Die Schnecken kehren in den Garten zurück

Hitze und Trockenheit haben die Schnecken weitgehend aus den Gärten ferngehalten. Doch sie sind Überlebenskünstler. Und fast alle Methoden, mit denen sie bekämpft werden, helfen nur kurzfristig und sind tierquälerisch.

Juliette Irmer
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Eine Spanische Wegschnecke tut sich in einem Garten gütlich. (Bild: Getty)

Eine Spanische Wegschnecke tut sich in einem Garten gütlich. (Bild: Getty)

Abends, wenn es dämmert und kühler wird, kommen sie nun wieder aus ihrem Unterschlupf und ziehen in die Blumen- und Gemüsebeete, um zu fressen – und Gartenbesitzer zu ärgern. Und so verwundert es nicht, dass diese ihnen zu Leibe rücken. In hiesigen Normaljahren scheint der Kampf freilich aussichtslos: Schneckenkörner, Bierfallen und selbst das Zerschneiden der Tiere hilft höchstens kurzfristig. In der Schweiz kommen rund 250 Schneckenarten vor.

«Nur etwa fünf Nacktschneckenarten richten nennenswerte Schäden in Landwirtschaft und Gärten an.»

Das sagt die Biologin Katrin Schniebs von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Zu nennen sind vor allem die ­Gemeine Wegschnecke, die ­Genetzte Ackerschnecke und ganz besonders die Spanische Wegschnecke. Nacktschnecken gehören wie die Gehäuseschnecken zu den Lungenschnecken, also zu den wenigen Weichtieren, die das Festland erobert haben.

Schneckenkörner töten auch nützliche Arten

Die Spanische Wegschnecke nimmt eine Sonderstellung ein: Sie ist ein bedeutender Schädling und in grossen Teilen Mitteleuropas zu einer der häufigsten Weichtierarten geworden, die heimische Schneckenarten verdrängt. «Sie hat hier so gut wie keine natürlichen Feinde, sie ­vermehrt sich ungehindert, und bei einer Anzahl von 300 bis 500 Eiern pro Gelege hat sie eine sehr hohe Reproduktionsrate. Zum Vergleich: Eine Weinbergschnecke bringt es auf maximal 60 Eier pro Gelege. Das sind völlig andere Dimensionen», erklärt Schniebs. Hinzu kommt, dass sie besser an Trockenheit angepasst ist und dadurch einen weiteren Überlebensvorteil besitzt.

Der Siegeszug der Spanischen Wegschnecke ist kein Freibrief für Schneckenkörner, der Standard in der Schneckenbekämpfung. Die Körner gibt es mit verschiedenen Wirkstoffen. Eisen(III)-Phosphat etwa bewirkt einen schnellen Frassstopp. Für Haustiere, Igel und viele andere Tiere ist der Wirkstoff ungefährlich, weil er im Boden in die ­natürlichen Bestandteile Eisen und Phosphat umgewandelt wird. Problematisch ist es gemäss Schniebs trotzdem:

«Schneckenkörner töten nicht nur die Spanische Wegschnecke, sondern auch jene Schnecken im Garten, die gar nicht schädlich sind»

So fressen viele nicht nur lebendiges Grün, sondern auch Aas und abgestorbene Pflanzenreste und helfen so bei der Humusbildung. Einige fressen auch die Eier anderer Schnecken, etwa der Tigerschnegel, in braun-grau-schwarzem Punkt- und Streifenlook wohl die schönste Nacktschnecke.

Den Garten für Schnecken unfreundlich gestalten

Mit Körnern vergiftete Schnecken verkriechen sich im Boden. «Die Schnecken sterben langsam und qualvoll. Das ist Tierquälerei, genauso wie das Zerschneiden, in Bier ertränken oder mit Salz bestreuen», sagt Schniebs. Bei einer Schneckenplage kommt man nicht darum herum, sie einzusammeln. Dabei hilft, ein Brett oder eine Plane auf den Boden zu legen, da sich Schnecken gerne darunter verstecken und so leicht eingesammelt werden können. Auch die einzig vertretbare ­Tötungsmethode ist nichts für zarte Gemüter: «Wenn man Schnecken denn töten will, sollte man sie mit kochendem Wasser überbrühen. Das geht schnell, und man quält die Tiere nicht», sagt der Biologe Stefan Kühne.Generell empfiehlt er aber andere Methoden:

«Man sollte seinen Garten für Schnecken ­unfreundlich gestalten.»

Am ­einfachsten geht das mit der richtigen Auswahl von Pflanzen. Es gibt viele, die Schnecken nicht ­interessieren. Entweder haben sie flaumige oder ledrige Blätter, giftige oder bittere Inhaltsstoffe oder der Stängel ist mit Dornen bewehrt. Wer diese Pflanzen im Garten vorzieht, verringert die Schneckendichte langfristig.

Wer nicht auf Schnecken­magneten wie Salat, Bohnen oder Sonnenblumen verzichten möchte, muss andere Tricks anwenden: Die Beete sollten an sonnigen Standorten liegen und sich möglichst weit entfernt von Wiesen und Kompost befinden. Zudem sollte nur morgens und nicht grossflächig gewässert werden. Sinnvoll sind auch Schneckenbarrieren, also trockene Wege, oder Beeteinfassungen aus Kupfer: «Der feuchte Schleim der Schnecken reagiert mit dem Metall, und es entsteht ein leichter Strom, den die Tiere nicht mögen», erklärt Kühne. Allerdings sind solche Metallzäune teuer und pflegeintensiv: «Kupfer oxidiert und muss immer wieder poliert werden.» Eine andere Möglichkeit sind Hochbeete, die mit schneckenabweisenden Anstrichen versehen sind.

Viele Schneckenarten gelten als bedroht

Eine Schneckenplage hat immer auch mit dem Fehlen natürlicher Gegenspieler zu tun. Schafft man Lebensräume für Fressfeinde, verringert man die Schneckendichte. Effizient zu Werk gehen etwa Igel, Spitzmaus, Blindschleiche, Eidechsen, Frösche und viele Vogelarten. Sie siedeln sich gerne in Hecken, Laub- und Steinhaufen und Totholz an. Auch hier verstärkt der Mensch oft unbewusst das Schneckenproblem: «Katzen jagen Eidechsen, Vögel und Spitzmäuse, und Igel halten sich aus Gärten mit Hunden fern.» Bleiben Hühner und Enten, die Schnecken ebenfalls gerne fressen.Schniebs, die sich seit 30 Jahren mit Schnecken beschäftigt, liegen die Tiere am Herzen, und so fragt sie:

«Warum interessiert es offenbar niemanden, dass viele Schneckenarten hoch bedroht sind und nur noch einzelne Arten häufig sind?»

Tatsächlich gelten in der Schweiz 40 Prozent der Schnecken als bedroht. Sie leiden vor allem unter der Zerstörung ihres Lebensraumes.