Hitzewelle endet mit Blitznacht in der Schweiz

Mit 20000 Blitzen, Hagel und Sturmböen endete die siebentägige Hitzewelle in der Schweiz. Beim Naturspektakel wird eine riesige Menge an Energie frei, die sich mit einem Knall entlädt.

Bruno Knellwolf
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Blitze über dem Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

Blitze über dem Bodensee. (Bild: Andreas Walker)

Menschen mit leichtem Schlaf hatten eine unruhige Nacht. Nach einem schwül-heissen Tag zog in der Nacht auf gestern ein heftiges Unwetter mit Hagel, Blitz und Donner über weite Teile der Schweiz, ein beeindruckendes Naturschauspiel. «Die heftigsten Niederschläge in kurzer Zeit mit 40 bis über 50 Millimetern fielen vom Zugerland über den oberen Zürichsee bis ins Zürcher Oberland, ins Tösstal, und weiter ins untere Toggenburg bis Wil», sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Von Gewittern und heftigem Regen in Mitleidenschaft gezogen wurden auch das Unterwallis und das Appenzellerland. An mehreren Orten musste die Feuerwehr ausrücken, um Keller auszupumpen.

«Es waren klassische sommerliche Kaltfrontgewitter. Die Kaltfront kam aus Nordwesten und gehörte zu einem ausgedehnten Tief über Skandinavien»

, erklärt der Klimatologe von Meteo Schweiz. Nach einer Hitzewelle hat ein Gewitter besondere Kraft. «Heisse Luft, die schnell in die Höhe befördert wird, wie im aktuellen Fall, ist immer förderlich für heftige Gewitter». So wurde vorgestern die vor der Kaltfront liegende Warmluft an eben dieser Kaltfront denn auch rasant gehoben. Dann türmen und laden sich jeweils die Cumulonimbus-Wolken auf, «diese schönen sommerlichen Amboss-Wolken», welche die Blitze auslösen.

Reiben bis es mit Überschall knallt

Davon gab es in der Unwetternacht Tausende. Starke Winde verursachen dabei, dass sich die Wolken immer weiter auftürmen. Dabei werden die Wassertropfen in der Wolke hin und her getrieben, sie stossen und reiben sich aneinander und laden sich so elektrisch auf. Tropfen im oberen Teil der Wolke werden positiv, im unteren Teil negativ. Wie eine Batterie hat die Gewitterwolke dann zwei Pole, zwischen denen sich ein elektrisches Feld aufbaut. Wird der Spannungsunterschied zu gross, kommt es zum Kurzschluss – zum Blitz. In der Wolke wird dabei Energie frei, welche die umgebende Luft in Sekundenbruchteilen auf 30000 Grad Celsius erhitzt. Die Luftmoleküle beginnen zu leuchten und der Blitz verfärbt sich leicht bläulich. Die Luft dehnt sich aus und erreicht Schallgeschwindigkeit, bis die Schallmauer durchbrochen wird. Dann donnert es und der Hund verzieht sich in den Keller.

Rund 13 Gewittertage im Schweizer Mittelland

Selten sind Blitze nicht, weltweit gibt es zu jeder Zeit 2000 bis 3000 Gewitter, also täglich bis zu 30 Millionen Blitze, 100 pro Sekunde. In der Schweiz gibt es pro Jahr gemäss Meteo Schweiz rund 60000 bis 80000 Blitzeinschläge. Und im Mittelland etwa 13 Gewittertage, am meisten im Tessin. In diesem Jahr erlebten wir gemäss Stephan Bader in der Schweiz bisher eine laue Gewittersaison.

«Einzig der Monat Juni brachte im Mittelland wie in St. Gallen einen leicht überdurchschnittlichen Wert»

, sagt Bader. Und auch die Niederschlagsmengen waren in der Unwetternacht generell gemäss nicht sonderlich hoch, auch wenn es lokal wegen der 50 Millimeter Regen doch zu kleinen Überschwemmungen kam.

Bader zitiert zum Vergleich aus den Annalen der Meteorologischen Centralanstalt. Darin wird erzählt wie bei einem Gewitter am 26. Juli 1895 diese 50 Millimeter Regenwasser im Ausserrhodischen Heiden innerhalb von zehn Minuten zusammenkamen. Dieses Gewitter brachte den bis heute gültigen 10-Minuten-Niederschlagsrekord.