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Übergewicht: Dick ist nicht gleich dick

Stark übergewichtige haben in der Regel einen niedrigeren gesellschaftlichen Status. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich, aufgrund der die Prävention zielgerichteter werden soll.
Bruno Knellwolf
Weltweit sind 39 Prozent der Menschen übergewichtig oder adipös, so wie etwa auch in der Schweiz. (Bild: Getty)

Weltweit sind 39 Prozent der Menschen übergewichtig oder adipös, so wie etwa auch in der Schweiz. (Bild: Getty)

Es gibt nicht einfach den Dicken oder die Dicke. Übergewichtige sind keine homogene Gruppe wie eine Untersuchung der Universität Zürich zeigt, die im Schweizer Ernährungsbulletin 2019 publiziert worden ist. Demnach gibt es verschiedene von einander unterscheidbare Gruppen, was für die Prävention von Übergewicht und der schwereren Form davon, Adipositas, von Bedeutung ist.

Die Zahl an übergewichtigen Menschen ist in der Schweiz seit Anfang der 1990er-Jahre in der Schweiz stark angestiegen. Mit der Ernährungserhebung «menuCH» hat man zwischen Januar 2014 und Februar 2015 erstmals detaillierte Informationen zur Ernährung in der Schweiz erhalten. Bei diesen 2057 Befragten zwischen 18 und 75 wurde zusätzlich auch der Body Mass Index (BMI) erhoben. Demnach sind 20 Prozent der Frauen übergewichtig und damit deutlich weniger als die Männer mit 41 Prozent.

Body Mass Index wird kritisch diskutiert

Bei der schweren Übergewichtigkeit, den Adipösen, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern geringer: Elf Prozent bei den Frauen, 14 Prozent bei den Männern. Das dafür angewandte Mass des BMI steht allerdings oft in der Kritik, weil er nach Meinung einiger Experten nicht das Wohlbefinden eines Menschen abbilde. «Der BMI wird tatsächlich kritisch diskutiert, wir selber haben auch darüber publiziert», sagt Studienautorin Nicole Bender vom Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich. «Der BMI wird bei Populationsstudien jedoch in der Regel nach wie vor als Mass für Übergewicht verwendet, da Grösse und Gewicht leicht zu erfragen oder zu messen sind», erklärt Bender.

Unbestritten ist, dass Übergewicht das Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes II, kardiovaskuläre- und Atemwegs- Erkrankungen wie auch für einige Krebsarten erhöht. Kein Wunder also hat auch das Bundesamt für Gesundheit dem Übergewicht den Kampf angesagt. Um eine Prävention allerdings zielgenau auszurichten, muss man nicht nur den Body Mass Index und die Ernährungsgewohnheiten kennen. Nicole Bender und ihre Forschergruppe gingen der Frage nach, ob die in der «menuCH»-Studie befragten Übergewichtigen sich bezüglich Lebensstil und Risikofaktoren wie Ernährung, Bewegungsverhalten, Rauchen und Alkoholkonsum und vor allem im sozioökonomischen Status von Normalgewichtigen unterscheiden.

Normalgewichtige sind generell nicht nur besser ausgebildet, sondern auch jünger. Das Einkommen ist bei normalgewichtigen Frauen am höchsten, bei den Männern spielt das Einkommen gemäss der Studie keine Rolle. Adipöse Männer und Frauen leben häufiger alleine als normal- und übergewichtige. «Der wichtigste Faktor ist sicher der sozioökonomische Status», sagt Bender. «Sogar in Tierstudien zeigt sich eine bessere Gesundheit bei ranghöheren Tieren. Es scheint daher einen biologischen Zusammenhang zwischen Status und Gesundheit zu geben, der noch nicht restlos geklärt ist», erklärt die Studienautorin.

Nicht mehr als ein Bier pro Tag

Einfluss auf das Gewicht hat auch der Alkohol. Dabei seien zwei Aspekte zu berücksichtigen: «Einerseits enthält Alkohol Kalorien, die sich im Gewicht bemerkbar machen können. Anderseits hängt ein hoher Alkoholkonsum oft mit einem niedrigen Status in der Gesellschaft zusammen», sagt Bender. Normalgewichtige Studienteilnehmer haben in der Untersuchung denn auch den niedrigsten täglichen Alkoholkonsum von zwölf Gramm, was einer Stange Bier entspricht.

Generell gilt wenig überraschend: Je«gesünder» die Ernährung, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht und Adipositas. Mit gesund spricht Bender von üblichen Richtlinien: Viel Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte, wenig rotes Fleisch, wenig gesättigte Fette, wenig Zucker und weiteres.

Zusammenhang zwischen Gewicht und Bewegung?

Allerdings gibt es auch Studien, nach denen sich Menschen mit leichtem Übergewicht oft wohler fühlen. Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Wohlbefinden hänge sehr wahrscheinlich eher wieder mit dem zusammen, dass Übergewichtige in der Regel einen niedrigen Status hätten. «Es besteht zwar auch ein Zusammenhang zwischen Bewegung und Gewicht – vor allem bei Frauen. Aber wir wissen die Richtung nicht: bewegen sich Übergewichtige weniger oder führt weniger Bewegung zu Übergewicht? Oder beides?», sagt Nicole Bender.

Konkrete Präventionsmassnahmen könnten aus der Studie nicht abgeleitet werden. Aber es sei wichtig zu sehen, «dass wir bei der Prävention über die üblichen Risikofaktoren hinaus gehen müssen, um das Phänomen Übergewicht und Folgekrankheiten besser zu verstehen.»

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