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Martin Fuchs mit Clooney: Bis zu den Olympischen Sommerspielen in Tokyo 2020 bestreiten die beiden noch diverse Turniere. (Bilder: Benjamin Manser)

Martin Fuchs mit Clooney: Bis zu den Olympischen Sommerspielen in Tokyo 2020 bestreiten die beiden noch diverse Turniere. (Bilder: Benjamin Manser)

Ein Exot wird zum Champion: Springreiter Martin Fuchs zeigt seinen Pferdehof in Wängi

Der Springreiter Martin Fuchs striegelte einst die Pferde seiner Idole. Heute steht er zuoberst auf dem Podest oder schaut Filmregisseuren über die Schulter.
Desirée Müller

Martin Fuchs steigt nach einem ausgiebigen Ausritt gekonnt vom Sattel und streicht Clooney sanft über die Stelle zwischen seinen spitz aufgestellten Ohren – so wie es der prächtige Schimmel mag. Mit einem «Klick» schnappt der Verschluss der Longe im Halfter ein. Clooneys Nüstern blähen sich auf. Sichtlich erfreut, dass sein Reiter mit ihm noch einige Runden auf dem Sandplatz des Reiterhofs in Wängi spazieren geht.

«Die beste Box im ganzen Stall», sagt der 26-jährige Springreiter eine Viertelstunde später und führt sein Spitzenpferd in dessen geräumiges «Eckzimmer». «Die Pferde lieben es, wenn sie das Treiben auf dem Hof beobachten können. Und hier hat er die beste Aussicht», sagt Martin Fuchs und tätschelt Clooney die Flanke, bevor er ihm eine blaue Steppdecke über den breiten Pferderücken legt. Sogleich streckt dieser seinen Kopf aus dem Fenster.

Ordnung ist das A und O

Der moderne Stall ist kein Jahr alt. «Die Wege sind kurz, das ist praktisch», erklärt Fuchs. Nur ein paar Meter trennen den Stall mit der Kammer für das Zaumzeug, dem Waschraum und der grossen Garage, in der 15 Meter lange Pferdetransporter stehen. Alles hat seinen Platz auf dem Reiterhof. «Das ist auch wichtig bei einem Betrieb in dieser Grösse.»

Fuchs zieht seinen schwarzen Reiterhelm ab und versorgt ihn am dafür vorgesehenen Ort. Die Stiefel lässt er an, später treffe er sich mit seinem Springreiterkollegen Steve Guerdat, der ein neues Pferd im Stall habe.

Der Junge von nebenan

Martin Fuchs läuft durch die Stallungen. Zu jedem Pferd hat er eine Geschichte zu erzählen. «Dieser hier, der schläft immer tief und fest auf der Seite mit dem Kopf im Stroh. Eigentlich ungewöhnlich für Pferde, aber es geht ihm gut», sagt Fuchs im Flüsterton, um den Hengst nicht aufzuwecken.

Lange dauert sein Mittagsschlaf aber nicht mehr, denn: Jedes Pferd wird täglich draussen bewegt. Nebst seinen eigenen zehn Pferden beherbergen die zahlreichen Boxen und weitläufigen Koppeln am Rande der Thurgauer Gemeinde Wängi noch 20 weitere Tiere von Reitern aus der halben Welt. Fuchs schaut kurz in der Reithalle vorbei. Wenn sein Vater nicht hier ist, übernimmt er gerne das Training der jungen Reiter. Der gebürtige Zürcher grüsst alle kleinen und grossen Anwesenden mit Namen. Trotz seines anhaltenden – und auch jüngsten – Erfolges ist er auf dem Boden geblieben.

Idol, Freund, Bruder

Martin Fuchs hat gute Laune. Zurecht – sein Jahr läuft perfekt. So holte er sich Anfang April beim Weltcup-Finale in Göteborg die Silbermedaille. Mit seinem Vizeweltmeistertitel und dem Sieg von Kollegen Steve Guerdat sorgte das befreundete Duo in der Schweizer Reitsport-Geschichte für einen historischen Tag. «Ich freue mich für Steve. Natürlich wäre ich gerne zuoberst auf dem Treppchen gestanden», sagt Fuchs. Wenn ihm schon jemand den Titel wegschnappen müsse, dann wenigstens sein Freund. Steve Guerdat ist nach wie vor Martin Fuchs Vorbild – auch wenn er längst mit ihm mithalten kann.

Als kleiner Junge begleitete der zehn Jahre jüngere Fuchs Guerdat jeweils bei dessen Turnieren und packte an, wo er nur konnte. «Ich hätte als Primarschüler niemals gedacht, dass wir einmal Freunde werden», sagt Fuchs und schüttelt lächelnd den Kopf. «Heute ist er wie ein Bruder für mich und ein Sohn für meine Eltern.»

Von Hollywood auf den Reiterhof

Noch etwas anderes sorgt bei Martin Fuchs für heitere Stimmung. Der Mittzwanziger ist verliebt. Vor zwei Jahren lernte er bei einem Turnier in Hamburg seine Freundin Paris Sellon kennen.

«Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Ein Jahr nach ihrem ersten Treffen, zog Paris, ebenfalls Reiterin, zu ihm in den Hinterthurgau.

Ein Kulturschock für die Amerikanerin aus Hollywood. Ihre Mutter ist die Produzentin der TV-Serie «The Big Bang Theorie», ihr Vater arbeitet für Serien wie «Will & Grace» und früher für den Erfolgshit «Friends». Aufgewachsen ist Paris in einer Villa in Bel Air. «Wenn wir Zuhause in Wängi am Tisch sitzen, wird eigentlich nur übers Reiten gesprochen. Sind wir bei den Eltern von Paris zu Besuch, geht es bei den Gesprächen hauptsächlich um Filme und Musik – davon habe ich Null Ahnung. Aber es ist wirklich mal erfrischend», sagt Fuchs und lacht.

Im Liebesglück – egal wo

Fuchs durfte in den Universalstudios auch schon hinter die Kulissen blicken und lernte den einen oder anderen Schauspieler kennen. Den Gang über den roten Teppich stellt er sich spannend vor. «Ich würde Paris natürlich begleiten, sollte sich einmal die Möglichkeit ergeben.»

So ging die Reise der Produzenten-Tochter von Hollywood auf einen Reiterhof im Hinterthurgau, wo das junge Paar selbst den Haushalt schmeisst, kocht und an 50 Wochenenden im Jahr unterwegs ist – solange die Liebenden zusammen seien, könnten sie überall auf der Welt wohnen. Wie anfangs Jahr in Florida, wo die beiden über den Winter an einem amerikanischen Cup teilnahmen. Fuchs hofft, dass Paris bald seinen Nachnamen tragen wird: «Einen Antrag habe ich ihr zwar noch nicht gemacht. Eines ist aber sicher – ich werde dabei nicht auf einem Pferd sitzen», ist sich der verliebte Reiter sicher. Er zweifelt nicht daran, dass Paris «Ja» sagen wird.

Schulklasse als Fanclub

So selbstsicher war Martin Fuchs nicht immer.

«In der Schule habe ich nur wenigen erzählt, dass ich reite. Damals war Reiten eher ein Mädchensport.»

Doch dann besuchte ihn seine ganze Klasse bei einem Wettkampf. «Danach hatte ich jeden Tag Freunde zu Hause auf dem Hof.» In der Sportschule war er dann zwischen Bodybuildern und Schachspielern endgültig nicht mehr der «Exot» der Klasse.

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