Pater Wilfried Dettling setzt auf den interreligiösen Dialog

Pater Wilfried Dettling ist der neue Bildungsleiter des Lassalle-Hauses Bad Schönbrunn in Edlibach. Der Jesuit will Bewährtes fortführen und Akzente setzen.

Monika Wegmann
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Pater Wilfried Dettling begleitet seit Jahren Menschen auf ihrem geistlichen Weg.

Pater Wilfried Dettling begleitet seit Jahren Menschen auf ihrem geistlichen Weg.

Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 21. Oktober 2020)

Am neuen Wirkungsort im zugerischen Edlibach ist der aus Deutschland stammende Wilfried Dettling kein Unbekannter. Im Gespräch sagt der Jesuit: «Das Lassalle-Haus kannte ich bereits durch Exerzitien und Meditation.» Als begeisterter Radfahrer habe er auch schon die Gegend erkundet und geniesse die Natur rings herum.

Mit 55 Jahren hat Wilfried Dettling bereits etliche Stationen auf seinem Weg zurückgelegt: 1989 trat er in den Jesuitenorden ein und studierte Theologie und Philosophie. In Deutschland und Israel/Palästina gründete er Bibelschulen, war Islambeauftragter der Diözese Speyer und promovierte im Rom. Zuletzt leitete er in Dresden das Exerzitienhaus HohenEichen der Jesuiten. Den Wechsel in die Schweiz, wo er zudem in der ökumenischen Hochschulseelsorge Luzern mitwirken wird, erklärt er so: «Im Jesuitenorden ist es üblich, dass man nach gewisser Zeit eine neue Aufgabe übernimmt. Ich hatte verschiedene Optionen. Eine davon war die Bildungsleitung im Lassalle-Haus. So habe ich nach kurzer Bedenkzeit zugesagt.»

Doch das Coronavirus beeinflusst auch den Betrieb der religiösen Institution in Edlibach. Wilfried Dettling sagt mit ernstem Blick: «Wir haben jetzt eine angespannte Zeit. Die jährlich über 100 Kurse können wir mit Schutzkonzept durchführen. Aber wir müssen Tag für Tag die Situation ansehen. Das ist für alle herausfordernd, auch für unsere Gäste aus Deutschland, Frankreich und Österreich.» Man könne langfristig das Kursprogramm planen, müsse aber immer einen Plan B bereithalten. Das erfordere momentan viel Kommunikation mit Referenten und Teilnehmern. «Die Sorgen der Gäste sind berechtigt und gross, das kostet Zeit, doch die Gesundheit geht vor.»

Momentan plant der Leiter keine grossen Änderungen: «Zuerst will ich Inhalt und Struktur des Bildungshauses kennen lernen. Das Wichtigste sind die Kurse unserer vier spirituellen Wege: ignatianische Exerzitien, Kontemplation, Zen und Yoga. Zukünftig möchte ich versuchen, in den Bereichen Interreligiöser Dialog, Bibeltheologie sowie Ökologie weitere Angebote zu machen.» Die Verschiedenheit der Themen wirkt sich im Teilnehmerkreis aus. Das sieht er jedoch als Chance an und ist überzeugt: «Die Verschiedenheit ist eine Bereicherung, auch für die eigene Identität.»

Begegnung der Religionen

Seit vielen Jahren begleitet Wilfried Dettling in den kontemplativen Exerzitien Menschen auf ihrem geistlichen Weg. Wichtig ist ihm der interreligiöse Dialog und der Kontakt zu den nichtchristlichen Religionen. Er sei motiviert durch das, was er an Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringe. «Als spirituelles Zentrum hat das Lassalle-Haus hier einen Auftrag. Wir wollen Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenbringen und gemeinsam nach Wegen schauen, wie wir uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen können. Spiritualität macht nur Sinn, wenn aus dem Gebet konkrete Taten folgen. Dazu brauchen wir Begegnung und Wertschätzung des Anderen als Anderen.»

Bibeltheologische Angebote

Der Jesuit sprüht förmlich vor Energie, wenn er auf die Bibeltheologie zu sprechen kommt, denn Wilfried Dettling will auch dieses Thema beleben. Er ist überzeugt, dass die Bibel noch immer dem heutigen Menschen auf viele grundlegende Fragen spirituelle Perspektiven für den Lebensweg aufzeigen kann. Die Auseinandersetzung mit den Texten lohne sich. «Die Bibel richtet sich an alle Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und bereit sind, sich im Rahmen der Kurse darauf einzulassen.»

Nun liegen viele Aufgaben vor ihm. Wo holt Wilfried Dettling, dem auch eine humorvolle Seite innewohnt, die nötige Kraft? Er sagt schlicht:

«In der Meditation und im Gebet, auch in der Natur kann ich Kraft schöpfen.»

Wichtig seien ihm die langjährigen Freunde. «Viele Menschen suchen Ruhe. Darum ist es wichtig, von Kraftorten zu wissen, um den Alltag zu meistern.» Die Religion begleitet ihn schon sehr lange. Aufgewachsen in einer christlichen Familie, engagierte sich Wilfried Dettling in der religiösen Jugendarbeit, bevor er studierte. Mit 24 Jahren entschied er sich für ein religiöses Leben und das Priestertum, in einer Gemeinschaft mit apostolischer Ausrichtung. Er trat in den Jesuitenorden ein, wegen dessen weltweiten Einsatzes für Spiritualität, Glauben und Gerechtigkeit.