Serien-Tipp: Ein wohltuend seriöser Ermittler neu auf SRF

Das Schweizer Fernsehen startet heute mit der US-Serie «Bosch» nach Romanen von Starautor Michael Connelly. Die Serie ist sehenswert, gerade weil sie auf viel Spektakel verzichtet.

Arno Renggli
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Titus Welliver in der Titelrolle als Detective Bosch. (Bild: PD)

Titus Welliver in der Titelrolle als Detective Bosch. (Bild: PD)

Eigentlich ist es ja nur eine einzige Frage: Kann der relativ unbekannte Schauspieler Titus Welliver Harry Bosch gerecht werden? Diesem facettenreichen Ermittler, der Krimifans durch die Romane von US-Autor James Connelly schon lange ein Begriff sein dürfte.

Doch zuerst die harten Fakten: «Bosch» ist eine der ersten von Amazon produzierten Serien. Staffel 1, die nun auf SRF zwei als Free-TV-Premiere zu sehen ist, wurde 2014 gedreht, bereits sind vier weitere entstanden, Nummer 6 ist in Planung. Schon dies zeigt den Erfolg der Reihe. Und der basiert auf hoher Qualität.

Serienkiller treibt ein raffiniertes Spiel

In der ersten Staffel ermittelt Hieronymus «Harry» Bosch im Fall eines getöteten Knaben, dessen Skelett nach vielen Jahren aufgetaucht ist und der vor seinem Tod offenbar schwer misshandelt worden war. Zudem ist ein Serienmörder unterwegs, der junge Männer im Visier hat. Als der Killer gefasst wird, behauptet er, auch für den Mord an dem Buben verantwortlich zu sein. Doch Bosch ist misstrauisch. Ahnt, dass der Killer ein tödliches Spiel treibt. Und er hat recht.

Die Serie ist ein klassischer Krimi, der auf künstliche Aufregung und überzüchtetes Spektakel verzichtet. Die eher gemächliche Gangart wird für eine sorgfältige Erzählweise und die genaue Figurenzeichnung genutzt und vermindert die Spannung in keiner Weise. Ganz im Gegenteil: Die Story ist hervorragend aufgebaut und trotz des Serienkillers – von denen es in der Fiktion zum Glück mehr gibt als in der Realität – glaubwürdig.

Und da ist noch die Haupt­figur Harry Bosch. Seine Biografie bietet viel Stoff: Als Knabe musste er die Ermordung seiner alleinerziehenden Mutter erleben, die als Prostituierte tätig war. Danach folgte eine gewaltreiche traumatische Jugend im Heim, weshalb der Fall des ermordeten Knaben eine persönliche Ebene hat. Er ist zudem Kriegsveteran und geschiedener Vater einer entfernt lebenden Teenagertochter.

Die Versuchung der Psychologisierung

Diese Vergangenheit lädt geradezu ein, die Figur zu psychologisieren – wie es viele Krimis anhand ihrer zerrütteten Ermittler heute tun. Doch «Bosch» bleibt wohltuend zurückhaltend.

Das ist auch ein Verdienst von Hauptdarsteller Titus Welliver. Der agiert – und damit ist die Eingangsfrage beantwortet – brillant. Mit sparsamen Mitteln und genug Vertrauen in seine Persönlichkeit spielt er einen Cop, der zwar Schlimmes erlebt hat, aber daran nicht zerbrochen ist. Der zwar durchaus Probleme mit Vorgesetzten hat, dem aber Loyalität und Korrektheit wichtig sind. Abgesehen davon ist Bosch auch ein brillanter Fahnder. Titus Welliver hat in vielen Filmen kleinere Rollen gespielt, Serienfans kennen ihn aus «Lost», «Deadwood» oder «Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.». «Bosch» ist für den 57-Jährigen aber klar das bisherige Karrierehighlight.

Bekannte Gesichter auch in den  Nebenrollen

Auch andere Rollen sind mit bekannten Seriendarstellern besetzt. Etwa aus «The Wire» (Boschs Partner und sein Vorgesetzter), weibliche etwa aus «24» (seine Ex-Ehefrau und eine Kollegin, mit der er eine Affäre hat).

Auf Anfrage hat SRF mitgeteilt, dass man auch die zweite Staffel von «Bosch» eingekauft habe. Während Staffel 1 das ­Duell zwischen Fahnder und Killer ins Zentrum stellt, befasst sich Staffel 2 vermehrt auch mit politischen, polizeilichen und mafiösen Strukturen. Und ist genauso stark wie die erste.

«Bosch»: Staffel 1 in Doppelfolgen, ab heute, jeweils am Freitag, 23.25 Uhr, SRF zwei.