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Die Liebe zu Gott geht übers Herz

Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu als Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit hat eine lange Tradition. Und sie regt Kunstschaffende zur Auseinandersetzung mit Glaubensfragen an.
Andreas Faessler
Welches Herz wird in der Brust des Heilands schlagen? Das sakrale «Herz Jesu» oder ein anatomisch-menschliches? Die animierte Bildinstallation von Konrad Reichmuth und Zeno Schneider regt zur Reflexion an.

Welches Herz wird in der Brust des Heilands schlagen? Das sakrale «Herz Jesu» oder ein anatomisch-menschliches? Die animierte Bildinstallation von Konrad Reichmuth und Zeno Schneider regt zur Reflexion an.

Das Heiligste Herz Jesu – oder einfach Herz Jesu – ist eines der stärksten Zeugnisse römisch-katholischer Frömmigkeit und steht wie kaum eine andere symbolische Ausdrucksform für die tiefe, innige Beziehung und Liebe der gläubigen Menschen zu Jesus Christus, zu Gott. Hinweise auf seine sich später entwickelnde Verehrung finden sich an mehreren Bibelstellen etwa bei Matthäus oder Johannes, die sich sinngemäss wiederum auf Textstellen des Alten Testaments beziehen, also noch weiter zurückreichen. Diese Bibelstellen handeln von der Liebe zu Gott, die über das Herz geht. Bei Jeremia 24,7 wird dies besonders deutlich, wo es heisst ... und ich gebe ihnen ein Herz, mich zu erkennen, dass ich der Herr bin. Und sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein; denn sie werden mit ihrem ganzen Herzen zu mir umkehren ...

Weit verbreitete Verehrung

Im biblischen Sinne steht das Herz nicht nur für ein Fühlen, sondern es beschreibt das gesamte Wesen eines Menschen bis in sein tiefstes Inneres, seine absolute Mitte. Die besagten Bibeltexte wurden bereits von den Kirchenvätern zitiert und für ihre Botschaften ans Volk herangezogen. Besonders stark geprägt wurde die Herz-Jesu-Verehrung durch Mystikerinnen und Mystiker, wie Hildegard von Bingen, Bernhard von Clairvaux, Franz von Assisi oder Gertrud von Helfta. Im 17. Jahrhundert war es vor allem die hl. Margareta Maria Alacoque (1647–1690), welcher über eine Vielzahl an Visionen und spirituellen Erfahrungen das glühende Herz Jesu sich offenbarte. Die französische Ordensschwester setzte sich zeitlebens dafür ein, dass die Verehrung des Herzens Jesu verbreitet wird. Die Basilika Sacré-Cœur in Paris ist einer der eindrücklichsten Zeugen der Bestrebungen Alacoques. Die wachsende Popularität der Herz-Jesu-Verehrung schlug sich dann auch in zahllosen weiteren Kirchenpatrozinien in ganz Europa und rund um den Erdball nieder.

Eine besonders ausgeprägte Verehrung des Herzens Jesu kennt man auch in der Zentralschweiz. Die Luzerner Ursulinen-Schwester Euphemia Dorer (1667–1752) erfuhr ähnliche spirituelle Eingebungen wie Margareta Maria Alacoque. Durch Schwester Euphemia wurde die Kirche des Luzerner Ursulinenklosters, die Mariahilf-Kirche, zu einem bedeutenden Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung, welche hier bis heute praktiziert wird.

Herz-Jesu-Darstellungen zeigen grundsätzlich den versöhnlich blickenden Heiland mit Wundmalen, auf dessen Brust sein von Liebe glühendes Herz prangt, meist von Flammen umgeben, oft von einem Kreuz bekrönt und mit einer Dornenkrone umfasst. Die Bilder weisen häufig eine süssliche, idealisierte Charakteristik auf, wobei das Herz stets stilisiert dargestellt wird, jenseits der anatomischen Realität. Aber die Wirkung auf die Gläubigen war – vielleicht gerade deshalb – seit jeher stark. Herz-Jesu-Bildchen wurden zuhauf gedruckt und angefertigt. Zu Grossmutters Zeiten fand man sie vielfach als kunstvollen, gerahmten Öldruck an der Wand über dem Bett hängend.

Sohn Gottes oder Mensch aus Fleisch und Blut

Das Mystische des Heiligsten Herzens Jesu regt bis heute Kunstschaffende an, der starken Symbolik und deren Wirkung auf die Gläubigen nachzuspüren. Die beiden Schwyzer Zeno Schneider (*1951) aus Egg und Konrad Reichmuth (*1967) aus Goldau versuchen dies mit ihrer animierten Installation «HerzJesuHerz»: Per Lichtprojektion erscheint auf dem vertrauten Bildnis des gütigen Heilands das typisch stilisierte Herz auf dessen Brust. Allmählich wandelt es sich um in ein schlagendes menschliches Herz mit sämtlichen anatomischen Eigenheiten.

Die Interpretation geben die beiden Schwyzer nicht vor, sie liegt einzig beim Betrachter. Aber sie geben damit einen initialen Impuls. «Womöglich reicht vielen bereits der Gedanke, dass Jesus eben auch ein Mensch aus Fleisch und Blut war», meint Zeno Schneider. «Ein Mensch, der Wichtiges zu verkünden hatte.» Denn viele Antworten auf zentrale Fragen des Lebens würden von Menschen gegeben. Nicht vom Sohn Gottes. «Auf diese Weise sollen die zwei Naturen Jesu veranschaulicht werden», fügt Konrad Reichmuth an. Das Kunstwerk reflektiert gleichsam auch das Verblassen einer über lange Zeit beständigen Religiosität und einer damit eng verbundenen Symbolik.

Ein Wandel in der Rezeption

Auch die metaphysische Aussagekraft solcher Darstellungen ist weitgehend verschwunden, schon lange löst ihr Anblick nicht mehr dieselben frommen Gefühle aus wie einst. Vielmehr nimmt man sie als kitschig und bedeutungslos war. Ein Wandel in der Rezeption hat stattgefunden. Und auch dieser Wandel manifestiert sich sichtbar in der Lichtprojektion. Der sich für die Welt opfernde Sohn Gottes wird zu jenem Menschen, der wir alle sind.

Schlussendlich stellt das animierte Bildwerk den Betrachter vor die vielleicht nicht ganz einfache Aufgabe, seine eigene Haltung zu erörtern, indem er sich fragt: Wo stehe ich mit meinem Glauben? «Vielleicht weckt das sich ändernde Bild Emotionen, die den Betrachter die Distanz seines eigenen ‹Glaubensweges› spüren lassen», kommen Schneider und Reichmuth zusammenfassend zum Schluss.

Hinweis: Die Installation «HerzJesuHerz» ist in Baar ZG zu sehen. Näheres unter www.kunstkiosk-baar.ch

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