Kolumne

Ewige Schulden

Viele meinten, ein Staat könne nicht Pleite gehen, schreibt unser Sonntagskolumnist und Rechtsanwalt Valentin Landmann. Die Geschichte zeige jedoch etwas anderes.  

Valentin Landmann
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Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Valentin Landmann, Rechtsanwalt.

Es gibt viele Leute, welche die abwegige Meinung haben, Schulden seien zurückzubezahlen. Wieso abwegig? Natürlich ist es im privaten Verkehr und im Geschäftsleben so, dass Schulden eine Verpflichtung darstellen, die möglichst zu einer Rückzahlung führen soll und zu einer sinnvollen Verzinsung.

Aber es gibt Schulden, bei denen wir eigentlich alle wissen, dass sie niemals zurückbezahlt werden. ­

Das sind die Schulden der Staaten. Praktisch noch nie hat ein Staat seine Schulden zurückbezahlt. Wenn schon, dann nimmt ein Staat eine Schuldumwälzung vor, das heisst zum Beispiel, dass er alte Staatsanleihen gegen neue ersetzt beziehungsweise alte Papiere tatsächlich zurückkauft und gleich­zeitig neue in noch höherem Umfang ausgibt. Unter dem Strich ist das keine Rückzahlung, sondern eine weitere Aufstockung der Schulden.

Wie steht es mit der Sicherheit der Staatspapiere?

Wir vertrauen auf Forderungen gegenüber dem Staat, verkörpert in Staatspapieren. Wir betrachten solche Papiere sogar als mündelsicher, genau wie bei uns etwa die Swissair-Aktien als mündelsicher betrachtet wurden. Wenn aber staatliche Schulden praktisch immer nur steigen und nie wirklich zurückbezahlt werden, wie steht es denn dann mit der Sicherheit solcher Staatspapiere? Da gibt es viele, die meinen, ein Staat könne nicht pleitegehen. So etwas komme doch niemals vor! Gerade aber die europäische Geschichte zeigt, dass praktisch jeder grosse Machtblock – vom österreichischen Kaiserreich zum deutschen Kaiserreich, zum französischen Reich usw. – in Pleiten gelandet ist. Staatspapiere und Staatsschulden stellen so lange einen Wert dar, als der Markt diesen Wert annimmt.

Die Staaten sind es, die den Bürger am meisten vor Blasen im wirtschaftlichen Bereich warnen.

Die grösste Blase aber stellen sie selber mit ihren immensen, nie mehr zurückzahlbaren Schulden dar.

Eine sogenannte Währungsreform

Statt einer formellen Staatspleite kann in einem Staat auch die totale Inflation um sich greifen, die dazu führt, dass sämtliche Schulden des Staates praktisch entwertet sind, insbesondere auch die Schulden, die der Staat bei ­seinen Bürgern hat.

Die Möglichkeiten der Staaten sind vielfältig. Langsame Inflation kann zu einer galoppierenden Inflation werden. Wer über Inflationen in Europa nachliest, wird mühelos die verheerenden Beispiele mit Millionen Reichsmark auf einer kleinen Banknote antreffen, Kronen etc. Oft folgt dann eine «Währungsreform», bei der man beispielsweise für tausend Einheiten der alten Währung eine oder zehn Einheiten der neuen Währung erhält. Doch auch mit der neuen Währung beginnt zwangsläufig die Inflation und dann die Schmälerung der Schulden.

Man vergleiche beispielsweise die Kaufkraft des Franken vor 40 Jahren mit der heutigen Kaufkraft oder diejenige des Dollar vor 40 Jahren und heute.

Am Schluss ist der Bürger der Dumme, der sein Vermögen, seine Sparbatzen, seine Altersversorgung auf Währungen aufgebaut hat, die der Staat laufend durch Schulden entwertet.

Hoffen wir, dass alle diese Blasen Europas, die Blase der USA, die Blase Japans und die Blase Chinas lange, lange, lange ungeplatzt bleiben.