Die 20 kleinsten Länder der Welt: Inseln, Stadtstaaten und europäische Mininationen

Von Vatikanstadt über das heuer jubilierende Fürstentum Liechtenstein bis zu Mikronesien: ein Überblick über
die 20 Mininationen der Welt, mit besonderem Augenmerk auf eine Handvoll europäischer Zwergstaaten.

Hans Graber (Text), Jana Breder (Grafik) 
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Zusammen haben sie eine Fläche von 6329 Quadratkilometern. Die 20 kleinsten aller 196 Länder beanspruchen also nicht einmal ganz so viel Platz wie der Kanton Graubünden. Souveräne Staaten sind sie aber alle ohne Wenn und Aber.

Nimmt man statt der Fläche die Einwohnerzahl als Massstab, sind 16 der unten genannten Länder auch diesbezüglich bei den 20 kleinsten. Einen markanten Sprung nach oben würde einzig der Stadtstaat Singapur machen, der mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern in der Weltrangliste die Nummer 114 ist.

In manchen Staaten ist's eng

Wenig Platz, aber verhältnismässig viele Einwohner – das gilt indes nicht nur für Singapur (7891 Menschen pro km2). Noch weit enger ist es in Monaco (18900/km2), und die «Bronzeme­daille» in Sachen Bevölkerungsdichte geht ans kleinste Land überhaupt: Vatikanstadt, mit 1884 pro km2, wobei das eine theoretische Zahl ist: Die Vatikanstadt ist nicht mal einen halben Quadratkilometer gross.

Liechtenstein seit 1806 unabhängig

Anlass für unsere kleine Betrachtung der Kleinen ist das Fürstentum Liechtenstein. Es kann heuer seinen 300. Geburtstag feiern, ist aber erst seit 1806 unabhängig. Liechtenstein liegt nach Fläche und nach Einwohnern auf demselben Platz in der Weltrangliste, nämlich dem 191. Mit 232 Einwohnern pro km2 ist das Ländle auf Rang 39, knapp vor Deutschland (231/km2), während die Schweiz Rang 47 einnimmt (205/km2). Unser Land ist übrigens bezüglich Fläche auf Position 132 unter den 196 Ländern der Welt, bezüglich Einwohner auf Rang 99.

Viele ehemalige Kolonien

Natürlich kann man nicht alle kleinen Länder über einen Leisten schlagen. Allen gemeinsam sind nur die bescheidenen Ausmasse. Eine weitere Auffälligkeit: Von den nichteuropäischen Ministaaten standen die meisten lange unter vorab britischer Schutzherrschaft (Kolonie, Protektorat), ehe sie ab den 1960er-Jahren unabhängig wurden. Ihre Namen hört man meist nur beim Einmarsch der Nationen an Olympischen Spielen.

Etwas mehr Aufmerksamkeit haben sie aber verdient. Die Hauptstadt von Belgien oder Spanien weiss jeder, aber fragen Sie doch mal einen nach der Hauptstadt von Tuvalu oder St. Kitts und Nevis.

Das sind nebst Liechtenstein die kleinsten Länder in Europa

Vatikanstadt: Total katholisch

Der amtierende Papst ist Oberhaupt des Staats Vatikanstadt innerhalb von Rom. Einst noch ein grösseres Territorium umfassend, beträgt seit 1929 die Fläche noch 44 Hektar, und die Einwohnerzahl schwankt um die 1000. Gut die Hälfte davon hat die vatikanische Staatsbürgerschaft, die aber immer nur auf Zeit und gebunden an eine Funktion (u. a. Schweizergarde) vergeben wird. Die Vatikanstadt ist zu 100 Prozent katholisch. Als einziges Land hat es als Amtssprache Latein.

Monaco: Klein, aber oho

Fürstenfamilie, steuergünstiger Wohnsitz der Schönen und Reichen, Spielbank im Stadtteil Monte-Carlo und Formel-1-Rennen: Das sind die Kennzeichen Monacos, dem zweitkleinsten Land der Welt und jenem mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Gegründet bereits 1215, geriet Monaco über die Jahrhunderte immer wieder mal in Wirren, konnte aber letztlich seine Unabhängigkeit wahren. Monaco hat heute weltweit die grösste Polizeipräsenz: 1 Polizist pro 70 Einwohner.

San Marino: Stets standhaft

Verfolgte Christen gründeten im Jahr 301 an den Hängen des Monte Titano die älteste Republik der Welt. San Marino hat sich – teils dank guter Kontakte zum Papst – in seiner ganzen Geschichte nie jemandem unterworfen. Als Napoleons Truppen 1796 Italien eroberten, befahl er aus Respekt seinen Leuten, die Grenzen zur Enklave San Marino nicht zu überschreiten. Heute hat San Marino eine eher symbolische Armee, im Kriegsfall würde Italien das Land verteidigen.

Andorra: Fremde Fürsten

65 Berggipfel über 2000 Metern zählt der Zwergstaat im Grenzgebiet Frankreich-Spanien. Haupteinnahmequelle ist der Tourismus in diesem «Samnaun der Pyrenäen»: Alkohol, Tabak und Kosmetik sind günstig zu kaufen. Andorra möchte den einseitigen Ruf loswerden und wirbt mit Ski, Wandern und Fauna um weitere Gäste. Besonderheit: Der Bischof von Urgell/Spanien (Andorra gehört zur Diözese) und Frankreichs Staatspräsident sind seit 1278 Co-Fürsten Andorras.

Malta: Eigene Sprache

Lange Zeit stand die Inselgruppe südlich von Sizilien unter britischer Fuchtel. Noch heute herrscht Linksverkehr. Bis zur Unabhängigkeit 1964 war Malta dauernd unter Fremdherrschaft gestanden. Vielleicht hält sich gerade deshalb hartnäckig eine eigene Sprache: Maltesisch hat sich aus einem arabischen Dialekt entwickelt. Auf den drei Inseln Malta, Comino und Gozo blüht der Tourismus, bei eh schon recht hoher Bevölkerungsdichte, der fünfthöchsten der Welt (1307 pro km2).