Smartphones
Akkus sind Schwachpunkt beim Handy – weil die Technik 20 Jahre alt ist

Die Technologie hinkt den Ideen der Geräteentwickler um einige Jahre hinterher: Vor allem die Akkus können nicht mithalten. Sie halten kaum länger als ein paar Stunden, wenn man Smartphone, Tablet oder Notebook viel braucht. Gibt es Lösungen?

Matthias Niklowitz
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Flexible Bildschirme: Gezeigt werden erst Prototypen. Keystone

Flexible Bildschirme: Gezeigt werden erst Prototypen. Keystone

Flexible Bildschirme, hohe Datenübertragungskapazitäten für die speicherfressenden Apps und trendiges Zubehör – die Mobilkommunikations-Branche malt eine rosige Zukunft.

Die Gegenwart ist ernüchternd: Flexible Bildschirme dürften laut den Analysten der Investmentbank Jefferies nicht vor dem Jahr 2020 massentauglich werden. «Die Basistechnologien sind ausgereizt», sagt Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos.

Das grösste Problem im Alltag sind die Akkus. Kaum ein Smartphone-Akku hält länger als ein paar Stunden, wenn viel telefoniert, gespielt und mobil gesurft wird. Die Lithium-Ionen-Batterien, die in Smartphones, Tablet-Computern und Notebooks stecken, sind hinsichtlich Grösse und Leistung ein idealer Kompromiss.

Apple: Vergällter 30. Geburtstag

Vor 30 Jahren brachte Apple mit dem MacIntosh den ersten massentauglichen, einfach mit einer Maus zu bedienenden Kleincomputer auf den Markt. An der Börse gab es dazu gestern nichts zu feiern - die Apple-Aktie büsste über fünf Prozent ein. Grund sind die Sättigungserscheinungen auf dem weltweiten Smartphone- und Tablet-Markt. Auch der Absatz in China, wo Apple erst seit kurzer Zeit direkt verkauft, blieb hinter den Erwartungen zurück. Statt 55 verkaufte Apple nur 51 Millionen iPhones im letzten Quartal. Der Umsatz stieg zwar auf ein neues Rekordniveau, aber er musste über teueres Marketing erkauft werden. Unter dem Strich stagnierte der Gewinn. Analysten erwarten bei Apple Hinweise auf ganz neue Gerätedesigns. Kleiner Trost: Samsung hatte bereits vor drei Wochen trotz rekordhoher Marktanteile mit seinen Absatzzahlen enttäuscht. Apple und Samsung spüren den Druck der aufstrebenden Hersteller Huawei, ZTE und Lenovo. (nik)

Langsame Fortschritte

Allerdings ist die Technologie bereits 20 Jahre alt, und selbst wenn man die Leistung verdoppeln würde – für den Alltagsbetrieb der Smartphones der übernächsten Generation wäre das nicht genug. Die Weiterentwicklung in Richtung trockener Lithium-Ionen-Akkus verläuft langsam. Akkus dürften deshalb laut Analysten der Schwachpunkt der weiteren Smartphone- und auch Elektroauto-Entwicklung bleiben.

«Dennoch gibt es Trends, die in den nächsten Jahren für Impulse sorgen könnten», sagt Spiliopoulos. Dazu gehören biegsame Bildschirme, grössere Bildschirme und stromsparendere Lösungen für Chips.

Allerdings ist der Weg zu flexiblen, folienähnlichen, ganz dünnen Bildschirmen, mit denen dereinst vielleicht einmal Zeitungen gelesen werden, noch weit. Schwachpunkt ist das Material. Als Basis bei Prototypen wird der Kunststoff Polyimid verwendet. Der zerkratzt sehr leicht – und an Alternativen forscht man in der Kunststoffindustrie bereits seit Jahren, ohne einen guten Ersatz gefunden zu haben. In den nächsten fünf Jahren ist laut Analysten kein Durchbruch zu erwarten.

Immerhin gibt es einen Ersatz für die Indiumzinnoxid-Bildschirme. Ohne die würde kein Smartphone-Display auf sanftes Berühren reagieren. Allerdings ist die Reaktionsgeschwindigkeit vergleichsweise langsam. Bei den kleinen Smartphones ist das noch kein Problem. Aber für grosse Touch-Bildschirme, die erste Hersteller bereits vorgestellt haben, experimentiert die Industrie mit viel schneller reagierenden Bildschirmen auf Silber-Nano-Basis.

Generationen überspringen

Auch bei den Prozessoren, den eminent wichtigen Rechnern in Smartphones, stösst die Industrie an die Grenzen des technisch Machbaren. Denn viel schneller können die Chips nicht werden, ohne zu überhitzen. In den Labors der grossen Hersteller und Chip-Designer wie ARM, Intel und Qualcomm experimentiert man deshalb mit winzig kleinen Röhren, welche die Prozessorkerne kühlen sollen, und mit stromsparender Software.

Doch auch damit sind nicht alle technischen Probleme gelöst. Intel stellte Anfang Januar die nächste Generation Speicherchips vor. Erforderlich wäre laut Analysten aber ein Quantensprung auf der Basis der sogenannten «Post-NAND»-Technologie. Die steht aber möglicherweise erst in fünf Jahren zur Verfügung.

Bis dahin würden die Smartphone-Hersteller Samsung und Apple lediglich kleine Verbesserungen an ihren jeweils neusten Modellen vorstellen, sagen Analysten. «Der Boom der Smartphones dürfte dieses Jahr vorbei sein», stellt Spiliopoulos fest. «Kunden müssen sich fragen, ob sie immer das neuste Gadget wollen oder auch mal eine Entwicklungsstufe auslassen.»