ENTDECKERFERIEN: Land der Berge und der Kirchen

Seit vergangenem Herbst bringt Wizz Air Reisende zweimal wöchentlich vom Allgäu-Airport Memmingen aus nonstop nach Kutaissi in Georgien. Damit wird die Erkundung des Landes zwischen Orient und Okzident bequemer und vor allem günstiger. Interessant ist die Destination zwischen Kleinem und Grossem Kaukasus auch für Weinliebhaber.

Drucken
Teilen
Die andere Seite Georgiens: Burgen, Klöster und Kathedralen. (Bild: Kurt Latzer)

Die andere Seite Georgiens: Burgen, Klöster und Kathedralen. (Bild: Kurt Latzer)

Text und Bilder: Kurt Latzer

Nahezu unendliche Möglichkeiten eröffnen sich dem Reisenden in dem Land, von dem einige sagen, dort habe die Wiege des Weins gestanden. Das hat sich auf einer fünftägigen Erkundungsreise durch Ost- und Westgeorgien gezeigt. Nach dem Flug von Memmingen nach Kutaissi ist bereits die erste Übernachtung besonders: Das Hotel mit mächtigen Säulen, langen Gängen und imposanten Sälen in zwei Gebäudekomplexen steht in einem riesigen Park. Hier logierten zur Zeit der Sowjetherrschaft die Parteispitzen und hochrangige Militärs.

Die Spuren der Sowjetunion, die Georgien 1921 annektierte, sind in Kutaissi allgegenwärtig. Alte Wohnbauten zeugen vom Einfluss der Sowjetherrscher auf das Land, das 1991 nach einem kriegerischen Konflikt mit Russland erneut seine Unabhängigkeit erlangt hat. Die 200000-Einwohner-Stadt Kutaissi ist heute das wirtschaftliche, industrielle und kulturelle Zentrum Westgeorgiens. Seit Mai 2012 tagt hier das Parlament in einem neuerrichteten spektakulären Gebäude.

Noch gibt es die grossen Touristenströme nicht

Georgien bietet dem Reisenden viele Vorteile. Das Land mit seiner eindrücklichen Landschaft lässt sich derzeit noch in Ruhe erkunden, weil es nicht überlaufen ist von Touristen. Die Preise sind moderat: Für Getränke, Brot und dergleichen bewegen sie sich im Rappenbereich. Menus mit einheimischen Spezialitäten – die im übrigen sehr zu empfehlen sind – kosten je nach Region zwischen fünf und sechs Franken. Sich ein Auto zu mieten und das Land damit selber zu erkunden, ist allerdings nicht ratsam. Wie sich schon in Kutaissi zeigt, ist der Fahrstil der Einheimischen gelinde gesagt speziell, die Regeln sind eher etwas für Eingeweihte.

Es empfiehlt sich, das Land mit der Bahn oder dem gängigsten, auch von den Georgiern bevorzugten Verkehrsmittel, den Marschrutkas, zu erkunden. Das sind Kleinbusse, die jedoch meist eng bestuhlt sind und keinen Komfort bieten. Für kleinere Gruppen lohnt es sich, deutsch- oder englischsprachige Reiseleiter zu engagieren, die auch bequemere Busse organisieren können. Für grössere Gruppen eignen sich geführte Touren mit Reisebussen. Denn in Georgien ist es sehr schwierig, sich auf Englisch oder gar Deutsch zu verständigen.

Wer Badeferien am Schwarzen Meer vorzieht, kann von Kutaissi den Zug nach Batumi nehmen. Die Stadt am Meer ist etwas mehr als 100 Kilometer von Kutaissi entfernt.

Wintersport und Wandern im hohen Kaukasus

Unsere Reise aber führt entlang der georgischen Heeresstrasse, die sich durch den hohen Kaukasus windet, und bietet nebst dem Blick auf eindrückliche Natur auch Einblicke in orthodoxe Heiligtümer. Besonders interessant ist der Besuch der Kirchenfestung Ananauri aus dem 17. Jahrhundert. Sie liegt am Ende eines Stausees, direkt an der Strasse. Unterwegs gibt es an vielen Orten einheimische Waren und Köstlichkeiten zu kaufen.

Auch für Wintersportler ist Georgien interessant. Beim Besuch des Skigebietes Gudauri im Oktober liegt freilich noch kein Schnee. Die Infrastruktur für die Wintersaison hat ein Österreicher geplant: Zum Snowboarden und Skifahren stehen 60 Kilometer Pisten bereit. Zehn Lifte ziehen die Skisportler in Höhen zwischen knapp 2000 und 3200 Metern über Meer.

Ein Highlight der Reise ist die Fahrt an den Fuss des Kasbek. Mit 5033 Metern ist er der dritthöchste Berg Georgiens – ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger. Ein einmaliger Ausblick auf den Bergriesen bietet sich von der grossen Terrasse des Rooms Hotels Kazbegi. Wer schöne Fotos des Fünftausenders schiessen möchte, sollte früh aufstehen, denn tagsüber wird die Bergspitze oft von dichtem Nebel verhüllt. Vom Hotel aus kann man zu Fuss oder mit geländegängigen Fahrzeugen zu einer besonderen Zeugin der orthodoxen Geschichte gelangen: zur Gereti-Dreifaltigkeitskirche. Die Fahrt mit Touristen zur Kirche ist eine der Haupteinnahmen der Einheimischen. Davon, den abenteuerlichen Weg selbst unter die Räder zu nehmen, muss dringend abgeraten werden.

