Die Epidemie ist vorerst gebremst, die Reproduktionszahl ist unter 1 gefallen

Mit der R-Zahl wird die Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung berechnet. Fällt sie unter 1, bedeutet das eine Abnahme der Neuinfektionen.

Bruno Knellwolf
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Geht der R-Wert runter, sollten die Tests mit der Zeit weniger positive Fälle anzeigen.

Geht der R-Wert runter, sollten die Tests mit der Zeit weniger positive Fälle anzeigen.

Keystone

Was gestern von den Corona-Experten des Bundes noch als Ziel genannt worden ist, ist heute schon Realität geworden. Die effektive Reproduktionszahl, der oft zitierte R-Wert, ist unter 1 gefallen – genau genommen auf 0,97. Das ist in der ganzen Corona-Tristesse tatsächlich eine erfreuliche Meldung. Denn diese Reproduktionszahl zeigt auf, wie sich das Coronavirus in der Bevölkerung verbreitet.

Hoher Wert im September

Liegt die R-Zahl bei 1, ist die Epidemie gebremst, weil eine infizierte Person durchschnittlich dann nicht mehr als eine Person ansteckt. Noch Mitte September ist der R-Wert sehr stark angestiegen und auch die Kurve der Neuinfektionen schnellte bald nach oben. Der damals berechnete Wert lag zwischen 1,5 und 2. Das bedeutet, dass zehn Infizierte 15 bis 20 gesunde Menschen in der Schweiz angesteckt haben. Liegt die R-Zahl bei 1,5 heisst das, dass sich die Fälle von Neuinfektionen jede Woche verdoppeln, so wie man das im Oktober festgestellt hat.

Rückgang seit Anfang Oktober

Berechnet wird diese Reproduktionszahl von der Covid-19-Taskforce des Bundes. Die Zahl wird auf zehn Tage zurück berechnet, weil erst dann alle BAG-Daten für die Berechnung der R-Zahl zur Verfügung stehen. Die neu berechnete Zahl vom 31. Oktober zeigt somit einen Trend auf. Im Moment einen positiven, nicht nur weil die Zahl erstmals seit Mitte September wieder unter 1 liegt, sondern weil die Zahl schon seit Anfang Oktober wieder zurückgeht. Interessanterweise verbesserte sich die Situation just genau dann als die Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern wieder erlaubt worden sind. Inzwischen sind diese ja wieder verboten worden.

Gemäss der Covid-19-Taskforce würde ein Verzicht von Schutzmassnahmen dazu führen, dass der R-Wert zwischen 2 und 3 läge, was ein exponentielles Wachstum der Infektionen bedeutet. Jetzt ist aber mit der R-Zahl von 0,97 der kritische Schwellenwert unterschritten, was eine Abnahme neuer Fälle anzeigt. Das bestätigt auch die Zahl der Neuinfektionen vom Mittwoch. Diese ist mit 8270 Fällen deutlich tiefer als am Mittwoch vor einer Woche – als es noch über 10'000 Fälle waren.

Gemäss der Taskforce-Vizepräsidentin Samia Hurst von der Universität Genf müsste die R-Zahl aber auf 0,7 sinken, damit die Neuinfektionen mit hohem Tempo zurückgehen. Und somit die Gefahr, dass man sich leicht irgendwo im Land ansteckt. Doch diese R-Zahl ist ein Durchschnittswert über alle Personen gerechnet, womit der Verlauf der Epidemie berechnet werden kann. Das Virus verbreitet sich allerdings ungleich, weil nicht alle Infizierten gleich ansteckend sind. Ein Superspreader kann immer noch viele Menschen anstecken.