Kolumne

«Tatort»: Ein bemühtes Horror-Idyll

Der zweite Tatort nach der Sommerpause kommt aus Kiel - mit Kommissar Borowski und seiner neuen Kollegin Mila Sahin.

Susanne Holz
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Es gab ziemlich sicher schon bessere«Borowski»-Folgen: Im aktuellen «Tatort» aus Kiel müssen sich der charismatische Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine neue Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) mit den Vorkommnissen in einem vermeintlichen Geisterhaus herumschlagen. Der Zuschauer hat ein Déjà-vu: So etwas Schräges servierten einem doch erst letzten Herbst die Frankfurter («Fürchte dich») und dann im März Lena Odenthal («Waldlust»).

«Borowski und das Haus der Geister» ist zwar nicht ganz so abgedreht – die Story greift den Missbrauch durch «Gaslighting» auf und erwähnt auch explizit den gleichnamigen Film von George Cukor (1944). Konkret wird die zweite Frau eines alten Freunds und Rivalen von Borowski des Nachts durch böse Geister belästigt. Während Frau Nummer eins vor Jahren spurlos verschwand.

Warum muss man Borowski auf einem Segelboot zeigen, warum muss die neue Kommissarin dekorativ in ein Fischbrötchen beissen?

Doch leider hat das Drehbuch (Marco Wiersch) so einige Schwächen: Der billige Grusel passt nicht so recht zum rest­lichen Ostsee-Idyll mit Villa, schön gedeckter Tafel im Grünen und den sanft lyrischen Landschaftsbildern, wie man sie aus Kiel kennt. Das machen auch die ziemlich guten Schauspieler nicht wett. Die Dialoge sind hölzern, die Verhöre mühsam und die Charaktere klischiert.

Nicht zuletzt vermisst man Sibel Kekilli, Borowskis Ex-Kollegin. Rückblickend wird klar, wie viel Präsenz und Originalität Kekilli in die Kieler Folgen eingebracht hat. Dieser gute Geist ist leider passé.

«Tatort» aus Kiel: «Borowski und das Haus der Geister». Heute, Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1.