Exotische Skigebiete: Palmen und viel Schnee

In den Alpen liegt zurzeit nur wenig Schnee, darum sei ein Blick in andere Skigebiete erlaubt: von Andorra über Anatolien bis zum Libanon.

Christoph Schrahe
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Südliches Flair ist beim Skifahren in der Sierra Nevada inbegriffen. (Bild: pd)

Südliches Flair ist beim Skifahren in der Sierra Nevada inbegriffen. (Bild: pd)

Besten Pulverschnee, Mega-Skigebiete mit endlos langen Abfahrten, traumhafte Landschaften und kulinarische Genüsse – all das findet man auch abseits skitouristischer Trampelpfade. Als Extras können ausseralpine Areale häufig mit einem Plus an Sonne, einer Prise Abenteuer und einem Hauch Exotik aufwarten. Hier sind sechs Highlights für einen Skiurlaub der besonderen Art. Palandöken – das Aspen der Türkei.

Türkische Schneefreuden

Pulverschnee-Enthusiasten sollten den Osten Anatoliens ins Visier nehmen. Die Klimawerte von Palandöken bei Erzurum – niedrige Luftfeuchtigkeit, sieben Meter Schneehöhe und viel Sonne – entsprechen denen von Aspen in Colorado. Die Folge: Pulverschnee wie in den Rockies, aber ohne Jetlag. Diesen Winter findet in Erzurum die Winter-Universiade statt. Palandöken erhielt aus diesem Anlass ein paar neue Lifte, und gleich um die Ecke entstand in Konakli ein komplett neues Skigebiet. Dort wie da sind die Hänge baumfrei, die Abfahrten gut präpariert und nie überfüllt. Auf Könner warten selbst Tage nach dem letzten Schneefall unverspurte Tiefschneevarianten.

Klein und gigantisch: Andorra

Die Pyrenäen bieten die grössten Skigebiete Europas ausserhalb der Alpen. Das mit 67 Liften und 193 Pistenkilometern grösste Skigebiet befindet sich ausgerechnet im Zwergstaat Andorra: Grand Valira. Die längste Abfahrt misst 8,2 Kilometer, Star der hypermodernen Liftflotte ist die mit mehr als sechs Kilometer längste Funitel der Welt. Für Schneesicherheit sorgen insgesamt 1097 Schneekanonen. Angesichts der jährlich fast 3000 Sonnenstunden keine schlechte Idee. Scheint die Sonne mal nicht, locken zahllose Shoppingcenter, Elektronikläden und Parfümerien mit ihren zollfreien Einkaufsmöglichkeiten und Öffnungszeiten bis 21 Uhr auch samstags und sonntags.

Ätna – Skitanz auf dem Vulkan

Der Ätna auf Sizilien ist mit 3340 Metern Höhe der höchste aktive Vulkan Europas. Seit den Vierzigerjahren wird an den sanften Flanken des rastlosen Riesen Ski gefahren – mit eruptionsbedingten Unterbrechungen. Seit 2004 läuft der Skibetrieb auf der Südseite oberhalb von Nicolosi aber ohne Störungen durch Asche oder Lava. Mit den von Stardesigner Pininfarina entworfenen Sechserkabinen der wieder aufgebauten Gondelbahn schweben Skifans bis auf 2500 Meter Höhe, ein anschliessender Schlepplift führt noch etwas höher hinauf. Die Kulisse ist atemberaubend: azurblaues Meer, saftig grüne Orangenhaine und als Krönung das rauchende Haupt des Ätna.

Parnassos: Griechische Skiarena

Auch in Griechenlands Skiarena Nummer eins, dem Parnassos, fährt man in einer Landschaft voller antiker Zeugnisse (zum Orakel von Delphi ist es nur gut eine halbe Stunde) und mit wunderbaren Ausblicken Ski. Der Blick reicht bis zum Golf von Korinth und nach Euböa. Das Pistenrestaurant serviert Pastitio, Rotwein und Ouzo, die Saison dauert von Dezember bis Anfang Mai. Die meisten Abfahrten sind leicht, das weitläufige, weitgehend baumfreie Gelände hält aber auch einige knackige Routen für Freerider bereit. Die Liftflotte ist zwar etwas in die Jahre gekommen, doch für Modernisierungen fehlt das Geld – Parnassos gehört dem griechischen Staat.

Sierra Nevada – Afrika ist nah

Zwar ächzt auch Spanien unter den Folgen der Wirtschaftskrise, aber in der andalusischen Sierra Nevada, dem Austragungsort der alpinen Skiweltmeisterschaften 1996, hat man alle Modernisierungsmassnahmen rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht. So präsentiert sich das südlichste und mit seiner Lage oberhalb der faszinierenden Maurenstadt Granada vielleicht exotischste Skigebiet Europas (Afrika ist in Sichtweite) gleichzeitig als eines der modernsten. Schnee aus 390 Kanonen, ein runderneuertes Skidorf – die Autos verschwinden in der grössten Parkgarage Spaniens – und 100 Pistenkilometer lassen fast vergessen, dass man sich hier südlicher als in Tunis befindet.

Skiparty im Libanongebirge

Während man vom andalusischen Schnee rund zwei Stunden bis ans Meer unterwegs ist, benötigt man dafür vom Mzaar Resort nur 45 Minuten. Noch dazu hat das Wasser in diesem Teil des Mittelmeers auch im Februar badetaugliche 20 Grad. Das Mzaar Resort liegt oberhalb von Beirut im Libanongebirge, und wer es nicht selbst gesehen hat, wird kaum glauben, was für fantastische Skihänge und wie viel Schnee die Schweiz des Nahen Ostens zu bieten hat. An Wochenenden bevölkern bis zu fünftausend Skifans die Hänge. Viele davon kommen aus den Golfstaaten, mischen sich abends unter das Partyvolk und geniessen die Liberalität und die grossartige Küche des Libanon in vollen Zügen.

 

Skiorte ausserhalb der Alpen

Palandöken (Türkei)
2186–3152 Meter Höhe, acht Lifte, 28 Pistenkilometer, Anreise: Flug via Ankara oder Istanbul nach Erzurum, per Taxi ins 8 Kilometer entfernte Skigebiet, Auskunft: www.palandokenskicenter.com.

Grand Valira (Andorra)
1710–2640 Meter Höhe, 67 Lifte, 193 Pistenkilometer, Anreise: Flug nach Barcelona, per Shuttlebus in zwei Stunden ins Skigebiet, Auskunft: www.grandvalira.com und www.skiandorra.ad.

Ätna (Sizilien)
1910–2608 Meter Höhe, fünf Lifte, 12 Pistenkilometer, Anreise: Flug nach Catania, per Mietwagen ins Skigebiet (48 km), Bus von Catania, Auskunft www.funiviaetna.com.

Parnassos (Griechenland)
1590–2260 Meter Höhe, 13 Lifte, 35 Pistenkilometer, Anreise: Flug nach Athen, per Mietwagen ins Skigebiet (207 km), Auskunft: www.parnassos-ski.gr.

Sierra Nevada (Spanien)
2100–3305 Meter Höhe, 17 Lifte, 100 Pistenkilometer, Anreise: Flug nach Malaga, per Mietwagen ins Skigebiet (176 km), Auskunft: www.sierranevada.es.

Mzaar Resort (Libanon)
1867–2460 Meter Höhe, 19 Lifte, 45 Pistenkilometer, Anreise: Flug nach Beirut, per Mietwagen oder Taxi ins Skigebiet (51 km), Auskunft: www.skimzaar.com.