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«Die Organspende braucht ein positives Image»

Susann Endermann ist Leitern des Organspende-Netzwerks Ostschweiz. Im Interview sagt sie: In der jetzigen Diskussion gehen immer diejenigen vergessen, die in eine Organspende eingewilligt haben. Für Angehörige eines Verstorben sei es eine schwierige Entscheidung in einem schwierigen Moment.
Ursula Wegstein

Susann Endermann, Sie sind Leiterin des Organspende-Netzwerks Ostschweiz. Was ist Ihre Aufgabe?

Die Schweiz ist in fünf Organspende-Netzwerke unterteilt. Unsere Aufgabe ist es, in den Spitälern dafür zu sorgen, dass Organspender als das erkannt werden, den Spendeprozess in den Ostschweizer Spitälern zu gewährleisten und die Angehörigen zu begleiten. Dabei arbeiten wir eng mit Swisstransplant zusammen.

Was kann überhaupt alles gespendet werden?

Es gibt die Lebendspende von paarigen Organen, wie einer Niere. Auch Teile der Leber können lebend gespendet werden. Von Verstorbenen können die Organe Herz, Leber, Lunge, Nieren, Dünndarm und Bauchspeicheldrüse gespendet werden. Auch Gewebe wie Herzklappen und Hornhaut kommt als Spende in Betracht.

Kommt grundsätzlich jeder als Organspender in Frage?

Was die Organspende von Verstorbenen betrifft, kommen als Spender zum einen Personen in Betracht, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand verstorben sind, sowie Personen, bei denen eine schwere Verletzung des Hirns ohne Aussicht auf Heilung vorliegt. Wenn keine sinnvollen Massnahmen mehr möglich sind und entschieden worden ist, dass die Therapie eingestellt wird, wird die Organspende mit den Angehörigen thematisiert. Jemand, der zu Hause stirbt oder ein Patient, der zwar im Spital, nicht aber auf der Intensivstation stirbt, kommt als Organspender nicht in Frage, da nach dem Tod die Organfunktionen intensivmedizinisch aufrechterhalten werden müssen. Es gibt auch gewisse Kontraindikationen. Patienten mit aktuellem Krebsleiden scheiden zum Beispiel von vornherein als Organspender aus. Wenn bei schweren Verletzungen alle Organsysteme betroffen sind, ist eine Organspende unter Umständen ebenso ausgeschlossen.

Susann Endermann ist seit 2014 Leitern des Organspende-Netzwerks Ostschweiz. Sie arbeitet als leitende Ärztin auf Chirurgischen Intensivstation des Kantonsspitals St.Gallen

Susann Endermann ist seit 2014 Leitern des Organspende-Netzwerks Ostschweiz. Sie arbeitet als leitende Ärztin auf Chirurgischen Intensivstation des Kantonsspitals St.Gallen

Wie kommt es zur Organspende?

Wenn bei einer schweren Hirnschädigung keine Behandlungsmöglichkeit mehr besteht, fragen wir die Angehörigen, ob der/die Sterbende den Wunsch hatte, seine Organe nach seinem Tod zu spenden. In der Schweiz gilt das Prinzip, dass nur der spenden kann, der diesen Willen explizit geäussert hat. Da das Thema einer möglichen Organspende nur selten angesprochen wurde, müssen in den meisten Fällen die Angehörigen diese Frage stellvertretend beantworten. Das sind immer schwierige und sehr belastende Situationen.

Angenommen, es liegt eine Einwilligung vor. Wie geht es weiter?

Der diensthabende Transplantationskoordinator wird informiert. Dieser ­koordiniert die Organevaluation, veranlasst die notwendigen Untersuchungen und gibt die entsprechenden Daten in ein computerbasiertes System von Swisstransplant ein. Nach welchen Kriterien die Vergabe der Organe zu erfolgen hat, ist gesetzlich geregelt. Swisstransplant ist als nationale Zuteilungsstelle für die gesetzeskonforme Verteilung der Organe an die Empfänger zuständig. Darauf haben wir keinen Einfluss.

Welche Kriterien gelten für die Vergabe?

Neben der medizinischen Dringlichkeit werden der medizinische Nutzen und die Dauer der Wartezeit bei der Zuteilung berücksichtigt.

Was geschieht, wenn ein Organ zu niemandem passt?

Organe, die in der Schweiz nicht vergeben werden können, werden Partnerorganisationen im Ausland angeboten. Die Abgabe erfolgt unentgeltlich.

Wieso gibt es so wenig Spenden und sehr lange Wartelisten?

Ich finde die jetzige Situation nicht schlecht. Mich stört die Perspektive: Statt von zu wenig Spendern oder langen Wartelisten zu reden, gehen immer die vergessen, die in eine Organspende eingewilligt haben. Ich habe grossen Respekt vor jedem Angehörigen, der sich im Sinne des Verstorbenen für eine Organspende entscheidet. Das ist eine schwierige Entscheidung in einem schwierigen Moment. Meistens wurde das ja nie thematisiert. Und: Die Entscheidung muss im Sinne des Verstorbenen stimmen. Natürlich gibt es auch Angehörige, die sich aus Unsicherheit über den Willen des Verstorbenen im Zweifel dagegen entscheiden. Auch das verdient Respekt. Daraus lässt sich kein Vorwurf machen.

Was würden Sie gerne ändern?

Ich habe den Eindruck, dass das Thema «Organspende» in der Bevölkerung zu wenig wahrgenommen wird. Vielleicht muss das ganze Thema auch positiver dargestellt werden. In jedem Fall bräuchte es mehr Sichtbarkeit und Öffentlichkeit für dieses Thema. Man denkt nicht über Organspende nach, weil es kein Thema ist. Letztlich kann aber jeder davon betroffen sein.

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