Erst durch Kunst wird eine Wohnung zum Zuhause: So hängen Sie Bilder richtig auf

Erst durch Kunst wird eine Wohnung zum Zuhause: So hängen Sie Bilder richtig auf

Kunstwerke sind Augenfreude, Seelenwärmer, Hirnanreger. Gut platziert und richtig montiert müssen sie sein. Die Tricks.

Sabine Altorfer
Drucken
Teilen

Leben ohne Kunst geht nicht. Für mich gehören Bilder und Skulpturen zur Grundversorgung. Kunstwerke, die man liebt, die zu einem passen, begleiten einen über Jahrzehnte – über jede Züglete hinaus.

Seit Jahrzehnten hängt in meinem Eingang ein Bild mit drei Wächtern. Sie begrüssen mich und geben mir zu verstehen: Du bist zu Hause. Und ohne Blick auf das Gewusel von kleinen Bildchen vis-à-vis der Garderobe geht Heimkommen auch nicht.

Kunst passt überall – aber der Platz muss stimmen

Der erste Ort, wo man Kunst aufhängt, ist meist das Wohnzimmer. Doch Kunst geht überall. Vorausgesetzt, Klima und Lage stimmen. Papierarbeiten und Fotografien leiden im feuchten Badezimmer oder am Sonnenlicht beim Südfenster, fragile Oberflächen sind an engen Stellen, auf Hundeschnauze- und Katzenkrallenhöhe gefährdet.

Damit es nicht überall in der Wohnung ähnlich aussieht, kann man Wandschmuck und Kunst nach Themen verteilen: Familien- oder Ferienfotos als gesellige Runde beim Esstisch, die geerbten Landschaftsgemälde im Treppenhaus, verträumte Aquarelle im (meist abgedunkelten) Schlafzimmer.

Aber natürlich passt alles auch genau umgekehrt. Es ist Ihr Zuhause. Oder man ordnet nach Stimmungen: Das Gemälde, auf dem wir so gern unser Auge spazieren lassen oder das für uns als Fenster in eine andere Welt funktioniert, ist gegenüber dem Sofa wohl besser platziert als darüber.

Lieber ein lokales Original als eine kopierte Berühmtheit

Sie möchten neben eigenen Fotos und Kinderzeichnungen endlich Kunst bei sich zu Hause. Wo findet man sie? In jeder Stadt gibt es Galerien und Kunsträume, fast in jedem Kanton macht das Kunsthaus oder das Museum Ende Jahr eine Ausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Gegend.

Auch die Schweizer Auktionshäuser bieten eine unglaubliche Fülle an – ab ein paar hundert Franken ist man dabei. Lokal zu kaufen, ist ein guter Einstieg. Nach dem Motto: Lieber ein Original einer lokalen Künstlerin – die man an der Vernissage oder einem Talk treffen kann, die man vielleicht über die nächsten Jahre verfolgt – als eine Kopie oder ein Plakat eines Werkes, das alle kennen.

Ordnung muss sein – zu viel wird langweilig

Vier Bilder fürs Wohnzimmer sind ausgewählt. Doch wohin genau? Folgen Sie nicht dem ersten Impuls, ein Bild an jede Wand zu hängen – und schon gar nicht immer in die Mitte. Zu viel Ordnung und Wiederholung wirkt langweilig. Gruppen, Asymmetrien sowie der Wechsel von dicht und locker, von voll und leer sorgen für Spannung.

Lässt sich aus den vier Bildern eine lockere Gruppe arrangieren – oder sticht eines heraus und würde die anderen gar erdrücken? Ein grosser Einzelkopf etwa die feinteiligen Landschaften oder eine knallfarbige Abstraktion die subtilen Zeichnungen. Bei Wolken aus kleinen Bildern darf der Mix deutlich wilder sein als bei grösseren Formaten.

Das Lieblingsbild verdient einen Platz als Solist. Über dem Sofa etwa? Probieren Sie aber aus, ob es eingemittet sein muss. Grosse Werke kann man auch einfach auf den Boden stellen. Mut zu Dichte hat einen Namen: Petersburger Hängung. Nicht nur im russischen Museum war es einst üblich, die Wände vom Boden bis zur Decke zu füllen. Das wirkt.

