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Die Uhr, die stillsteht, ist auch ein Schweizer Design-Klassiker

Seit 75 Jahren zeigt die Schweizer Bahnhofsuhr den Reisenden an, was es geschlagen hat. Dass sie auch am Handgelenk getragen werden kann, hat zu ihrer Popularität weltweit beigetragen.
Urs Bader
Ein Zug fährt an der grossen Bahnhofsuhr vor dem Hauptsitz der SBB in Bern vorbei. (Bild: Christian Beutler/KEY (Bern, 2. Oktober 2014)

Ein Zug fährt an der grossen Bahnhofsuhr vor dem Hauptsitz der SBB in Bern vorbei. (Bild: Christian Beutler/KEY (Bern, 2. Oktober 2014)

Dass seine Schweizer Bahnhofsuhr einmal Kultstatus erlangen und sogar vom Museum of Modern Art in New York gewürdigt würde, das hat sich ihr Erfinder wohl nicht vorstellen können. Hans Hilfiker (1901–1993), seit 1932 als Ingenieur für Elektro- und Fernmeldetechnik bei den SBB tätig, hatte zuallererst ein technisches Problem zu lösen: die Uhren auf allen Schweizer Bahnhöfen zu synchronisieren.

Schon zu Beginn seiner Tätigkeit bei den SBB entwickelte er für den Bahnhofplatz Zürich eine öffentliche Uhr. 1944, vor 75 Jahren also, normierten dann die SBB nach Hilfikers Entwürfen die Zifferblätter ihrer Uhren und synchronisierten die Zeitangabe. Durch deren Vernetzung rückte der Minutenzeiger der Bahnhofsuhren in der ganzen Schweiz im Gleichtakt weiter, angestossen durch einen elektrischen Impuls der zentralen Uhr in Zürich. Die Synchronisation war angesichts des immer dichter werdenden, mehr und mehr elektrisch betriebenen Schienenverkehrs nötig geworden.

Wie die Abfertigungskelle des Stationsvorstands

Hilfiker sprach von einer «groben Zeitmessung», aber sie sei dennoch für den Bahnbetrieb brauchbar, «der Fahrplan kennt ja nur ganze Minuten». Gleichwohl erhielt die Uhr 1947 einen Sekundenzeiger – und damit ein neues Markenzeichen. Aus technischen Gründen stand dieser Zeiger nach einer vollen Umdrehung immer für etwa zwei Herzschläge still. Das ist bis heute so, auch wenn dies technisch längst nicht mehr nötig wäre, aber dieser Aussetzer hat zum Kultstatus dieser Uhr beigetragen.

1952 gestaltete Hilfiker dann das drei Jahre später eingeführte und bis heute bestehende schlichte, aber sehr zweckmässige Zifferblatt, dessen Sekundenzeiger an die Abfertigungskelle des Stationsvorstands erinnert. «Das war’s, das Signal des Abfertigungsbeamten. Als Kelle kreist der Sekundenzeiger mit einem weithin sichtbaren runden Fleck auf dem Zifferblatt», erklärte Hilfiker dazu. Der Zeiger zeigt dem Bahnreisenden aus der Ferne schon an, ob er zu einem Sprint ansetzen muss oder ob er es noch locker nehmen kann. In einem Text des Museums für Gestaltung in Zürich ist deshalb von dieser Uhr auch als von einem «höchst effizienten visuellen Kommunikationsmittel» die Rede.

Symbol für Präzision und Pünktlichkeit

Das formal reduzierte Design dieser Uhr traf den Geschmack und den Stil seiner Zeit. Für Hilfiker stand die «schöne Form» aber nicht im Vordergrund, sondern die Zweckmässigkeit, die Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit eines Produkts. Später erklärte er dazu: «Ich bin schon über 40 gewesen, als ich die Liebe zur Form mit Mechanik und Elektrotechnik fusioniert habe.» Für den Schweizer Küchenbauer Therma gestaltete Hilfiker in den frühen Sechzigerjahren die Schweizer Systemküche.

Die Bahnhofsuhr wird gerne als Sinnbild für Schweizer Präzision und Pünktlichkeit gesehen. Dem kann nichts anhaben, dass gerade die SBB diesen «Nationaleigenschaften» schon überzeugender nachgekommen sind. Zur Erfolgsgeschichte der rechtlich geschützten Uhr gehört auch, dass sie weltweit eingesetzt oder aber abgekupfert wird. Sie wird von der Firma Moser-Baer in der Berner Gemeinde Sumiswald unter Lizenzvergabe der SBB hergestellt.

Die Schweizer Bahnhofsuhr wird im bernischen Sumiswald produziert. (Bild: Martin Rüetschi/KEY, Sumiswald, 21. September 2005)

Die Schweizer Bahnhofsuhr wird im bernischen Sumiswald produziert. (Bild: Martin Rüetschi/KEY, Sumiswald, 21. September 2005)

Im Jahr 1986 gaben die Bundesbahnen der Zürcher Uhrenfirma Mondaine die Lizenz, die Bahnhofsuhr als «Official Swiss Railways Watch» für das Handgelenk zu produzieren. Seit ein paar Jahren funktioniert ein Typ der Uhr sogar mit elektronisch gesteuertem Sekundensprung. Dass die Uhr nun von jedermann und jeder Frau weltweit am Handgelenk getragen werden konnte, hat sie auch zum Design-Klassiker werden lassen.

Apple musste Lizenzgebühr nachzahlen

Auch der Technologiekonzern Apple war auf sie aufmerksam geworden und bediente sich 2012 für ein Jahr des berühmten Kellenzifferblattes als Weltzeituhr für seine Mobilgeräte. Die Erlaubnis dafür hatte Apple allerdings bei den SBB nicht eingeholt, was zu einem juristischen Streit führte. Schliesslich musste Apple eine Lizenzgebühr nachzahlen.

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