Die Farbe des Jahres 2019 leuchtet:  Ein frisches Rot aus der Unterwasserwelt

2019 wird korallenrot. «Living Coral» ist leuchtend, aber nicht grell und steht für den aktuellen Zeitgeist: modern, sozial und naturverbunden.

Silvia Schaub
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Damit setzt man mitten im Winter ein Statement: Die Jacke aus Kunstfell von Miss Selfridge Petite bei Zalando.
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Mit der Tote-Bag von Guess ist man schon jetzt fit für den Frühling. Gesehen bei Manor.
Ein farbiger Akzent an einem grauen Tag: der Schal von Even&Odd bei Aboutyou.ch.
Zugegeben, die Farbe dieser Converse geht eher als Pink durch. Aber wetten, dass auf den Frühling auch noch eine korallenfarbene Version auf den Markt kommt?
Im Frühling 2019 gibt’s diese Farbe auf die Nägel: Coral Crush von Dior gehört zu unseren Favoriten.
Auch das dänische Kultlabel Hay ist ganz auf Koralle eingestellt. Teppich bei Connox.ch zu finden.
Unbeschwert in der Stube: der Stuhl «Willa» von Designer This Weber für Möbel Pfister.
Sogar als Seifenspender macht sich die Trendfarbe gut. Gesehen unter Erwinmueller.com.
Erinnert an eine Stewardess der 1960er-Jahre: Model Kaia Gerber im Kostüm von Moschino.

Damit setzt man mitten im Winter ein Statement: Die Jacke aus Kunstfell von Miss Selfridge Petite bei Zalando.

Eigentlich konnte man voraussehen, welche Farbe 2019 die Nase vorn haben wird. Im vergangenen Herbst überraschten auf den Laufstegen in New York, Paris und Mailand jedenfalls schon ­einige Designer mit der neuen Trendfarbe für ihre nächstjährigen Kollektionen: von Brandon Maxwell über Marc Jacobs und Moschino bis hin zu Miu Miu oder Marni. Und nun kündigt das US-Farbunternehmen Pantone «Living Coral» als Farbe des Jahres 2019 an.

Nach dem dramatischen Ultra Violet (2018) und dem schrillen Greenery (2017) freuen wir uns auf diesen warmen, fröhlichen Farbton.

Die Frage stellt sich allerdings: Wie kommt das Unternehmen auf diese Farbe, die eigentlich eine Mogelpackung ist? Natürlich ist die Wahl nicht aus der Luft gegriffen. Pantone durchkämmt seit 20 Jahren buchstäblich die ganze Welt nach Farbeinflüssen – von der Unterhaltungs- und Filmbranche über die Kunstszene und die Modewelt bis hin zu neuen Technologien und Social-Media-Plattformen.

Eine Reaktion auf das ­Korallensterben?

In diesem Jahr war auch die Natur eine treibende Inspirationsquelle. Wobei die Wahl nicht als Reaktion auf das Verschwinden der Korallenriffe gelten solle, wie Leatrice Eiseman, Leiterin des Pantone-Farbinstituts, in einem Interview sagte: «Trotz dieser düsteren Realität in unseren Weltmeeren möchten wir mit dieser Farbe die Schönheit von Korallenrot in seinem natürlichen, lebendigen Zustand feiern und in den Blickpunkt rücken – ebenso wie in den anderen Erscheinungsformen wie im Sonnenuntergang sowie in Flora und Fauna.»

Orange mit goldenem Unterton

Doch Korallenrot ist eigentlich ein Orange mit goldenem Unterton. Orange allerdings ist gemäss Eva Heller «die Farbe, die niemand mag». In ihren Untersuchungen, die sie in ihrem Standardwerk «Wie Farben wirken» festhält, haben nur gerade ein Prozent der Frauen Orange als Lieblingsfarbe angegeben, bei den Männern gar keiner. Wieso diese Abneigung? Orange hat zwar seine guten Seiten, steht in der Farbpsychologie für Geselligkeit, Energie, Vergnügen und Lebensfreude. Denn es vereinigt die Leuchtkraft von Gelb mit der Vitalität von Rot und überstrahlt somit andere Farben. Aber es verdrängt sie eben auch. Und da wären wir bei der negativen Seite: Orange steht in unserem Kulturkreis auch für billige Modernität (jeder Artikel aus Plastik wird sicher auch in Orange angeboten), für Aufdringlichkeit und für Werbung.

Im Buddhismus allerdings hat Orange die Bedeutung von Wandel.

Entsprechend tragen die Mönche orange Gewänder. Zum Glück aber tendiert 16-1546, wie das «Living Coral» genau bezeichnet wird, leicht ins Lachsfarbene. Es ist zarter als reines Rot, intensiver als Rosa und schmeichelt dem Auge mehr als pures Orange, was ihm eine liebliche Note gibt und deshalb wohl in der Modewelt so gut ankommt.

Korallenrot eignet sich, um gezielt leuchtende Akzente zu setzen. Es muss nicht zwingend ein Total-Look sein, wie es das Newcomer-Model Kaia Gerber (Tochter von Cindy Crawford) für Moschino zeigte. Es kann auch einfach ein Accessoire, eine Bluse oder gar nur der Nagellack sein. Das Gute daran: Der Farbton schmeichelt allen Haut- und Haartypen. Kombiniert mit Erdtönen, Weiss, Grau-Varianten oder anderen Pastellfarben wirkt Korallenrot sympathisch und harmonisch. Selbst mit Schwarz oder Gold lässt es sich gut ins Szene setzen.

Im Interior-Bereich lieber sparsam einsetzen

Auch im Interior-Bereich dürfte die Farbe Liebhaber finden. Wobei hier weniger oft mehr ist. Grossflächig sollte man eher sparsam mit Korallenrot umgehen. Dafür sorgen Kissen, Plaids, ein Teppich oder auch nur ein Stuhl für frische Akzente.

Wer allerdings mit Korallenrot nichts anfangen kann, findet genügend Alternativen. Pantone ist längst nicht mehr das einzige Unternehmen, das uns alljährlich eine neue Trendfarbe präsentiert. Bei PPG Paints ist es ein dunkles Grün namens «Night Watch» oder bei Akzo Nobel ein «Spiced Honey», ein warmer Bernsteinton. In einem Punkt stimmen die Farbexperten überein: Als modisches Vorbild diente ihnen die Natur.