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Die Berliner Mauer mit dem Velo erfahren – diese Überraschungen gibt es zu entdecken

Bei einer Radtour entlang der ehemaligen, 160 Kilometer langen Berliner Mauer gibt es Wachtürme, ein Baumhaus oder eine Geisterstadt zu entdecken. Nur wo die Mauer stand, bleibt oft ein Rätsel.
Dirk Engelhardt
In drei Tagen lässt sich der Mauerweg mit dem Velo abfahren. Bild: Philipp Koschel

In drei Tagen lässt sich der Mauerweg mit dem Velo abfahren. Bild: Philipp Koschel

Das Tempo drosseln, bremsen und vom Fahrrad steigen. Diesmal vor einer rostfarbenen Stele – dem Gedenkort für das letzte Maueropfer. «Chris Gueffroy wollte nicht zum Militärdienst» ist über dem Bild des damals 20 Jahre alten Deutschen zu lesen. Als DDR-Bürger Gueffroy hörte, dass der Schiessbefehl an der Mauer ausgesetzt wurde, versuchte er die Flucht über die Mauer beim Britzer Verbindungskanal. Zwei Meter vor Erreichen des Ziels wurde er von den Grenzsoldaten entdeckt und sofort unter Beschuss genommen. Von 22 Schüssen traf einer direkt ins Herz.

Das war im Februar 1989. Die Blumen, die seine Familie auf das Grab legten, wurden von der Stasi immer wieder entfernt. Auch nach dem Mauerfall wurde das Grab von Gueffroy wiederholt geschändet. Das ist nur eine Geschichte, die man an den zahlreichen Stelen erfährt, wenn man den Mauerweg abradelt.

Klassischerweise beginnt man die Mauertour mit dem Fahrrad am Brandenburger Tor. Etwa 160 Kilometer später, rund um das alte West-Berlin, erreicht man wieder diesen Ausgangspunkt. In drei Tagesetappen lässt sich der Weg gut abfahren. Das reicht, um da und dort eine Pause einzulegen und berühmte Bauwerke oder Parks zu bestaunen. Ausgeschildert ist der Weg recht gut, wobei das Schild mit dem Mauerweg-Logo immer in 3,60 Meter Höhe angebracht ist – exakt die Höhe der ehemaligen Mauer.

Ein Baumhaus an der Mauer duldeten die Behörden

Nach dem Selfie am Brandenburger Tor geht es in Richtung Potsdamer Platz, 1990 noch eine leere Fläche. Der Mauerverlauf lässt sich gut an der doppelreihigen Kopfsteinpflastermarkierung erkennen. Manchmal ragt diese merkwürdig nah an Häuser heran – wobei zu DDR-Zeiten hier Fenster und Türen zugemauert waren, um Fluchten zu verhindern. An einer kleinen Nebenstrasse steht der älteste noch erhaltene Wachturm, den man im Originalzustand beliess. Von einst 300 Wachtürmen stehen heute nur noch ganze fünf.

Wenig später kommt das goldfarbene Hochhaus des Axel-Springer-Verlages ins Blickfeld. Die Zeitungen dieses Verlages – BZ, «Berliner Morgenpost» und «Welt» – dominierten zu Mauerzeiten die Westberliner Medienlandschaft. Man staunt heute noch, wie nah Axel Cäsar Springer sein Verlagshaus an die Mauer bauen liess, um die feindlichen Genossen in Ostberlin zu ärgern. Am Kreuzberger Bethaniendamm trifft man auf ein Mauer-Kuriosum: dem «Gecekondu».

Das ist ein Baumhaus, das der türkische Einwanderer Osman Kalin an der Mauer baute. Die zweistöckige Bude, aus Sperrmüll errichtet, schuf Kalin auf einer Verkehrsinsel, die weder zu West- noch zu Ostberlin gehörte. Die Behörden duldeten das Bauwerk, und Kalin kam zu Berühmtheit. Als er noch lebte, verlangte er Geld von Touristen, die ihn fotografieren wollten. Jetzt plant die Familie, das Haus als Museum umzugestalten.

Bei Schönefeld ist die Stadtgrenze erreicht. Hier lässt sich gut erkennen, wie brachial einst der Übergang zwischen der Stadt Berlin und dem Umland war. Auf der rechten Seite stehen dichte Besiedlungen mit Einfamilienhäusern und Gärten; auf der linken Seite liegen Felder, so weit das Auge reicht.

Kirschbäume aus Japan, Villen und graue Regierungsbauten

Eine Geisterstadt gerät im Süden von Lichterfelde ins Blickfeld, in der einst amerikanische Soldaten den Häuserkampf trainierten. Sogar ein U-Bahnhof wurde extra dafür angelegt. Hübscher wird es ein Stückchen weiter an der TV-Asahi-Kirschblütenallee. Insgesamt 9000 Kirschbäume wurden von Japanern gespendet, aus Freude über die Vereinigung Deutschlands. Besonders schön ist dieser Abschnitt zur Blütezeit im April.

Das Gebiet um den S-Bahnhof Lichtenrade macht derweil mit seinen tristen Imbissständen, leer stehenden Häusern und altmodischen Geschäften immer noch den Eindruck, in den Nachwendejahren zu verharren. In Babelsberg beginnt der landschaftlich schönste Teil der Tour. Gleich hinter der Glienicker Brücke lässt sich stilvoll im historischen Ambiente einer alten Tankstelle speisen. In einem kleinen Restaurant namens «Garage du Pont» sitzt man auf der Rückbank einer alten Citroen DS Limousine.

Weiter geht es entlang des Ufers des Griebnitzsees. Links am waldigen Hang stehen spektakuläre Villen. Das Schloss Cecilienhof, das am Weg liegt, ist einen Halt wert. Idyllisch-ländlich ist es bei Lübars, einem Dorf auf West-Berliner Gebiet. Dort radelt man auf gut angelegten Wegen durch ein feuchtes Fliesstal, Pferde stehen hier auf Weiden.

Der Mauerweg führt daraufhin erneut mitten durch Wohngebiete, und man fragt sich, wo hier die Mauer verlaufen ist. Schliesslich geht es entlang der spröden, grauen Regierungsbauten zurück zum Endpunkt, dem Brandenburger Tor.

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