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EIGENSINN: Pininfarina fährt selbst

Das italienische Designbüro plant unter eigenem Namen ein hochexklusives, vollelektrisches Auto. Das zwei Millionen Franken teure Gefährt soll nur der Anfang sein.
Thomas Geiger
Pininfarina soll nicht nur als Designer, sondern auch als Autohersteller wahrgenommen werden. (Bild: PD)

Pininfarina soll nicht nur als Designer, sondern auch als Autohersteller wahrgenommen werden. (Bild: PD)

Thomas Geiger

Schluss, aus und vorbei – fast 90 Jahre lang durften sich Ferrari, Fiat, Peugeot und ein Dutzend andere Marken mit fremden Lorbeeren schmücken. Doch jetzt will das italienische Designbüro Pininfarina sein Licht nicht mehr länger unter den Scheffel stellen: «Wir bauen bald unsere eigenen Autos und vertreiben sie unter unserem eigenen Namen», sagt Firmenchef Paolo Pininfarina stolz und skizziert das Bild einer rein elektrischen Luxusmarke, deren Portfolio dort anfängt, wo das von Tesla aufhört.

Hilfe bekommt er dabei aus Indien: Denn 2015 hat der Grossindustrielle Anand Mahindra den Designdienstleister und Karosseriebauer aus Italien übernommen, um damit sein bislang vor allem auf billige Massenautos und die grösste Traktorproduktion der Welt gebautes Imperium zu krönen und mit seinem Konkurrenten Ratan Tata gleichzuziehen, der sich mit Jaguar Land Rover ebenfalls einen europäischen Premium-Hersteller einverleibt hat.

Von 0 auf 100 km/h in weniger als zwei Sekunden

Der Mann, der Mahindra bei dieser elektrischen Retourkutsche helfen soll, heisst Michael Perschke. Er war lange Jahre in Diensten des VW-Konzerns, hat zuletzt die Audi-Geschäfte in Indien geleitet und ist dort von Anand Mahindra mit der Markengründung betraut worden. Jetzt hat er ein mittleres dreistelliges Millionenbudget, aus dem er binnen fünf Jahren eine Mischung aus Bugatti und Bentley zaubern soll – nur eben rein elektrisch. Beginnen will Perschke dabei mit einem Paukenschlag: Nicht weniger als den schnellsten, stärksten und wohl auch teuersten Elektro-Sportwagen will er in diesem Sommer ausgewählten Interessenten am Rande des Concours d’Élégance in Pebble Beach vorstellen und im Jahr 2020 auf die Strasse bringen.

«Dieser PF01 wird die elek­trische Antwort auf den Bugatti Chiron», sagt Perschke und verspricht einen Sprint von 0 auf 100 km/h in weniger als zwei Sekunden. Tempo 300 soll das Hypercar in weniger als zwölf Sekunden erreichen und die Höchstgeschwindigkeit werde jenseits von 400 km/h liegen. Wem das nicht den Atem raubt, der bekommt spätestens beim Preis Atemnot. Denn «unter zwei Millionen wird es wohl kaum gehen», sagt der Pininfarina-Chef. Dass er sich trotzdem keine Sorgen über den Absatz macht, hat einen Grund: «Das Auto wird streng limitiert sein und keine 100 Mal gebaut.»

Mittelfristig sind drei bis vier Modellreihen geplant

Mit dieser Ankündigung mag sich Pininfarina vielleicht Gehör verschaffen und tatsächlich als Autohersteller wahrgenommen werden. Doch für maximal 99 Autos würde sich der Aufwand natürlich nicht lohnen, sagt Perschke. Er plant deshalb über den PF01 hinaus, will mittelfristig drei bis vier Modellreihen anbieten und schon ab 2021 auf grössere Stückzahlen kommen: Dann sollen die Verkaufspreise mit einem SUV ins Sechsstellige sinken und der Output der Fabriken in Italien aufs Vierstellige steigen.

Pininfarina beweist mit seinem Automobilprojekt Eigensinn. Doch selbst wenn Perschke in ein paar Jahren fünfstellige Stückzahlen sieht, wollen es die Italiener mit dem Egoismus nicht übertreiben. Schliesslich gibt es neben den mittelfristig 50 Mitarbeitern in München weiterhin rund 600 Entwickler, Designer und Monteure in Cambiano, die mit dem elektrischen Prestige-Projekt nicht ausgelastet wären. Deshalb werden sich Ferrari & Co. auch künftig mit fremden Lorbeeren schmücken können.

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