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Die Idylle hinter der Felsbarriere

Zusammengekuschelt: Isenthal mit Blick über den Urnersee hinweg zum Rophaien. (Bild: Beda Hanimann)

Zusammengekuschelt: Isenthal mit Blick über den Urnersee hinweg zum Rophaien. (Bild: Beda Hanimann)

Isenthal Ein paar Mal am Tag ist die Strasse von Isleten nach Isenthal in wechselnder Fahrtrichtung für jeweils elf Minuten gesperrt. Wenn das Postauto unterwegs ist, erträgt sie keinen Gegenverkehr. Denn sie ist eng und führt in Haarnadelkurven und einem Kehrtunnel praktisch eine senkrechte Felswand hoch, vom Urnersee in das Seitentälchen Isental mit dem Dorf Isenthal. Elf Minuten, vier Kilometer, 336 Höhenmeter. Was für ein Spektakel! Was für eine Ankunft! Und was für eine Überraschung dann: Nach der Überwindung der Felsbarriere öffnet sich zwischen schroffen Bergwänden ein liebliches Tälchen. Ich bin angekommen in einer andern Welt.

Der letzte Bär im Urnerland

Das Dorf liegt zu Füssen eines markanten Berges namens Horn, hier teilt sich das Tal in das Klein- und Grosstal. Der Wanderwegweiser bei der ehemaligen Post ist eine schier endlose Aufzählung von Alpen und Stöcken, weiter hinten im Grosstal gibt es eine Seilbahn, die von St. Jakob zur Geländeterrasse Gitschenen fährt. Die Wanderer und Biker im Garten des «Tourist» erzählen von Routenvarianten und Schwierigkeitsgraden.

Nach einem «Quöllfrisch» (gibt es einen Ort in der Schweiz, den die schlauen Appenzeller Brauer nicht entdeckt haben?) mache ich einen Dorfrundgang. Kaum ein Haus, vor dem nicht ein geschnitzter Bär steht, vom kätzchenkleinen Exemplar bis zur lebensgrossen Figur. Das hat seine Bewandtnis: Die Erinnerung an den Abschuss des letzten Urner Bären im Jahr 1820 wird bis heute gepflegt, es gibt einen Bärenweg und in einem Schaufenster hängen zwei Tatzen des Tieres.

Sogar ein Seelein gibt es

Isenthal ist ein schönes, kompaktes Dorf mit stattlichen und teilweise reich bemalten Häusern, mit rot bekuppelter Kirche und einem stimmigen Pfarrhof. Der Bau eines Kraftwerks hat ihm sogar zu einem kleinen Stauseelein verholfen. Schöne Idylle, die auch von überraschenden Regentropfen nicht getrübt wird. Ich flüchte mit der Speisekarte unter das Vordach des Hotels Urirotstock, eine Viertelstunde später geht das erste Hitzegewitter des Sommers nieder. Während ich bei Älpler-Cordon-bleu und Urner Blauburgunder sitze, treibt der Sturmwind einen imposanten Regenvorhang talauswärts. Donnergrollen. Doch es ist fast wie in Italien, nach dem Essen sind die Strassen wieder trocken.

Wanderparadies zum Verweilen

Später am Abend rechnet mir der Hotelier («Ich bin der Ruedi», hat er bei meiner Ankunft mit einem Händedruck gesagt) vor, dass das Dorf gar nicht so abgelegen sei. In fünf viertel Stunden sei er am Flughafen Zürich, in zweieinhalb in Mailand. Und es finden Gäste aus aller Welt zu ihm, «dank dem da», wie er mit einem Blick zum Laptop auf dem Tisch sagt. Ich freue mich derweil an der sorgfältigen und pfiffigen Gastronomie, es gibt Kaninchenwurst und ein Bärenmenü ­ nicht mit Bärenfleisch, sondern mit Lammrücken. Schafe, man weiss es, mag der Bär.

Schlemmend und wandernd lässt es sich in Isenthal und Umgebung gut sein. Spektakulär und ein letzter Höhepunkt ist meine Heimreise: Der Fussweg hinunter nach Bauen ist nicht minder spektakulär als die Strasse. Und das Vergnügen dauert erst noch länger als elf Minuten.

text und bild Beda Hanimann

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