barockgärten Sachsens, und wir besuchen natürlich Königstein, die riesige, hoch über dem Elbtal thronende Burganlage, die dem sächsischen Königshof in Krisenzeiten als Zufluchtsstätte diente und wo der König seinen Staatsschatz versteckte. Wir sehen Königstein schon am Tag zuvor, weit weg am Horizont, als wir auf einer Wanderung über Leitern und steile Treppen den Zirkelstein besteigen. Auch eine Burg, aber aus Fels. Auf der Anfahrt über die Elbe mit dem beinahe hundertjährigen Fährschiff Lena fragen wir den Kapitän, ob er die richtige Schweiz kenne. Seine Antwort: «Nee, wozu denn, diese hier reicht mir.»

Nach einer Visite in Dresden, 30 Kilometer von der Sächsischen Schweiz entfernt, verlassen wir diese via das angrenzende Tschechien, übernachten in Marienbad und nehmen auf dem Rückweg in die Heimat noch die Fränkische Schweiz mit.

Im Ort mit der höchsten Brauereidichte der Welt

Gelegen im Städtedreieck Bayreuth, Nürnberg und Bamberg, begeistert uns auch die Fränkische Schweiz. Blühende Wiesen in romantischen Tälern, durch die Flüsschen mäandern; hoch aufragende Dolomitfelsen, oft gekrönt von einer mittelalterlichen Burg; idyllische Dörfer mit schmucken Fachwerkhäusern und gemütlichen Beizen, die deftige Frankenkost anbieten wie Krenfleisch, Schweinebraten und Bratwürste mit Sauerkraut. Und hinterher ein Feuerwasser, aus rund 300 Brennereien, überwiegend zu Hause rund um den keltischen Plateauberg «Walberla», unweit Forchheim, einst karolingische Kaiserpfalz. Berühmt ist das Gebiet für seine Höhlen. Mehr als tausend sind es. Nicht alle kann man besuchen, aber die Sophien-, Teufels- oder die Binghöhle sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Fränkische Schweiz ist Ferienland. Fliegen auf dem «Feuerstein» bei Ebermannstal, golfen in Thurnau, Kanndorf und Pottenstein, bootswandern auf der Wiesent oder klettern im Turbachtal. Und wandern. Über 4000 Kilometer Wanderwege durchkreuzen die Region. Wir entschliessen uns für einen Marsch in der Gegend von Aufsess. Wegen der lieblichen Umgebung, den beiden Schlössern, die man dort besuchen kann, und dem feinen Bier, das um Aufsess gebraut wird. Mit der grössten Brauereidichte der Welt nach Einwohnern hat die Gemeinde Aufsess den Sprung ins «Guiness-Buch der Rekorde» geschafft. Vor über 1000 Jahren kam Ritter Heinrich von Ufsaze in die Gegend, im Gefolge des späteren Kaisers Heinrich II. Der Herrscher zog weiter, der Ritter blieb. Vielleicht auch er des Bieres wegen.

Wichtige Adressen

Holsteinische Schweiz
Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz, Bahnhofstrasse 5, 24306 Plön, Tel. +49 4522 50950, www.holsteinischeschweiz.de

Mecklenburgische Schweiz
Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte, Turnplatz 2, 17207 Röbel/Müritz, Tel. +49 39931 5380, www.mecklenburgische-seenplatte.de

Ruppiner Schweiz
Tourist-Information, Kavalierhaus, 16831 Rheinsberg, Tel.+49 33931 2059, www.rheinsberg.de

Sächsische Schweiz
Tourismusverband Sächsische Schweiz, Bahnhofstrasse 21, 01796 Pirna, Tel. +49 3501 470147, www.saechsische-schweiz.de

Fränkische Schweiz
Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, Oberes Tor 1, 91320 Ebermannstadt, Tel. +49 9194 797779, www.fraenkische-schweiz.com

Im sächsischen Bad Schandau geht’s mit dem rüstigen Fährschiff Lena über die Elbe. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Im sächsischen Bad Schandau geht’s mit dem rüstigen Fährschiff Lena über die Elbe. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Faszinierendes Elbsandsteingebilde: Die Landschaft der Sächsischen Schweiz ist durch bizarre Felsformen geprägt. Über 700 Sandsteingipfel ragen über dem Laubwald. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Faszinierendes Elbsandsteingebilde: Die Landschaft der Sächsischen Schweiz ist durch bizarre Felsformen geprägt. Über 700 Sandsteingipfel ragen über dem Laubwald. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Mecklenburg ist ein Wanderparadies, besonders um den Malchiner See. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Mecklenburg ist ein Wanderparadies, besonders um den Malchiner See. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Auch im Norden Deutschlands ist es nie weit zum nächsten Biergarten. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Auch im Norden Deutschlands ist es nie weit zum nächsten Biergarten. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Im Schloss Rheinsberg verbrachte Preussenkönig Friedrich der Grosse seine Jugend. (Bild: Andreas Z’Graggen)

Im Schloss Rheinsberg verbrachte Preussenkönig Friedrich der Grosse seine Jugend. (Bild: Andreas Z’Graggen)

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