Petersburger Hängung Wände von unten bis oben vollzuhängen war einst nicht nur im Museum Eremitage in St. Petersburg üblich. Eng oder locker? Egal. Hauptsache spannend, mit unterschiedlichen Abständen.
5 Bilder
Der Block  Vier oder auch zehn gleich grosse und technisch analoge Bilder wirken als Block besonders gut. So vereint erhalten die Kleinformate Gewicht, aber bleiben dank schmalen Abständen doch selbstständig.
Auf Linie Eine Serie von Zeichnungen oder Originalgrafiken präsentiert sich am besten als klare Zeile. Will man verschieden grosse Bilder auf Linie bringen, kann man sie an der Unterkante oder der Mittellinie ausrichten.
Einzelwerk Das Lieblingsbild - oder ein grosser Augenfänger - verdienen einen Platz als Solist. Es muss nicht mittig über dem Sofa sein! Die beste Höhe? Generell gilt: Bildmitte knapp unter Augenhöhe.
Am Boden Sie sind unsicher, was wo hängen soll, oder Sie dürfen die antike Seidentapete nicht durchlöchern? Stellen Sie die Bilder doch auf ein Sideboard oder auf den Boden. Besonders gut sieht das bei Grossformaten aus.

Petersburger Hängung
Wände von unten bis oben vollzuhängen war einst nicht nur im Museum Eremitage in St. Petersburg üblich. Eng oder locker? Egal. Hauptsache spannend, mit unterschiedlichen Abständen.

Bilder: P. Pagel, Medri, Davies, AD Magazin, zvg

Die Abstände sollten mal etwas grösser, mal etwas kleiner sein. Man muss sich entscheiden: Richtet man die Unterkanten auf horizontalen Linien aus – oder verteilt man sie spielerisch in der Breite wie in der Höhe? Das heisst als logische Folge, dass man die Nachbarn nicht mittig nach oben oder auf die Seite rückt, sondern in unregelmässigen Abständen. Das testet man am besten mit einer Auslegeordnung am Boden. Das grösste Bild muss übrigens nicht in der Mitte sein.

Zyklen von gleich grossen Fotografien oder Grafiken sehen als klare Linie gut aus, bei unterschiedlichen Grössen kann man sie statt nach der Unterkante nach ihrer Mittellinie aufreihen. Eine ungerade Anzahl wirkt ausgeglichener. Bei vier oder sechs verwandten Bildern hat sich die zweistöckige Blockform bewährt.

Tricks und Werkzeuge fürs Nageln und Schrauben

Schwere Werke brauchen Dübel und Schraube, bei leichteren reichen Nägel. Zwei! Sparen Sie einen, wird Ihr Bild Sie mit Schaukeln und Schräglage ärgern. Schaukeln werden Ihre Werke übrigens auch, wenn Sie Bilderschienen und Schnüre verwenden – Kunst gehört nicht an die Wäscheleine.

Viele Rahmen und Leinwände lassen sich einfach über zwei Nägel stülpen. Das bedingt, dass man mit Messband, Wasserwaage und Hammer sehr präzis hantieren muss. Oder man montiert abgeschrägte Metallecken (und unten Distanzhalter), sie ermöglichen nicht nur Korrekturen von Schräglagen, sondern verhindern auch das Herausrutschen.

Für Leichtgewichte und heikle Wände ist der Mauerpic besser als jeder Hammer. Punktgenau und ohne bröckelnden Putz lassen sich damit Stahlstifte einschlagen.

In Museen sieht man die Technikequipe nie ohne weisse Handschuhe. Für ungerahmte Hochglanzfotos, für Kreide- oder Kohlezeichnungen sind sie unabdingbar – es sei denn, Sie wollen Ihren Fingerabdruck für Jahrzehnte hinterlassen.

Weitere Artikel unserer Lifestyleredaktion finden Sie hier: