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Reformation: Es eskalierte nach der Fasnacht

Als das Volk von Basel die Geduld mit der Obrigkeit endgültig verloren hatte, folgte ein beispielloser Zerstörungsakt. Der tumultartige Bildersturm in der Rheinstadt jährt sich am heutigen Tage zum 490. Mal.
Andreas Faessler
Im Basler Münster. Am 8. Februar 1519 stürmten die aufgebrachten Gesinnungsgenossen gewaltsam die Hauptkirche der Rheinstadt und zerstörten sämtliche «Götzenbilder». (Bild: Andreas Faessler)

Im Basler Münster. Am 8. Februar 1519 stürmten die aufgebrachten Gesinnungsgenossen gewaltsam die Hauptkirche der Rheinstadt und zerstörten sämtliche «Götzenbilder». (Bild: Andreas Faessler)

Mit Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 begann das langwierige Ringen um die Neuordnung der Kirche. Diese höchst symbolträchtige Aktion Luthers in Wittenberg war denn auch ausschlaggebend für das Gedenkjahr 2017 zu 500 Jahren Reformation. Der weitere Verlauf der Umwälzungen lässt sich nur punktuell an fixen Daten festmachen, vielerorts waren es zeitlich ausgedehnte und komplexe Entwicklungen, die schliesslich zur Reformation – oder eben nicht – führten. Einer dieser zeitlichen Fixpunkte für den Reformationsprozess diesseits des Rheins war der Bildersturm zu Basel am 8. Februar 1529 – auf den Tag ­genau heute vor 490 Jahren. Dieses heftige Ereignis stand jedoch keineswegs am Beginn der Basler Reformation: Deren Anfänge sind noch im Jahr von Luthers Thesenanschlag zu verorten, als Basel schnell zu einem Zentrum für den Druck reformatorischer Schriften geworden war.

Rat sucht den Mittelweg

Dass die Reformation in Basel aber vorerst nicht ins Rollen kam, war weitgehend den Humanisten zu verdanken, die in der Rheinstadt ein ideales Umfeld fanden. Ihnen war ein überstürzter Bruch mit der bisherigen Kirchenordnung zu heikel, nicht zuletzt, weil Basel seit 1501 zur Eidgenossenschaft gehörte und so mit dem ­katholischen Hause Habsburg per Vertrag verbündet war. Für die Humanisten war die vorerst friedliche Stimmung in Basel zu kostbar, um sie aufs Spiel zu setzen. Doch allmählich wurde der Ruf nach der Kirchenspaltung in Basel lauter, immer mehr Kleriker sprachen sich offen für die Reformation aus. Der Basler Rat suchte jedoch weiterhin, zu vermitteln und reformatorischen Aufruhr klein zu halten, dies unter anderem auf Empfehlung des katholischen Gelehrten Erasmus von Rotterdam. Im Jahre 1523 gewährte der Rat dem seit 1522 in der Stadt lebenden Theologieprofessor Johannes Oekolampad, öffentliche Lesungen zu halten. Die Reformationswilligen erhielten somit einen mächtigen Fürsprecher. Dennoch wirkte der Basler Rat weiterhin erfolgreich beschwichtigend.

Der Druck wächst

Ein grosser Rückschlag für die Reformationsbewegung in Basel erfolgte an der so genannten Badener Disputation im Frühsommer 1526, als sich Anhänger der Reformation mit einflussreichen Vertreten der katholischen Kirchen zu einem Streitgespräch trafen. Johannes Oekolampad trat gegen den Luther-Gegner Johannes Eck an – und unterlag in seiner Argumentation. Der Basler Rat versuchte weiterhin den Mittelweg und gewährte beiden Seiten freie Ausübung ihrer Gottesdienste. Das reichte aber nicht: Nun standen neben dem reformwilligen Volk auch die einflussreichen Basler Zünfte für den endgültigen Umbruch ein.

Am frühen Morgen des 8. Februar – es war der Montag nach der Herrenfasnacht – fanden sich rund 800 Basler Bürger in der Barfüsserkirche ein. Sie verlangten vom Rat, dass in Basel nur noch reformierte Predigten gehalten und Angehörige der katholischen Kirche umgehend aus dem Rat entfernt werden. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, rüsteten sich die Bürger mit Waffen. Kurz nach Mittag gab der Basler Rat klein bei. Es ist überliefert, dass mittlerweile eine Handvoll Leute bereits ins Münster eingedrungen war und ein Altarbild zerstört hatte. Nachdem sie die Basler Hauptkirche wieder verlassen hatten, verriegelten die Geistlichen die Portale.

Zerstörungsfeldzug durch Grossbasel

Wenig später aber fand sich eine Truppe von rund 200 reformierten Gesinnungsbrüdern auf dem Münsterplatz ein und polterte gegen die verschlossenen Tore. Schliesslich brachen sie zornig die Türen auf, stürzten in die Kirche und schlugen in Rage alles kurz und klein, insbesondere die Ausstattungsgegenstände aus Holz und solche, die nach ihrer Ansicht als «Kultgegenstände» galten. Interventionen durch Gesandte vom Rat blieben erfolglos. Als die Menge das Innere des Basler Münsters in ein Trümmerfeld verwandelt hatte, zog sie in die übrigen katholischen Kirchen Grossbasels, um dort ihr zerstörerisches Werk fortzusetzen. Kleinbasel hingegen blieb von den brachialen Aktionen verschont. Die mehrheitlich altgläubige Bevölkerung schützte sich vor den Angreifern, indem sie die Rheinbrücke für das Fussvolk unpassierbar machte. Doch war seit dem Überfall auf das Münster nicht einmal eine Woche vergangen, bis sich Kleinbasel dem politischen Druck von ennet dem Rhein beugen und seine Kirchen von Bildwerk und Zierrat befreien musste. Dies freilich mit mehr Umsicht.

In Zürich lief es «gesitteter» ab

Der Verlauf der «Säuberungsaktionen» in Basel unterschied sich stark zu demjenigen in Zürich wenige Jahre zuvor. Dort war – angeführt von Huldrych Zwingli – über die Entfernung von Bildwerken disputiert worden. Kirchengemeinden konnten anfangs abstimmen, Stiftungen wurden zurückgegeben. Einem Mandat vom Juni 1524 zur Entfernung ­aller Bildwerke wurde Folge geleistet. Weitgehend diskret und mehrheitlich behutsam wurden die Zürcher Kirchen geräumt. Der Basler Bildersturm hingegen verlief insgesamt tumultartig. Zu lange hatte der Rat ­seine Entscheidung für den ­Umbruch hinausgezögert, die re­form­willige Mehrheit und die Zünfte vertröstet und hingehalten, so dass sich der aufgestaute Zorn in den beschriebenen Ereignissen schliesslich gewaltsam entlud. Heute vor 490 Jahren.

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