Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ENTSCHLACKEN: Sich durchbeissen durch das Nichts am Gnadensee

Bei den Barmherzigen Schwestern im Kloster Hegne am Bodensee lässt sich stimmungsvoll fasten. Ein Selbstversuch.
Eingebettet in eine intakte Natur: die Klosteranlage am Seeufer in Hegne. (Bild: PD)

Eingebettet in eine intakte Natur: die Klosteranlage am Seeufer in Hegne. (Bild: PD)

Fasten tut man bekanntlich am besten dann, wenn Fastenzeit ist. Nur – wann ist die? Vor Ostern oder eher nach Weihnachten? Susanne Mattke ist der Überzeugung, dass es keinen Anlass, keine besondere Zeit, keine vorausgegangene oder bevorstehende festliche Völlerei braucht, um ein paar Fastentage einzulegen – um den Körper zu entgiften, zu regenerieren und die Selbstheilungskräfte anzuregen. Die Heilpraktikerin bietet im Kloster Hegne der Barmherzigen Schwestern am Bodensee, direkt gegenüber der Insel Reichenau gelegen, zweimal pro Jahr ein Fastenseminar an. Die Kursteilnehmer verzichten dabei während einer Woche auf feste Nahrung, werden aber mit allem Lebensnotwendigen bestens versorgt.

Vor zehn Jahren eröffnete das Frauenkloster das Haus Elisabeth, einen erweiterten Hoteltrakt mit 68 modern eingerichteten Zimmern. Die Ordensschwestern arbeiten, unterstützt von weltlichen Angestellten, in allen Bereichen des Betriebes mit. Das Bildungs- und Retraite-Angebot wurde ebenfalls ausgebaut und umfasst einen breiten Themenkatalog. Von der Landesgrenze in Konstanz sind es wenige Kilometer nach Hegne. Die Hauptrasse nach Radolfzell und Singen teilt Klosteranlage und Seeufer – bis eine geplante Unterführung gebaut sein wird, der einzige Störfaktor in der sonst idyllischen Landschaft. Die Klosterkirche läutet zum Abendgebet; ihr Turm überragt das weitläufige Gelände mit Kloster, Hotel, Altersheim und Schule Marianum.

Nach wenigen Tagen stellt sich eine wohltuende Gelassenheit ein

Im Foyer werden die Teilnehmenden des Fastenkurses von Susanne Mattke empfangen. Zehn Frauen, zwei Männer – von der Floristin bis zum Krebspatienten, von der Anlageberaterin bis zur Ergotherapeutin – betreten mit ihr den Raum, der für die kommenden Tage einer der gemeinsamen Treffpunkte sein wird. Und sie kommt gleich zur grossen Sache. Das heisst, zum quasi Nichts, das es in den kommenden Tagen zu kauen geben wird. Mattke, eine charmante, einnehmende Person ohne jegliche Allüren, deren Mutter, Sylvelie Grob-Wicklert ebenfalls eine bekannte Heilpraktikerin und Psychotherapeutin war, führt ein in die Optionen der Fastentage. Es soll kein Eindruck einer bevorstehenden Tortur entstehen.

«Betrachten Sie das Fasten mit innerer Ruhe und der absoluten Sicherheit, dass bei Einhaltung der Regeln die Ernährung von innen her wirklich klappt», ermuntert sie die Anwesenden. Diese innere Einstellung ist es, die sich im Lauf der Tage wie ein leichter Frühlingsmantel um einen legt. Wird man nach der ziemlich polternden Darmreinigung mit Bittersalz in der ersten Nacht noch von der Szene in Bruegels «Schlaraffenland»-Gemälde heimgesucht, legt sich bereits am zweiten Tag die Anziehung, den Düften im hotelinternen Restaurant zu folgen.

Die einzigen, für alle verbindlichen «Regeln» bestehen in den gemeinsamen «Mahlzeiten» – Mattke nennt sie «Tischzeiten», die man sehr langsam, Schluck um Schluck, auslöffelt.

Umfangreiches Begleitprogramm und viel freie Zeit

Es gibt zum Frühstück in Wasser aufgelöste grüne Tonerde und einen frisch gepressten Fruchtsaft; zur Mittag-Tischzeit– diese Mahlzeit wird in der Stille eingenommen, was sehr angenehm ist – werden Wacholderbeeren zerkaut. Jeden Tag eine mehr bis zur Höchstzahl vier. Danach wird eine basische Gemüsebrühe gereicht – das einzige gesalzene «Essen» in diesen Tagen. Zur Abend-Tischzeit gibt’s wiederum einen frischen Fruchtsaft. Danach wird möglichst geruht. Zwischen den «Tischzeiten» besteht die Möglichkeit, Susanne Mattkes Fastenseminare zu besuchen. Sie erläutert praxisbezogen, verweist auf Krankheitsbilder und auf die Symptome eines übersäuerten Körpers. Sie verrät viele einfache Tricks für den Alltag – empfiehlt Leberwickel und basische Fussbäder.

In den frei zu gestaltenden Nachmittagsstunden lädt der nahe See zum Schwimmen – den Hotelgästen steht die klostereigene Strandwiese zur Verfügung. Die Gegend um Hegne bietet herrliche Spazierwege und Ausflüge – etwa ins Geburtshaus von Hermann Hesse im nahen Gaienhofen oder auf die Insel Reichenau. In der Klosterkirche oder in der Hauskapelle finden Laudes und Vesper statt. Bereits nach drei Tagen beginnt sich das innere Getöse aufzulösen, das Mit-sich-Ringen-und-Hadern wird von einer feinstimmigen Serenade übertönt, und Pieter Bruegel kann einem gestohlen bleiben.

Brigitte Schmid-Gugler



HINWEIS

Nächstes Seminar: 1. – 8. September (395 Euro bei Übernachtung im Hotel St. Elisabeth, Anmeldeschluss: 13. Juli) www.kloster-hegne.de

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.