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Eidgenössische Trendsetter: Die Bauchtasche ist wieder in

Die Bauchtasche gilt in dieser Saison als wichtigstes Modeaccessoires bei Hipstern von Berlin, Paris bis New York. Unser Streetstyle-Report am Eidgenössischen Schwing beweist: Das haben Herr und Frau Schweizer längst verstanden.
Martina Bortolani
Franz, Dani und Pele aus Luzern tragen alle schwarze Bauchtaschen, aus dünnem, weichen Leder – unauffällig und elegant. Die drei Freunde, die hier zwei Tage campieren, haben sich nicht abgesprochen – es war Zufall, dass alle ein Bauchtäschli dabei haben. (Bild: Bortolani)Franz, Dani und Pele aus Luzern tragen alle schwarze Bauchtaschen, aus dünnem, weichen Leder – unauffällig und elegant. Die drei Freunde, die hier zwei Tage campieren, haben sich nicht abgesprochen – es war Zufall, dass alle ein Bauchtäschli dabei haben. (Bild: Bortolani)
Ein Model an der Fashion Week in Kopenhagen Anfang Monat. (Bild: Getty images)Ein Model an der Fashion Week in Kopenhagen Anfang Monat. (Bild: Getty images)
Mode-Influencerin Gitta Banko mit einem Lederbeutel von Chloé. (Bild: Getty images)Mode-Influencerin Gitta Banko mit einem Lederbeutel von Chloé. (Bild: Getty images)
Ernst aus Finsterhennen/BE trägt eine Bauchtasche aus Nylon mit rotem Keder und doppeltem Reissverschluss-Fach. Ernst: «Dass ich ein sogenannter Hipster sein soll mit meinem Bauchtäschli, das finde ich ein Highlight des Tages.» (Bild: Bortolani)Ernst aus Finsterhennen/BE trägt eine Bauchtasche aus Nylon mit rotem Keder und doppeltem Reissverschluss-Fach. Ernst: «Dass ich ein sogenannter Hipster sein soll mit meinem Bauchtäschli, das finde ich ein Highlight des Tages.» (Bild: Bortolani)
Angelica und Hermann aus Zug tragen die offiziellen Känguru-Bags des Schwingfests – und zwar wie wahre Hipster als Crossbody-Bag. Hermann: «Ich habe die Bauchtaschen im Fanshop online entdeckt, weil sie so hübsch aussah – und natürlich für meinen Schatz gleich eine mit gekauft.» (Bild: Bortolani)Angelica und Hermann aus Zug tragen die offiziellen Känguru-Bags des Schwingfests – und zwar wie wahre Hipster als Crossbody-Bag. Hermann: «Ich habe die Bauchtaschen im Fanshop online entdeckt, weil sie so hübsch aussah – und natürlich für meinen Schatz gleich eine mit gekauft.» (Bild: Bortolani)
Maja aus Zug trägt einen Klassiker von Eastpak. Exakt das gleiche Modell, mit dem sich Rihanna zeigte – ebenfalls hoch getragen und grosszügig in der Form. Maja: «Darin verstaut habe ich während der Arbeit als am Schwingfest Natel, Portemonnaie und Kaugummi.» (Bild: Bortolani)Maja aus Zug trägt einen Klassiker von Eastpak. Exakt das gleiche Modell, mit dem sich Rihanna zeigte – ebenfalls hoch getragen und grosszügig in der Form. Maja: «Darin verstaut habe ich während der Arbeit als am Schwingfest Natel, Portemonnaie und Kaugummi.» (Bild: Bortolani)
Geri aus Luzern trägt die Tasche über dem Gürtel und zu Cargo-Hosen. Für ein solches Exemplar bezahlen Vintagefans bis zu 200 Dollar. Geri: «Früher bereiste ich damit ganz Asien. Und heute habe ich die Hände frei, um für meinen Favoriten Pirmin Reichmuth zu klatschen.» (Bild: Bortolani)Geri aus Luzern trägt die Tasche über dem Gürtel und zu Cargo-Hosen. Für ein solches Exemplar bezahlen Vintagefans bis zu 200 Dollar. Geri: «Früher bereiste ich damit ganz Asien. Und heute habe ich die Hände frei, um für meinen Favoriten Pirmin Reichmuth zu klatschen.» (Bild: Bortolani)
Katrin aus Emmental mit einem Outdoor-Modell aus Nappaleder, Marke Roofs aus Kanada. Katrin: «Ich sehe in letzter Zeit vermehrt Bauchtaschen. Weil sie so praktisch sind und cool, hat sich mein Mann nun auch eine gekauft.» (Bild: Bortolani)Katrin aus Emmental mit einem Outdoor-Modell aus Nappaleder, Marke Roofs aus Kanada. Katrin: «Ich sehe in letzter Zeit vermehrt Bauchtaschen. Weil sie so praktisch sind und cool, hat sich mein Mann nun auch eine gekauft.» (Bild: Bortolani)
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Bauchtaschen

