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Interview

Sie spürt Ernährungstrends auf: «Für die Schweiz darf es nicht zu scharf sein»

Food Consultant Andrea Kubli ist immer einen Schritt voraus: In Metropolen wie London und Amsterdam, auf Streetfood–Festivals oder im Laden nebenan sucht sie nach Inspiration für neue Lebensmittel.
Ursula Wegstein
Unterwegs mit Food Consultant Andrea Kubli in Zürich: «Inspiration ist überall.» (Bild: Benjamin Manser)

Unterwegs mit Food Consultant Andrea Kubli in Zürich: «Inspiration ist überall.» (Bild: Benjamin Manser)

Sie sind Food Consultant. Welche Eigenschaften braucht man für diesen Job?

Andrea Kubli: Man braucht echte Begeisterung für das Essen. Man muss Geschmäcker identifizieren und benennen können. Dazu braucht es ein Gespür für Trends. Wichtig ist aber auch, dass man zu jeder Tageszeit alles essen kann. Manchmal Dutzende Produkte nacheinander. Es kommt vor, dass wir morgens um neun Uhr zehn verschiedene Wildgerichte oder fünf verschiedene Raclette degustieren. Zwei Standardfragen bei uns in Bewerbungsgesprächen sind darum:

«Können Sie immer essen?» Und: «Können Sie alles essen?» Wer eine Frage mit Nein beantwortet, ist aus dem Rennen.

Wie entdecken Sie Trends?

Wir spüren sie auf, hauptsächlich im Ausland. Vor allem in den Metropolen London oder Amsterdam. Dann passen wir den Geschmack an die Schweizer Vorlieben an. Es darf zum Beispiel nicht zu scharf sein. Wir sind aber auch auf Streetfood-Festivals und Messen auf der Suche nach Neuem unterwegs. Inspiration ist letztlich überall. Auch im Reformhaus oder im Asia-Shop nebenan.

Was macht ein Food Consultant genau?

Wir suchen nach Neuem. Wir schauen zum Beispiel, was beliebt ist in der Gastronomie. Sagen wir mal «Ramen», die japanische Suppe. Dann überlegen wir, wie wir das als Produkt bringen könnten. Vielleicht als Ramen-Paste. Wir kochen und probieren. Degustieren. Dokumentieren. Bis wir einen Prototypen entwickelt haben. Manchmal braucht es noch eine Zutat mehr. Ist ein Kunde skeptisch, ob der Schweizer Markt bereit dafür ist, müssen wir argumentieren, warum wir an das Produkt glauben. Da hilft es, wenn wir sagen können, dass es das in London schon gibt. Wenn alles passt, geht es weiter mit Verpackung und Marketing.

Wie muss man sich das konkret vorstellen, wenn Sie in London unterwegs sind?

Wir ziehen mit der Kamera los, gehen in Läden, schauen uns die Produkte und die Zusammensetzungen auf den Etiketten an und kaufen sehr viele Produkte ein. Einmal haben wir ein Appartement gemietet und die Produkte dort in der Mikrowelle und im Backofen zubereitet und degustiert. Danach dokumentieren wir, wie das geschmeckt hat und was darin enthalten war. Produkte, die sich mit nach Hause nehmen lassen, nehmen wir mit.

Welches sind die aktuellen Trends?

Dinkel wird gerade neu entdeckt. Proteinreiche Produkte sind ein starker Trend. Zum Beispiel aus Bio-Lupinen. Ein weiterer Trend ist Fermentiertes: «Tempeh», also fermentierte Sojabohnen. Oder «Kimchi», das ist fermentierter Kohl. Auch nach Take-away-Produkten ist die Nachfrage gross. Immer mehr Menschen möchten etwas Gesundes und Frisches für unterwegs. In diesem Bereich sind gerade israelische, mexikanische und asiatische Gerichte sehr gefragt: Also Hummus, Falafel oder Buddha-Bowls. Auch ein starker Trend ist «vegan».

Woran liegt das? Vegan leben ja tatsächlich nur drei Prozent.

Immer mehr Menschen wollen sich bewusst ernähren. Sie hinterfragen, was nachhaltig oder gesund ist. Das Wohlbefinden spielt eine grosse Rolle. Letztlich geht es auch um Selbstoptimierung.

Wie lange dauert es von der Entdeckung bis ins Regal?

Bis aus einer Idee ein Produkt wird, hängt von vielen Faktoren ab: Der Verfügbarkeit der Rohstoffe, der nötigen Technologie oder der Verpackung. Im Idealfall gelingt die Umsetzung innerhalb eines halben Jahres.

Was war Ihr grösster Erfolg?

Ich konnte viele vegetarische und vegane Karma-Plätzchen wie zum Beispiel den Edamame-Quinoa-Burger mitentwickeln. Diese sind bei den Kunden sehr beliebt.

Was waren Ihre grössten Flops?

Vegane Speckwürfel. Und unser «Gmüesli», ein Gemüsemüesli kam bei den Kunden auch nicht so gut an. Die Kunst ist es, den richtigen Zeitpunkt für ein Produkt zu erwischen. Manchmal sind wir vielleicht einfach zu früh für den Markt.

Zur Person

Andrea Kubli arbeitet seit dreieinhalb Jahren als Food Consultant bei Betty Bossi. Nach ihrer Ausbildung an der Hotelfachhochschule Lausanne war die 29-Jährige zwei Jahre in London als Trainee in der Hotellerie und Gastronomie tätig. Derzeit leitet Kubli die Bereiche Frisch Convenience, Brot- und Backwaren sowie Früchte und Gemüse. Das Food- und Trendscouting bei Betty Bossi umfasst das Aufspüren von Produkt- und Ernährungstrends, beispielsweise für die Produktentwicklung oder die Entwicklung neuer Food-Konzepte.
Andrea Kubli lebt mit ihrem Partner in Zürich.

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