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Ed Sheeran und sein Händchen für Songs

Der Mann hat einen Lauf, sein Erfolg ist geradezu unglaublich. Der 27-jährige Brite macht auf seiner bisher grössten Stadiontour nächste Woche auch Halt in Zürich – für gleich zwei Konzerte im Letzigrund.
Steffen Rüth
Ed Sheeran: «Je grösser das Publikum, desto mehr Spass.» (Bild: Jo Hale/Redferns (Swansea, 26. Mai 2018))

Ed Sheeran: «Je grösser das Publikum, desto mehr Spass.» (Bild: Jo Hale/Redferns (Swansea, 26. Mai 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Aufhalten kann ihn zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere höchstens noch die Natur. Eine kleine Privatkapelle hat Ed Sheeran bauen wollen, und zwar auf seinem sehr grossen Grundstück in der ostenglischen Provinz Suffolk. Hier wuchs Ed in jenem Ort Framlingham auf, dem er in seinem Song «Castle On The Hill» ein Denkmal setzte, und hier hat er eben auch heute, nach Jahren in London, wieder seinen Lebensmittelpunkt. Fünfzehn Meter hoher Turm, Platz für 24 Menschen, nicht-konfessionell – was man halt so braucht, wenn man kleine private Feiern wie Taufen oder Trauungen daheim abhalten will. Doch das örtliche Bauamt genehmigte das Gotteshäuschen nicht.

Einzig ein Molch kreuzt seine Projekte

Ed Sheeran muss seine Verlobte Cherry Seaborn, in die er schon als Schüler verknallt war und mit der er seit drei Jahren fest zusammen ist, nun also wohl oder übel woanders heiraten. Und warum? Weil, sagen Tierschützer, eventuell der Kammmolch auf Sheerans Grund und Boden lebe und laiche, das Kapellchen käme der Entfaltung des Kaltblüters in die Quere, Pech gehabt. Zuletzt schon vagabundierte Sheeran auf der Suche nach einem Ort für ein Open-Air-Konzert naturschutzbedingt durchs halbe Rhein-Ruhr-Gebiet, erst liess man ihn nicht auf dem Flugplatz Essen/Mülheim (wegen der Feldlerche), dann nach viel Tamtam auch nicht auf dem Düsseldorfer Messeparkplatz (wegen zu fällender Bäume) spielen.

Allein auf der Bühne – ohne Firlefanz, ohne Band

Die übrigen Auftrittsorte standen glücklicherweise nie zur Debatte und sind seit Monaten ausverkauft. Ed Sheeran ist in den Stadien in seinem Metier, Bühnenscheu ist ihm unbekannt. «Je grösser das Publikum, desto mehr Spass macht mir das Konzert», sagt er. Für seine Show braucht Ed Sheeran keinen Firlefanz, ja er braucht nicht einmal eine Band. Ganz alleine steht er auf der Bühne mit seiner Gitarre. Für alle anderen Instrumente bedient er seine Loop-Station, also ein Gerät, auf dem er vorab aufgenommene Tonspuren abspielt. So, wie Ed Sheeran in diesem Sommer in den allergrössten Stadien spielt, könnte er sich auch an jede x-beliebige U-Bahn-Station oder Imbissbude stellen.

Aber warum eigentlich ist ­ Ed Sheeran, dieser leicht übergewichtige Normalo, der grösste männliche Popstar unserer Zeit?

Der, den irgendwie alle zumindest okay finden? Der kaum ­polarisiert? Robbie Williams, den Sheeran in Sachen Popularität längst hinter sich gelassen hat, versuchte sich in der «Manchester Evening News» an einer Erklärung: «Er ist der Tom Hanks der Popmusik. Jeder mag ihn. Er ist ein netter Kerl und ein guter Mensch. Und er scheint von seinem unglaublichen Erfolg absolut unbeeindruckt zu sein.»

