Gedenken an einen Schutzherrn der Journalisten

Die Verbreitung des christlichen Glaubens war Maximilian Kolbes oberste Mission. In Auschwitz von den Nazis ermordet, ist der Franziskaner später heiliggesprochen worden. Seine Verehrung ist nicht ganz unumstritten. Der 14. August ist sein kirchlicher Gedenktag.

Andreas Faessler
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1982 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen: der Franziskaner-Minorit Maximilian Kolbe (1894–1941).

1982 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen: der Franziskaner-Minorit Maximilian Kolbe (1894–1941).

Bild: ullstein bild/Getty Images

Märtyrer – da denkt man in erster Linie an Menschen, die vor Hunderten von Jahren für den christlichen Glauben ihr Leben geopfert haben. Das Christentum kennt aber auch Märtyrerinnen und Märtyrer des 20.Jahrhunderts. An der Westfassade der Westminster Abbey in London sind ihnen zehn Figurennischen gewidmet. Ganz links aussen steht die Figur des heiligen Maximilian Kolbe (1894–1941), dessen Gedenktag die Kirche am 14. August feiert.

Der deutschstämmige Franziskanerminorit aus Polen wird unter anderem als Schutzherr der Journalisten verehrt. Dies liegt in seiner intensiven Missionsarbeit begründet, welche er auf für damalige Zeit fortschrittliche Weise betrieb. Als tiefgläubiger Christ und Marienverehrer in Rom zum Priester ausgebildet, hob Kolbe 1917 die katholische Organisation Militia Immaculatae aus der Taufe, welche sich vordergründig der Pressearbeit widmete mit dem Auftrag, den Glauben zu verbreiten und zu festigen. Kolbe gründete mehrere christliche Verlage und Publikationsorgane, betrieb Funk- und Radiostationen. Nahe Warschau entstand durch ihn die Klostergründung Niepokalanów (Stadt Mariens), die zugleich als katholisches Pressezentrum diente. Es war also dieses breite publizistische Engagement, das ihn später – neben dem heiligen Franz von Sales – zum Schutz­patron der Journalisten und Funkleute hat werden lassen.

Maximilian Kolbe tat sich als überzeugter Gegner des Nationalsozialismus sowie des Kommunismus hervor, kämpfte aber zugleich vehement gegen die Freimaurerei und den Zionismus. Erklärtes Ziel seiner Militia Immaculatae war es unter anderem, Schismatiker und Juden zu bekehren. Laut eigener Aussage sah sich Kolbe jedoch nicht als Antisemit, er wollte aber einer «jüdischen Überfremdung» entgegenwirken. Dennoch äusserte er sich wiederholt aggressiv und hetzerisch gegenüber dem Judentum, welches sich in Polen als dessen «biologischem Hauptreservoir» wie ein «Krebs­geschwür in den Volkskörper frisst», weshalb die Juden emigrieren müssten. Diese und weitere dokumentierte Äus­serungen sorgen bis heute für Kritik und Hinterfragung.

Verhaftung durch die Gestapo...

Mit dem Einfall und der Machtübernahme Polens durch die Nazionalsozialisten stellte Kolbe – nach einer vorübergehenden Festnahme – seine Haltung in den Hintergrund und agierte im Namen der Menschlichkeit: 1941 nahm er in seinem Kloster in Niepokalanów eine grosse Anzahl Verfolgter – darunter sollen rund 2300 Juden gewesen sein – auf, um sie vor den Deutschen zu schützen.

Für diese beherzte Rettungsaktion wurde Kolbe von der Gestapo erneut verhaftet und kurz darauf ins Vernichtungslager nach Auschwitz deportiert, von wo er nicht mehr zurückkehren sollte.

...und Tod im Bunker

Zwei Monate nach seinem Eintritt ins KZ Auschwitz kam es zu einer Schlüsselszene in Kolbes Biografie, welche später das Anerkennen seines Martyriums begründen wird: Als Vergeltungsschlag für die mutmassliche Flucht eines Häftlings sollten mehrere KZ-Insassen umgebracht werden. Einer der Todgeweihten – Franciszek Gajowniczek – flehte die Peiniger an, ihn zu verschonen, er habe Frau und Kinder. Maximilian Kolbe ersuchte beim Lagerkommandanten um Erlaubnis, sein Leben für den Familienvater zu opfern. Dem wurde stattgegeben.

Kolbe wurde mit den anderen neun Ausgewählten in den Todesbunker gesperrt. Nachdem sechs bereits verhungert waren und Kolbe sowie drei andere als Letzte noch Lebenszeichen von sich gegeben hatten, wurden sie schliesslich mit der Giftspritze getötet und verbrannt.

Selig- und Heiligsprechung

Papst Paul VI. sprach Maximilian Kolbe 1971 selig. 1982 verlieh ihm der polnische Staat posthum den höchsten Militärverdienstorden. Im selben Jahr erfolgte durch Papst Johannes Paul II. die Heiligsprechung. Franciszek Gajowniczek, der Kolbe sein Leben verdankte, starb 1995 im hohen Alter von 93 Jahren, nachdem er seinen Retter bis ans Lebensende in höchsten Ehren gehalten hatte. Kolbes Todeszelle in Auschwitz existiert noch und wird von Gläubigen und Verehrern als Pilgerstätte aufgesucht.

Maximilian Kolbes Wirken beschäftigt Historiker und Theologen bis heute, zumal es in Bezug auf Antisemitismus und in diesem Kontext auf seine Verehrung als Heiliger zu berechtigten Fragen – und damit jedoch auch zu differenzierter Diskussion – Anlass gibt.