Eine Exegese des Glaubensbekenntnisses

In seinem neuen Buch «Ja und Amen – Was Christen glauben» geht der Theologe Josef Imbach dem Credo auf den Grund. Er bietet Hilfestellung zu einer zeitgemässen Neuinterpretation des fest in der Liturgie verankerten Gebets.

Andreas Faessler
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Mit dem Credo bekennen sich Katholiken zu ihrem Glauben.

Mit dem Credo bekennen sich Katholiken zu ihrem Glauben.

Symbolbild: Werner Schelbert

Wer das Apostolische Glaubensbekenntnis – das Credo – spricht, der bezeugt zusammenfassend seinen Glauben. Seit Jahrhunderten wird es gesprochen, weitgehend unverändert, es ist fester Bestandteil der Liturgie. Wie das Vaterunser sitzt das Glaubensbekenntnis sattelfest, wie selbstverständlich kommt es über die Lippen der Gläubigen. Aber ist es nicht vielleicht zu einer rein formellen Sache verkommen? Was bezeugte ich mit dem Credo wirklich? Verstehe ich, zu was genau ich mich bekenne? Was sagen die einzelnen Phrasen überhaupt aus, worin gründen sie?

Der Schweizer Theologe und Buchautor Josef Imbach (*1945) geht in seinem neuen Werk dem Apostolischen Glaubensbekenntnis auf den Grund. Er wagt eine umfassende Auslegeordnung sämtlicher Bestandteile, hinterleuchtet deren Aussage und Bedeutung, animiert zur kritischen inhaltlichen Auseinandersetzung. Dazu bietet «Ja und Amen» fundierte Hilfestellung.

Die Fragen nach dem Was und dem Warum

Die Absicht des Autors ist es, das Credo auf gut verständliche Weise zugänglich zu machen – und zwar allen Menschen, ob gläubig oder glaubensfern. So geht Imbach denn auch nicht nur von der zentralen Frage «Was glaube ich?» aus, sondern verknüpft seine Erörterungen auch mit den Fragen «Warum glaube ich?» oder «Warum glaube ich nicht (mehr)?». Dabei beschäftigt er sich als Basis erst mal ausführlich mit der Bedeutung des Wortes «glauben». Davon aufbauend leitet Imbach Phrase für Phrase durch das gesamte Credo, bis das «Amen» fällt.

Der Autor versucht, die Glaubensinhalte von über Jahrhunderte weg festgefahrenen Kontexten – politischen, theologischen – loszulösen, um eine neue, zeitgemässe Interpretation zu ermöglichen. Im Zuge dessen räumt Imbach mehrere Missverständnisse aus der Welt, die sich im Verlaufe der Kirchengeschichte gebildet haben und bis heute hartnäckig halten, darunter die viel diskutierte Jungfrauengeburt. Auch führt er mit einer gut verständlichen Sprache an Geheimnisse des Glaubens heran, die sich selbst bibelfesten Menschen zuweilen entziehen, weil sie einer eingehenden Auseinandersetzung bedürfen, um fassbar zu werden.

«Ja und Amen» von Josef Imbach gibt Gläubigen Anreize, den eigenen Glauben zu analysieren und gar neu zu entdecken. Und Glaubensferne finden vielleicht zu einem besseren Verständnis der christlichen Glaubensaussagen, was wiederum dazu beitragen kann, Vorurteile wie auch Berührungsängste abzubauen.

Josef Imbach, Ja und Amen – Was Christen glauben, erschienen beim Echter Verlag GmbH in Würzburg, 288 Seiten, Preis ca. 25 Franken.