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Meisterwerk-Serie: Die doppelte Frida

In ihrem zweifachen Selbstporträt von 1939 verarbeitet die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo die Trennung von ihrem Mann Diego Rivera.
Christina Genova
«Die zwei Fridas» zählt zu Frida Kahlos wenigen grossformatigen Gemälden. Es befindet sich im Museo de Arte Moderno in Mexico City. (Bild: AP)

«Die zwei Fridas» zählt zu Frida Kahlos wenigen grossformatigen Gemälden. Es befindet sich im Museo de Arte Moderno in Mexico City. (Bild: AP)

Am liebsten malte Frida Kahlo sich selbst. 1939 schuf die mexikanische Künstlerin mit «Die zwei Fridas» gleich ein Doppelselbstporträt. Sie hielt fest, was sie fühlte, und das waren vor allem ihre inneren und äusseren Verletzungen.

Ihr Körper war versehrt durch Kinderlähmung und einen schweren Busunfall, den sie mit 18 Jahren erlitt.

Die beiden Fridas sitzen parallel zum Betrachter auf einer hölzernen, mit Stroh bespannten Bank. Diese steht in einem offenen Raum vor einem stürmisch bewölkten Himmel. Er ist Ausdruck der ­inneren Gefühlslage der Künstlerin. Sie vollendete das Gemälde, das zu ihren ­bedeutendsten und bekanntesten zählt, unmittelbar nach der Scheidung von Diego Rivera. Schon zuvor lebte sie seit mehreren Monaten nicht mehr mit ihm zusammen. Frida Kahlo hatte sich längere Zeit in New York und Paris auf­gehalten. Während ihrer Abwesenheit hatten sie und ihr Mann sich wohl aus­einandergelebt. Ausserdem war er ein notorischer Fremdgänger. Auch sie selbst war nicht immer treu.

Wille nach Unabhängikeit

Die Trennung setzte der Künstlerin körperlich und emotional sehr zu. Trotzdem widmete sie sich intensiv ihrer Arbeit, auch weil sie von Diego finanziell unabhängig werden wollte. Es entstand eine ganze Serie von Selbstporträts. Diego Rivera, den Frida Kahlo ein Jahr nach der Scheidung wieder heiratete, schrieb über die Zeit ihrer Trennung: «Während der beiden Jahre, die wir getrennt lebten, hat Frida einige ihrer besten Arbeiten geschaffen und so den Kummer in ihrer Malerei sublimiert.» Offensichtlich war die Künstlerin am produktivsten, wenn sie unter psychischen oder physischen Schmerzen litt.

«Es gab viele Fridas»

«Die zwei Fridas» entstand für die grosse Surrealismus-Ausstellung 1940 in der Galería de Arte Mexicano. Drei Monate hatte Frida Kahlo daran gearbeitet. Sie selbst sah sich jedoch nicht als Surrealistin, sondern in der Volkskunst ihres Heimatlandes verwurzelt. Obwohl man viel über «Die zwei Fridas» weiss, gibt es bis heute keine eindeutige Interpretation des Gemäldes. Vielleicht trifft am ehesten zu, was Frida Kahlos Jugendliebe Alejandro Gómez über sie schrieb: «Die Persönlichkeit dieser Frau war so vielschichtig und widersprüchlich, dass man sagen könnte, es gab viele Fridas.»

1 Gebrochenes Herz

Die linke Frida trägt ein weisses, viktorianisches Kleid. Ein ähnliches trug ihre Mutter bei der Hochzeit. Das mit Spitzen versehene Oberteil ist aufgerissen und das aufgeschnittene Herz freigelegt. Es steht für Fridas wegen der Scheidung von Diego Rivera gebrochenes Herz. Aus einer Abzweigung der aufgerissenen ­Arterie tropft Blut auf das Kleid. Frida versucht, die Blutung mit einer Klemme zu stillen. Einige der gestickten Blumen werden zu Blutflecken.

2 Imaginäre Freundin

Die Gesichter der beiden Fridas wirken ruhig und ausdruckslos. Steif und förmlich halten die beiden Frauen sich an der Hand. Das Gemälde, schreibt Frida Kahlos Biografin Hayden Herrera, sei ein Bild der Selbstheilung. Frida tröste, bewache und stärke sich selbst. Auf sich alleine gestellt, nimmt Frida sich selbst bei der Hand. Sie genügt sich als Gefährtin. Wie das Tagebuch der Künstlerin verrät, erinnert die doppelte Frida an ihre imaginäre Freundin aus der Kindheit, mit welcher die Sechsjährige ihre geheimen Sorgen und Wünsche teilte. Es war die Zeit, als Frida an Kinderlähmung erkrankte und während neun Monaten das Bett hüten musste.

3 Das Medaillon

In der Hand hält Frida ein Amulett mit einem Kinderbild Diego Riveras, ihres Exmannes – eine tatsächlich existierende alte Fotografie. Ein Blutgefäss umschliesst das Medaillon und fliesst zu ihrem Herzen, das freigelegt, aber heil ist. Von dort verzweigt es und strömt hinüber zum versehrten Herz der anderen Frida. Die linke Frida könnte jene sein, die Diego geliebt hatte, die andere die Frau, von der er sich abwandte.

4 Indianisches Erbe

Die rechte Frida trägt eine Tehuana-Tracht, wie die Frauen aus der ­mexikanischen Stadt Tehuantepec. ­Farbenprächtige folkloristische Kleider ­gehörten zu den Markenzeichen der Künstlerin. Ihr Gesicht ist um einen Ton dunkler als jenes der linken Frida. Die beiden Fridas verweisen auf die Herkunft der Künstlerin: Ihr Vater war Deutscher, ihre Mutter halb Spanierin, halb Indigene. Europäisches und südamerikanisches Erbe sind vereint. Frida Kahlo selbst sagte, die beiden Fridas zeigten die Dualität ihrer Persönlichkeit.

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