DEUTSCHLAND: Radeln und Moorbaden

Per Velo unterwegs in den Allgäuer Urlandschaften, die Thermen und Moorbäder laden zu erholsamen Pausen.

Drucken
Teilen
Bad in 10 000-jährigem «Dreck». (Bild: Karin Huber)

Bad in 10 000-jährigem «Dreck». (Bild: Karin Huber)

Text und Bilder Karin Huber

Manche haben eine «Leiche im Keller». Bad Wurzach hat keine Leiche im Keller, aber eine gabs im Moor? Doch das ist eine bald 30-jährige Geschichte, die von einer ermordeten Brauereitochter handelt. Es hätte wohl ein perfekter Mord sein können. Doch weil sie unvorsichtigerweise in Plastik eingewickelt wurde, tauchte sie im Laufe der Jahre wieder an der Oberfläche auf. Wer die Geschichte hört, kriegt noch heute Gänsehaut. Erst recht, wenn Petra Misch, Tourismusfachfrau in Bad Wurzach, auf einem Spaziergang durch das Moor erklärt: «Wenn du exakt an dieser Stelle hier vom Weg abkommst, hast du keine Chance, wieder heil aus dem Moor zu kommen.»

Wir stehen mitten im Ried-Moor auf einem Holzsteg und schauen angestrengt auf diesen ominösen Flecken Moor, geradeso, als würde gleich eine weitere Moorleiche auftauchen. Das flaue Gefühl schütteln wir aber schnell ab. Zu faszinierend ist diese grandiose Naturschatzkammer.

Der Rheingletscher und das Moor

Birken und Fichten bilden hier die Kulisse einer der grössten noch intakten Hochmoorflächen Mitteleuropas. Mitten drin ein Bächlein, ein kleiner Weiher, einst durch Torfabbau entstanden. Wir spazieren über Holzstege und Pfade. Die Pflanzen- und Tierwelt ist extrem vielfältig, wie man in der nahen Ausstellung im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried auf spannende Art erfährt. Dass das Allgäu derartige Schätze beherbergt, ist vor allem der Schweiz geschuldet. Denn vor 200 000 Jahren machte sich dort der Rheingletscher breit und formte die Landschaft. Als dann vor 20 000 Jahren das Eis schmolz, entstanden viele Seen, die noch später zu Mooren verlandeten.

Bevor wir das Wurzacher Ried, eines der 1700 kartierten Moore in Oberschwaben, erkunden, haben wir uns in einen mit 10 000-jährigem «Dreck» gefüllten Holzzuber gelegt, alle Viere von uns gestreckt und sind ganz schwerelos in der 40 Grad warmen Brühe dem Alltag entschwebt. Die Brühe ist uraltes Moor, gestochen im nahen Reichermoos. Eine Wohltat für Leib und Seele.

Das Moor bewirkt viel Gutes. Es lindert muskuläre und andere Schmerzen, verbessert die Beweglichkeit der Gelenke, ist nützlich bei chronischen Infekten und hilft bei psychosomatischen Erkrankungen. Allerdings darf nicht jeder einfach ins Moorbad steigen, wie uns Eckart Jacobi, Badearzt im Kurhotel Reischberg, ans Herz legt. Bei Herz- und Krebserkrankungen sei ein Moorbad nicht förderlich. Darum gibts für Badegäste auch immer einen kurzen Gesundheitscheck.

Der Blick über Grenzen erweitert den Horizont. Das dachte einst auch ein ehemaliger Bürgermeister von Bad Wurzach.

Als Nonnen spionierten

Da er wusste, dass im oberbayrischen Bad Aibling eine Sole- und Moorschlamm-Badeanstalt betrieben wurde, und er das auch gerne gehabt hätte, schickte er in den 1930er-Jahren einige Nonnen aus dem nahen Kloster dorthin, um alles auszuspionieren über das Geschäft mit dem Moor. Wie die heutigen Kur-, Thermal- und Moorbäder im Allgäu zeigen, war der göttliche Einsatz von Erfolg gekrönt.

Inspiriert vom geheimnisvollen Moor machten wir uns am Folgetag auf unseren Drahteseln zu unserer Bäder-Radtour mit dem E-Bike auf. Es trägt uns ohne Schweisströpfchen durch die liebliche oberschwäbische Landschaft. Wir besuchen Aulendorf und die traditionelle Schlossbrauerei, radeln ein halbes Stündchen lang weiter bis nach Bad Schussenried und seinem Kloster und fahren weiter nach Steinhausen, wo die «schönste Dorfkirche der Welt» zu einer Besichtigung einlädt.

Unser Ziel aber ist Bad Buchau mit dem Federsee, dessen Moore, Feuchtwiesen und der Siedlung Forschner, dem letzten Relikt bronzezeitlicher Siedlungsgeschichte. Unseren Velotag beschliessen wir dann gerne im warmen Wasser der Adelindis Therme.

Auf schwäbischer Bäderstrasse

Unterwegs mit dem Velo Aus allen vier Richtungen kommen die Fernradwege in Bad Wurzach zusammen. www.bad-wurzach.de

Die regionalen Bäderradwege sind sehr gut beschildert. Es gibt zahlreiche Routen für kleine und grössere Touren. Die Bahn befördert Bikes im Radexpress Oberschwaben gratis.

Übernachten kann man in den Kur- und Wellnesshotels oder in kleineren Gasthöfen und Pensionen.

Gute Anlaufstellen

Bad Wurzach: das Kurhotel am Reischberg (Moorbäder, Wellness), Spaziergang durchs Moor, Erlebnisausstellung «Moor Extrem».

Kurort Aulendorf mit Schlossbrauerei. Bad Schussenried mit Moorheilbad, Erlebnisbrauerei und Kloster.

Steinhausen an der Rottum («schönste Dorfkirche der Welt»).

Bad Buchau mit dem Federsee: Kurzentrum, Thermenhotel Gesundheits-Bad Buchau (Unesco-Weltkulturerbe, archäologischer Moorlehrpfad, prähistorische Pfahlbauten, Nabu-Naturschutzzentrum, Adelindis Therme).

Bad Saulgau, Bäderstadt und Landeshauptstadt der Biodiversität: (Sonnenhof-Therme, Kurgarten).

Hinweis
Die Tourismusorganisation Schwäbische Bäderstrasse in Überlingen hat zu dieser Pressereise eingeladen.

Das Ried-Moor in Bad Wurzach. (Bild: Karin Huber)

Das Ried-Moor in Bad Wurzach. (Bild: Karin Huber)