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Ekel-Essen im Schlachthaus

Wein mit eingelegten Mäusen oder lebende Maden im Käse. Dazu fermentierten Hai und Stierpenis? «En Guete», sagt eine neue Ausstellung in Schweden, die die 80 ekligsten Speisen der Welt zeigt.
Niels Anner, Kopenhagen
Ein Beispiel von ekligem Essen: Ein gekochter Flughund. (Bild: Bilder: Johan Nilsson/AP und Anja Barte Telin)

Ein Beispiel von ekligem Essen: Ein gekochter Flughund. (Bild: Bilder: Johan Nilsson/AP und Anja Barte Telin)

Es ist bestimmt kein Ort für Zartbesaitete. Und ein robuster Magen ist beim Besuch dieses Museums auch ein entscheidender Vorteil. Denn wer hat schon Lust auf eine «urindurchtränkte Matratze», vor allem wenn man von Lebensmitteln spricht? So beschreibt Samuel West den fauligen Geschmack von «Hákarl», fermentierter Hai, einer Spezialität aus Island.

Der Kurator der Ausstellung «Disgusting Food» (Ekliges Essen) in der südschwedischen Stadt Malmö hat aber noch ganz andere exotische Leckerbissen anzubieten: Zum Apéro natürlich knusprige Riesengrillen, danach pikante Kaninchenköpfe (die mit den Zähnen serviert werden), die stinkende Durianfrucht aus Thailand oder rohen Stierpenis. Apropos: Auch das beste Stück vom Seehund, Hirsch oder Hund soll lecker – oder zumindest essbar sein. Letzterer wird eingelegt in chinesischem Reiswein gereicht, was möglicherweise den Genuss steigert.

Eine mongolische Bloody Mary mit dem gebeizten Augapfel einer Ziege.
Ein amerikanischer Gelatine-Salat. Dieses Gericht war in den 1960er-Jahren besonders in den USA beliebt.
Meerschweinchen auf peruanische Art.
Der «Jell-O-Salad» war besonders unter den Mormonen im US-Bundesstaat Utah beliebt.
Ein gekochter Flughund.
Haggis ist eine Spezialität aus der schottischen Küche. Sie besteht aus Schafsmagen, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett des Tieres, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird.
Die Ausstellung umfasst auch eine Sammlung stark riechender Käsesorten.
Besucher des Museums könnten einzelne Spezialität probieren.
Scharfe Hasenköpfe.
Blick in das alte Schlachhaus von Malmö, in dem sich das «Disgusting Food Museum» befindet.
Mäusewein. Diese Spezialität aus China wird so hergestellt: Mäuse in eine Flasche, Reiswein drauf, gären lassen.
Manchen Besuchern des «Disgusting Food Museum» steht der Ekel ins Gesicht geschrieben.
Fermentiert: Tausendjährige Eier sind eine Delikatesse der chinesischen Küche. Zur Herstellung werden rohe Enteneier für etwa drei Monate in einem Brei aus Gewürzen, Teeblättern, Piniennadeln, Salz, Wasser, Kalk, Holzasche sowie Sägespänen eingelegt.
Frittierte Vogelspinne, eine Spezialität aus Kambodscha.
14 Bilder

Ekel-Essen im Schlachthaus

Von lecker und gesund bis widerwärtig

In der Ausstellung konkurrieren insgesamt 80 Nahrungsmittel aus aller Welt um die Gunst des Publikums – und darum, die ekligste der Welt zu sein. Wobei gezeigt wird, dass gewisse Speisen in einigen Ecken der Erde als ganz normal, lecker, praktisch und gesund angesehen werden; für die restliche Weltbevölkerung sind sie aber völlig widerwärtig. Oder zumindest stark gewöhnungsbedürftig.

Die Spezialitäten, noch bis Ende Januar passenderweise im alten Schlachthaus im Zentrum Malmös zu sehen, sind appetitlich präsentiert, schön ausgeleuchtet und beschrieben. Zum Beispiel auch der überreife sardinische Schafskäse Casu Marzu, der mit lebenden Maden verkauft wird. Vielleicht zum Dessert gefällig? Ebenfalls nicht fehlen dürfen auf der Speisekarte der Ausstellung Flughundsuppe, Salzlakritz oder vergorene Stutenmilch, das Nationalgetränk der Mongolei. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei.

Probieren können die Besucher- innen und Besucher die meisten Spezialitäten nicht (ausser man bucht einen Gruppenevent), aber wer will, kann daran riechen. Wobei einige hinter Glasvitrinen versorgt sind, damit ihr intensiver Geruch überhaupt auszuhalten ist.

«Eigentlich wollte ich es einfach machen, aber dann entschied ich, dass richtiges Essen viel lustiger ist als Plastikkopien», erklärte Kurator West schwedischen Medien. Nun werden einige Speisen jeden zweiten Tag durch ein frisches Exemplar ersetzt, was den Betrieb der Ausstellung deutlich verteuerte.

Zum Nachdenken anregen

Thematisiert werden auch die Produktion des Essens und der Bezug zu lebenden Tieren. Neben dem peruanischen Cuy, gegrilltes Meerschweinchen, stehen zwei der niedlichen Nager – ausgestopft. Er wolle zum Nachdenken anregen, auch über die Herstellung, Haltbarkeit und Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, sagt Samuel West. «Und vielleicht die Ansichten verändern, was nun eklig ist oder nicht. Stierhoden oder Schweinehintern, also Schinken?» Er interessiert sich aber auch für Ekelempfinden, denn schliesslich hindere dieses den Menschen grundsätzlich daran, schlechte, vergammelte Speisen zu essen. Es sei denn, es handelt sich eben gerade um eine lokale Spezialität.

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