Design
Diese Produkte erzählen Geschichten

Zwei Designer stöbern alte Handwerks-Artikel auf der ganzen Welt auf. Denn sie wollen sie exakt so schön und robust, wie sie früher waren

Sabine Kuster
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Handwerks-Artikel aus der ganzen Welt
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Büroklammern, Insel Faial Es war auf der Insel Faial der Azoren, wo die Designer in einem Laden in der Hauptstadt Horta eine grosse, alte Kartonkiste mit Büroklammern entdeckten. Regina Gregory bat die Verkäuferin, ihr die Büroklammern zu zeigen, doch diese bot ihr die neuen Modelle an. Schliesslich konnte Regina sie überzeugen, ein paar Kisten wegzuräumen, um an die alte Kiste auf dem Gestell zu gelangen. Sie war zu einer Zeit dort hingelangt, wo die Insel Faial noch Zwischenlandeplatz für die Atlantik-Flüge war, weil der Treibstoff nicht bis nach Amerika reichte. Die sehr schlichten Klammern gefielen dem Ehepaar Gregory, sodass sie 20 Kilogramm kauften und verschiffen liessen. Der Herstellungsort ist vermutlich lokal, auf der zerschlissenen Kiste stand lediglich der Name «Uhu».
Holzmeter aus Amerika Der Holzmeter wurde in einem Eisenwarengeschäft in den USA entdeckt. Über den auf der Leiste eingeprägten Fabriknamen gelangten die Fabrikat-Besitzer an die Hersteller: Es waren ursprünglich Lehrer, die 1999 ein Anwesen in Maine gekauft hatten, mit der Absicht, die Anlagen zur Holzproduktion zu nutzen. Im ersten Jahr erhielten sie immer wieder Anfragen von Händlern, die einen Holzmeter kaufen wollten. Damit wurde auch klar, wofür die zylinderförmigen Eisengeräte im Hinterhaus gebraucht worden waren: Holzleisten können damit auf zwei unterschiedliche Metrierungen – in Inches und Zentimetern – geprägt werden. Es gelang, die ehemaligen Arbeiter wieder einzustellen und die Produktion wieder aufzunehmen. Die geprägte Metrierung wird von Hand eingeschwärzt. Der Meter wird vor allem von Glasschneidern und in der Textilbranche verwendet.
Locher aus Südafrika Die Gregorys wollten in ihrem Laden unbedingt einen dieser alten, schweren, gusseisernen Locher. Er soll beim Lochen nicht verrutschen und ein Leben lang halten, findet Regina. Doch seit den 60er-Jahren werden Locher weltweit aus gebogenem Blech hergestellt, was billiger ist. Die Gregorys fanden gusseiserne Locher schliesslich in einer Papeterie in Tschechien und über diese auch den letzten Hersteller: eine Fabrik mit nur 50 Angestellten in Südafrika. Auch diese versuchte, Kosten zu sparen, und montierte die Locher inzwischen auf Sperrholz. Regina Gregory bat die Firma, für sie 300 Exemplare auf das ursprüngliche und in Südafrika heimische Holz zu schrauben. Nach eineinhalb Jahren, als Regina Gregory schon fast nicht mehr daran glaubte, traf die Lieferung in Zürich ein.
Schere aus England Sheffield in England war einst bekannt als die Stahl-Stadt. Im 19. Jahrhundert etablierte sich diese Industrie. Schon seit 1760 produziert die Firma William Whiteley dort in der 11. Generation Stahlscheren, mit denen man auch Kabel, Autositzbezüge oder Blech schneiden kann. Es gibt Scheren für Coiffeure und solche für Chirurgen. So was Unzerstörbares und Schönes wollten die Gregorys für ihren Laden. Für einmal war es einfach, an das Produkt zu gelangen, denn die Firma ist weltbekannt.
Glyzerin-Seife, Schweiz Glyzerin-Seifen sind meist glasig-durchsichtig und haben einen hohen Glyzerin-Anteil. Sie trocknen die Haut weniger aus. Von ursprünglich hunderten Glyzerin-Herstellern in Europa gibt es heute nur noch deren drei. Einen davon seit 1929 in Hornussen AG: die Firma Mettler. Ihre Glyzerinseife besteht ausschliesslich aus pflanzlichen Fetten und wird immer noch von Hand gefertigt.

Handwerks-Artikel aus der ganzen Welt

HO

Die Schweiz ist kein Industrieland mehr. Und wo heute noch Gebrauchsgegenstände hergestellt werden, muss es günstig sein. Nicht währschaft. Zwei junge Zürcher Designer trauern den Zeiten nach, als Gegenstände ein Leben lang hielten und gerade in der Qualität ihre Schönheit lag. Regina und Donovan Gregory suchen mit Leidenschaft die letzten Hersteller solcher Gegenstände für ihren Laden «Fabrikat».

Sie werden fündig auf einer Insel der Azoren, in Südafrika oder nach hartnäckigen Anfragen auch in Japan. Eine spezielle Metallklammer fand Regina Gregory in Frankreich mit dem Aufdruck «Pincinox». Doch das Unternehmen hat keine Internetseite. Über die Gelben Seiten von Frankreich stöberte sie schliesslich den Hersteller auf.

Produkte, die man nicht verstecken muss

«Vor 20 Jahren gingen in Zürich und Basel die Läden des Künstlerbedarfsladens Racher zu. Diese Lücke versuchen wir zu füllen», sagt Geschäftsführerin Regina Gregory. «Wir möchten Produkte verkaufen, die man nicht unter dem Tisch verstecken muss, sondern die so schön und qualitativ hochstehend sind, dass man sie liegen lassen kann.»

Sie findet, es mache glücklich, schöne Sachen zu besitzen, die nicht kaputtgehen. Das ist natürlich ein guter Werbespruch für das junge Zürcher Unternehmen, das vor vier Jahren startete. Was aber sicher speziell ist an den Gegenständen im Laden, sind die Geschichten dahinter. Wir haben die schönsten aufgeschrieben.

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