Auf der einzigen Verbindungsstrasse mit Russland bilden sich vor der Grenze – sie darf von Touristen nicht passiert werden – kilometerlange Lastwagenkolonnen. Die Chauffeure müssen oft Tage auf die Abfertigung durch russische Inspektoren warten. Unsere Reise hingegen geht weiter: durch eine überwältigende Landschaft in Richtung der georgischen Hauptstadt Tiflis mit ihren bekannten orthodoxen Kathedralen und Kirchen. Die faszinierende Metropole Tiflis (georgisch Tbilisi) steht im Umbruch, ist voller Sehenswürdigkeiten und bei Schweizer und deutschen Touristen noch kaum bekannt. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch der Schwefelbäder und des Vergnügungsparks hoch über der Stadt. Eine Fahrt mit dem Riesenrad oder mit einer Gondelbahn bietet einen einmaligen Ausblick auf die Stadt. Eindrücklich ist das friedliche Zusammenleben verschiedenster Religionen. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich eine Moschee, eine Synagoge, eine orthodoxe und eine armenische Kirche. Etwas versteckt in der Altstadt steht eine kleine katholische Kirche aus dem 6.Jahrhundert. In der Altstadt und im Stadtzentrum pulsiert das Leben. Ausgangs- und Shoppingmöglichkeiten gibt es für jeden Geschmack.

Für eine Fahrt durch die Stadt empfiehlt sich ein Taxi, die Preise sind sehr günstig. Besonders interessant ist eine Stadttour mit einem Reiseleiter, sie ist aber auch auf eigene Faust kein Problem. Georgien ist eines der sichersten Reiseländer – davon ausgenommen ist der Strassenverkehr. Die Polizeipräsenz ist sehr gross, was zusätzliche Sicherheit bietet. Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Toleranz sind für Georgier keine leeren Worte.

Jahrtausende alte Zeugen des Weinbaus

Unweit der Hauptstadt kommen auch die Weinliebhaber voll auf ihre Kosten. Besucher in georgischen Weingütern erfahren alles über den Weinbau und dessen Geschichte. Unlängst ist man bei Ausgrabungen auf Zeugnisse der Weinproduktion gestossen, die über 7000 Jahre alt sind.

Von Tiflis zurück bis zum Flughafen Kutaissi muss man mit dem Kleinbus etwa dreieinhalb Stunden einplanen, gelegentliche Halts eingerechnet. Die Strecke führt über eine Autobahn, die noch nicht lange in Betrieb und weiter im Bau ist. Die Fahrt führt vorbei an grossen Rebflächen, in die sich teils alte schlossartige Gebäude einfügen. In solchen Châteaus kann man Zimmer mieten. Sie sind die ideale Basis für Ausflüge in die Weindörfer.

Auf dem Balkon Europas

 

Land: Georgien liegt in Vorderasien, wird aber von seinen Bewohnern als Balkon Europas bezeichnet. Seine Fläche entspricht mit 69700 km2 ungefähr der von Bayern. Gebirge und Vorgebirge bedecken 87 Prozent des Landes. Im Norden liegt die Südabdachung des Grossen Kaukasus. Im Süden befinden sich die westlichen Rücken des Kleinen Kaukasus und der Rand des vulkanischen Armenischen Hochlandes. Abstecher in die georgischen Regionen Abchasien und Südossetien sollte man unbedingt meiden, weil die Gebiete nicht der Kontrolle ­ des georgischen Staates unterstehen.

Geld: Die Währung ist der georgische Lari, unterteilt in 100 Tetri. Für einen Schweizer Franken erhält man etwa 1,5 Lari. In den Städten kommt man auch mit Euro weit, gängigste Fremdwährung ist allerdings der US-Dollar. Geld wechseln kann man in den meisten Hotels. EC-Automaten gibt es inzwischen in allen Städten. Es empfiehlt sich, georgisches Geld bei sich zu haben. Kreditkarten werden, insbesondere ausserhalb Tiflis, nicht immer akzeptiert.

 

(kla)

Diese Reportage entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Allgäu Airport Memmingen, Wizz Air und Georgien Tourismus eingeladen hatten.

Auf Entdeckungstour: Allein die Fahrt zur Gereti Dreifaltigkeitskirche am Fusse des 5033 Meter hohen Berges Kasbek ist abenteuerlich. (Bild: Kurt Latzer)

Auf Entdeckungstour: Allein die Fahrt zur Gereti Dreifaltigkeitskirche am Fusse des 5033 Meter hohen Berges Kasbek ist abenteuerlich. (Bild: Kurt Latzer)

In der Hauptstadt Tiflis treffen sich Altertum und Moderne. (Bild: Kurt Latzer)

In der Hauptstadt Tiflis treffen sich Altertum und Moderne. (Bild: Kurt Latzer)

Von ihnen gibt es viele: «Supermärkte» an der Strasse zwischen Kutaissi und Tiflis. (Bild: Kurt Latzer)

Von ihnen gibt es viele: «Supermärkte» an der Strasse zwischen Kutaissi und Tiflis. (Bild: Kurt Latzer)