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«Die Bachelorette»
Klippen springen, Spinnen essen und Dates crashen: Eine Folge voller Drama(tischen Pausen) – auch für den letzten Aargauer

Sechs Kandidaten sind noch im Rennen und man sollte meinen, das würde die Folge kürzer machen. Stattdessen wird einfach alles noch eine Spur mehr in die Länge gezogen: noch mehr überdramatische Pausen, noch mehr Zeitlupe und noch mehr Gedanken à la «Mach mal vorwärts!» – zumindest auf Zuschauerseite.

Nadja Zeindler
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Wir sind in der sechsten Folge und mit dabei sind noch das selbst ernannte «Alphamännchen» Peter, Bünzli Heinz, Küken Giuliano, Sportskanone Yuri, Bösewicht Gian und Aargauer Angelo.

Letztere drei dürfen mit «Bachelorette» Yuliya auf einem Bananenboot übers Meer rasen und danach an das mittlerweile übliche Champagner-Picknick mit den üblichen «Besser-Kennenlernfragen». Und wie üblich antworten Angelo und Yuri gewohnt nett. Gian schaufelt sich dagegen fröhlich grinsend sein eigenes Grab: Er hat seine Partnerin schon angelogen und ist auch mal fremdgegangen – obwohl er sich trotzdem als loyaler Typ bezeichnet. Schon klar.

Dann kommen wir zum üblichen Drama: Peter, Giuliano und Heinz dürfen mit Yuliya zum Klippenspringen. Bzw. sie müssen von der zwölf Meter hohen Klippe springen, während Yuliya Haltung und Kreativität bewertet. Heinz bietet keins von beidem, überwindet sich aber immerhin als Erster. Giuliano stürzt sich dagegen mit einem Salto in die Tiefe. Wow – zur Abwechslung mal ganz ohne Sarkasmus. Peter zieht dafür eine ewig lange Drama-Show ab, nur, um wie ein nasser Sack ins Wasser zu plumpsen. Und Yuliya ist offenbar spontan erblindet! Sie kürt tatsächlich ihn zum Gewinner des Einzeldates: «Ich hatte Angst um ihn und das zeigt, dass ich bereits etwas für ihn empfinde.» Bitter für Giuliano. Und so angelt sich Peter den dritten Kuss der Staffel.

Im Whirlpool kommen sich Yuliya und Peter näher.

Im Whirlpool kommen sich Yuliya und Peter näher.

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Nach der romantischen Nacht wird der Morgen danach eklig: Frei nach dem Motto «‹Bachelorette› goes Dschungelcamp» müssen Giuliano, Gian, Yuri und Peter Fragen zu Thailand beantworten. Wer falsch liegt, muss Krabbelviecher essen. Und weil sie natürlich ständig nur in der Villa, am Strand oder bei Millionen von Champagner-Picknicks hocken, haben sie keine Ahnung.

Trotzdem kann Peter punkten. Egal, ob Heuschrecken, Maden, Wasserkäfer, Skorpione oder Vogelspinnen: Er stopft sich alles in den Mund. Wow, ähm, sexy? Yuliya ist jedenfalls beeindruckt. Bei Drama-Queen Gian muss sie aber Händchen halten und sogar zuerst selbst einen Skorpion essen, bevor er sich überwindet. Schlussendlich ist das aber alles egal, weil es am Ende auf eine Schätzfrage hinausläuft, und Yuri gewinnt das Einzeldate.

Gian braucht Unterstützung, um sich zu überwinden, eine Spinne zu essen.

Gian braucht Unterstützung, um sich zu überwinden, eine Spinne zu essen.

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Das passt Gian nicht – wie üblich. Denn «ich dominiere die Szene», die anderen sind nur «kleine Lutscher» und «in der Nahrungskette unten dran». Der brünstige Gorilla beschliesst darum, Yuris Date zu crashen, «weil ich habe mir das verdient». Oder die «Bachelorette»-Macher haben ihm das so empfohlen. Man weiss es nicht so genau. Auf jeden Fall trampelt Gian planlos in das Date – und jammert Yuliya die Ohren voll, dass alle so gemein zu ihm sind.

Man sollte meinen, die Entscheidung ist längst gefallen. Aber nein: Yuliya muss vor der Nacht der Rosen gewohnt monoton betonen, wie schwer die Entscheidung ist. Zugegeben: Diesmal geht es darum, wen sie mit ins Halbfinale und damit zu den Dream Dates nimmt.

Sechs Kandidaten, vier Rosen und eine Entscheidung, die gefühlt 80 Jahre dauert.

Sechs Kandidaten, vier Rosen und eine Entscheidung, die gefühlt 80 Jahre dauert.

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Und jetzt möchte man wirklich den Bildschirm anschreien, denn die Entscheidungen ziehen sich ewig in die Länge. Zuerst zwischen Giuliano und Angelo: «Giuliano, ich habe dich zum Start als Draufgänger eingeschätzt. Richtig kennen gelernt habe ich dich erst später. Vielleicht zu spät?» Keine Ahnung, sag du es uns. «Angelo, dir habe ich bei unserem ersten Date gesagt, dass du der perfekte Mann bist. Daran hat sich nichts geändert.» Klingt vielversprechend. «Doch seither kommt nichts mehr von dir.» Ui nein! Zurück zu Giuliano: «Ich habe einen sehr sensiblen jungen Mann kennen gelernt.» Ok? «Aber ich habe mir überlegt, ob wir an unterschiedlichen Punkten im Leben stehen. Oder macht das den Reiz zwischen uns aus?» Woher sollen wir das wissen? Mach mal vorwärts!

Wieder zu Angelo: «In deiner Nähe fühle ich mich megawohl.» Toll! «Aber wo Ruhe ist, brennt auch wenig Feuer. Ich vermisse bei dir Leidenschaft.» UM HIMMELS WILLEN! «Ich habe mich entschieden.» Na Gott sei Dank! «Angelo, deine Augen verraten mir, dass du bereits Gefühle für mich hast. Ich befürchte nur, dass ich mit diesen Gefühlen nicht mithalten kann.» Der letzte Aargauer Kandidat ist raus – und er hat Tränen in den Augen.

Der letzte Aargauer ist raus: Yuliyas Entscheidung nimmt Angelo sichtlich mit.

Der letzte Aargauer ist raus: Yuliyas Entscheidung nimmt Angelo sichtlich mit.

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So und jetzt kürzen wir das ganze Hin und Her mal ab. Wir werden ja nicht jünger: Neben Giuliano sind auch Peter, Yuri und Heinz weiter. Von Gian müssen wir uns verabschieden. Keine Überraschung, aber trotzdem fast schade. Denn eigentlich hat nur noch er für so was wie Unterhaltung gesorgt. Allerdings hat Yuliya diese gefühlt 80 Jahre dauernde Entscheidung doch auch oscarreif über die Bühne gebracht und lies damit sogar diese zynische Autorin nervös werden. Wer hätte das gedacht? Zum Glück ist der Quatsch bald vorbei, sonst könnte die Gehirnwäsche noch ernsthafte Folgen haben und mich – Gott bewahre – zum Fan machen!