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Kolumne

Die Domina und die Einbürgerung

Die Auffassung, eine Frau in der Erotikbranche können keine richtige Ehe führen, ist längst überholt, schreibt unser Kolumnist Valentin Landmann.
Valentin Landmann
Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Skandale laufen manchmal im Stillen ab und da ist es richtig, solche Skandale ans Licht der Öffentlichkeit zu ziehen. Hera ist Domina von Beruf, eine Domina, wie sie im Buche steht: selbstbewusst, mit magischem Blick und eindrücklicher Ausstattung. Hera übt einen Beruf aus, der nach schweizerischem Recht völlig legal ist. Die Domina führt ihren Betrieb hoch korrekt. Sie versteuert, was sie einnimmt. Sie hat nicht das Geringste mit Drogen oder anderem illegalem Kram zu tun. Im Privatleben ist die Domina Ehefrau, verheiratet mit einem pen- sionierten Versicherungsmanager. Zusammen zahlt das Ehepaar über 40000 Franken Steuern im Jahr. Bei ihnen wohnt ein weiterer Schweizer, der ebenfalls einem völlig ordentlichen Beruf nachgeht. Es ist ein langjähriger Freund des Ehepaars.

Staatssekretariat für Migration: Ehe setzt doch gegenseitige Treue und Hilfe voraus

Unsere Domina lebt seit rund dreissig Jahren in der Schweiz. Eingewandert ist sie ursprünglich als Saisonnière aus Ex-Jugoslawien. Sie hat immer gearbeitet in der Schweiz. Sie hat keinerlei Schulden. Sie hat keinerlei Betreibungen. Sie hat nicht die geringste Vorstrafe, nicht einmal eine Verkehrsbusse. Schweizerdeutsch spricht sie wie eine Zürcherin mit kaum mehr einem Akzent. Sie interessiert sich für Politik, für Geschichte der Schweiz etc. Ein klarer Fall für Einbürgerung – oder nicht? Vor zirka drei Jahren hat Hera einen Antrag auf erleichterte Einbürgerung aufgrund ihrer Ehe gestellt, die bereits mehr als fünf Jahre besteht. Mehr als fünf Jahre hat sie mit ihrem Ehemann zusammengelebt und lebt weiter mit ihm zusammen.

Die Zürcher Behörden fanden das alles in Ordnung und überwiesen mit Antrag auf Gutheissung der Einbürgerung an das Staatssekretariat für Migration des Bundes. Doch da kam nun der gran­diose Einwand: Ehe setze doch nach schweizerischem Recht eine eheliche Gemeinschaft in gegenseitiger Treue und gegenseitiger Hilfe voraus. Von einer solchen ehelichen Gemeinschaft könne man doch bei einer Prostituierten nicht sprechen. Und das Staatssekretariat begleitete dieses Statement mit einem riesigen Fragebogen an die Domina über sämtliche Aspekte des Privatlebens.

Die Domina legte sogar Ferienfotos, Hotelbuchungen usw. mit ihrem Mann vor.

Bereits in einem anderen Fall hatte das Staatssekretariat für Migration gestützt auf die Erotiktätigkeit einer Frau die Einbürgerung verweigert. Jene Frau hatte sogar mehrere Kinder mit ihrem Mann. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Ablehnung aufgehoben und zurückgewiesen, sehr zu Recht. Die Auffassung, eine Frau in der Erotik könne keine richtige Ehe führen, entspricht vollkommen überkommenen Vorstellungen, die das Bundes­verwaltungsgericht zu Recht festhielt. Wird irgendwann diese Auffassung, die dem aktuellen schweizerischen Recht entspricht, auch bis zum Staatssekretariat für Migration des Bundes durchdringen? Es ist schlicht ein Skandal, dass eine Frau, die alle Voraussetzungen der Einbürgerung in exzellenter Form erfüllt, bis aufs Blut geplagt wird und nach drei Jahren immer noch auf einen Entscheid warten muss. Der ­Polizeibeamte in Zürich sagte ihr sogar bei der Befragung: «Würden Sie eine Burka tragen, wären Sie längst eingebürgert.»

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