Als wären seine Lieder schon immer da gewesen

Mit seinen 27 Jahren dürfte sich Sheeran mittlerweile ein dreistelliges Millionenvermögen zusammenmusiziert haben, ansehen tut man ihm den Reichtum nicht. Er läuft immer noch so rum wie alle anderen Twentysomethings, und wenn er daheim ist, fährt er Mini, sagt er. Ed Sheeran sieht aus wie der Durchschnittstyp von nebenan, aber schreibt Songs, mit denen er ein Publikum vom Primarschulkind bis zum Greis erreicht. Seine Lieder sind auch deshalb so genial, weil sie sich anhören, als seien sie schon immer da gewesen.

Plagiatsklagen, ja, die gibt es, aber bisher war noch keine erfolgreich.

Sheerans frühe Hits wie «The A-Team» oder «Lego House», auch «Sing», selbst «Photograph» waren origineller, die Lieder auf seinem aktuellen, dritten Album «Divide» (das natürlich weltweit bestverkaufte des Jahres 2017) scheint er mit einer Optimierungssoftware komponiert zu haben, die Allgemeingültigkeit und Individualität zu ultimativ erfolgreicher Musik verbindet. «Shape Of You» zum Beispiel, sein bislang grösster Hit, hat keine komplizierte Melodie und keinen komplizierten Inhalt, ist aber durch den dezenten Einsatz von Beats und einen persönlich wirkenden Text, unter anderem über ein Date in einem chinesischen Schnellrestaurant, fesselnd genug, dass einen interessiert, was er da singt.

Kumpels, Mädchen und Lokalkolorit

Oder «Castle On The Hill», ein Song über seine – real existierenden – besten Kumpels und die gemeinsam verbrachte Jugend. Oder «Galway Girl» – das total irisch klingt, obwohl Sheeran kein Ire ist. Oder die aktuelle Single «Happier», die er während einer Auszeit auf dem Kreuzfahrtschiff «Queen Mary 2» ­verfasste und in der er zugeben muss, dass der neue Freund der Ex-Freundin viel besser zu ihr passt als der alte, also er.

Sentimentalität, Lokalkolorit, (Pseudo-)Persönliches und Mädchen, das ist
Ed Sheerans Zutatenliste.

Auf die Spitze getrieben natürlich mit «Perfect», einer Schnulze an die Liebste, die mit dem Segen von Eric Clapton an «Wonderful Tonight» angelehnte Supersingle. Aussagen, die anecken können, etwa über Politisches, den Brexit gar, vermeidet er sowohl in seinen Liedern als auch in seinen Interviews. Und er rührt die Leute. Mit Geschichten über seine Katzen (Calippo und Dorito), seine Freundin, die Eltern, die Kumpels, den manchmal zu hohen Alkoholkonsum. Ed Sheeran ist ein Typ wie du und ich, nur halt mit Helikopterlandeplatz im Garten und berühmten besten Freunden wie Taylor Swift oder Elton John.

Posts mit Katzenbildern und Lego-Bagger

Er ackert aber auch für den Erfolg. Songs kann er überall schreiben, dafür hat er ein Händchen, meist geht es schnell. Sein Talent für Melodien ist aussergewöhnlich. Eine überdurchschnittliche Emsigkeit kommt dazu. Am Anfang, mit 18, 19, spielt er 300 Konzerte pro Jahr, pennt bei Schauspieler Jamie Foxx auf dem Sofa, als er Kontakte in Los Angeles sucht, und sammelt quasi jeden seiner zig Millionen Follower bei Twitter, Instagram, Facebook persönlich ein. Auch jetzt gibt er sich in den sozialen Medien noch nahbar, postet etwa gern Katzenfotos oder den Lego-Bagger, den er gerade gebaut hat.

Und er ist ehrgeizig. Will in die grössten Arenen, will die meisten Plattenverkäufe.

«Nur Adele ist noch vor mir», sagte er der britischen «GQ», «und wenn ich nicht sagen würde, ich will sie überholen, dann wäre ich unehrlich zu mir.» Dass er jüngst bekundete, seine Ambitionen würden «auf null sinken», sobald er Vater werde (was er gern bis ­zum 30. Geburtstag sein möchte), kann man glauben, oder auch nicht. Fakt ist: Den Titelsong für den nächsten James-Bond-Film, der Ende 2019 anlaufen soll, den hat er schon geschrieben. Nur für den Fall.

3./4.8., Stadion Letzigrund, beide Konzerte ausverkauft.

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