Der Lehrer schnallte es sich für die Schulreise um, auch die Tante, wenn sie mit viel Bargeld in die Ferien fuhr – das Bauchtäschli. Liebhaber nannten drei schlagende Argumente für die Wahl: praktisch, sicher, bequem.

Wir Kids der Achtzigerjahre beobachteten diesen Lifestyle damals mit rebellischem Argwohn. Bauchtaschen waren modisch betrachtet etwa so bedenklich wie ihre landläufige Bezeichnung «Känguru-Bags». Schon aus Prinzip konnte man ja nicht gut finden, was von älteren Verwandten oder dem Biolehrer getragen wurde.

Später als Teenager, Anfang der Neunzigerjahre, als man mit dem Rollbrett unterwegs war, galt – zu unserer eigenen Überraschung! – ein schräg über der Hüfte und baggy (tief sitzend) getragenes Gürteltäschchen plötzlich als richtig cool. Der Look der Homeboys und Flygirls: Converse-Turnschuhe, Carharrt-Kapuzenpullis und eine Bauchtasche von Eastpak.

Doch dann wurde es für sehr lange Zeit sehr ruhig um die Bauchtasche. Die letzten zwanzig Jahre stand sie auf der schwarzen Liste der Modesünden ganz weit oben. Nur heitere Wandervögel oder deutsche Touristen ignorierten das No-Go.

Auf einmal sind die Täschchen am Bauch wieder da

Und plötzlich, im Herbst letzten Jahres, schickte der Kreativdirektor des Luxuslabels Burberry, Riccardo Tisci, seine Models mit allerlei eckigen, grossen, bunten oder ledernen Bauchtaschen über den Laufsteg. Dann kam Chanel, Miu Miu, Fendi, Balenciage, Prada und ab sofort ploppten auf Instagram täglich neue Bilder von Influencern und Hipstern mit Retro-Bauchtaschen auf. Ist man ein Superhipster, trägt man dieselben quer über den Schultern, im Fachjargon «Crossbody Bag» genannt.

En vogue sind derzeit No-Name-Modelle aus schwarzem Leder oder übergrosse Retro-Taschen. Besonders begehrt sind Sammlerstücke, die ein wenig nach Werbegeschenk aussehen und kein sichtbares Label haben. In einschlägigen Vintageboutiquen zahlen Fashionvictims in New York dafür bis zu 200 Dollar.

Dass er sich mit einer Bauchtasche in die Reihe internationaler Trendsetter einreiht, darüber muss Ernst Allenbach aus Finsterhennen/BE kräftig schmunzeln. Als wir ihn dieses Wochenende am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest auf sein trendiges Accessoires ansprechen, macht er ein erstauntes Gesicht. Zum 11. Mal sei er bereits an einem «Eidgenössischen». Immer mit dabei: sein Bauchtäschli. «Das gehört einfach zu mir», sagt er und posiert gut gelaunt fürs Foto.

«Platz hat darin sogar mein kleines Messer fürs Käse- und Speckplättchen in der Pause.»

Man habe damit die Hände frei, und das Wichtigste sei sicher versorgt.

Sind auffallend viele Besucher am Eidgenössischen den internationalen Trendsettern voraus? Möglich. Möglich aber auch, dass das Bauchtäschli gar nie vom Rande der Sägemehlplätze verschwunden war. Sicher ist: Dort trägt man es weitaus entspannter als in den Strassen der Weltstädte.

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