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Fake News im Kindergarten

Kinder leben in einer eigenen Welt. Nicht immer sind ihre Erzählungen für bare Münze zu nehmen.
Roger Berhalter

Wer lügend durchs Leben geht, kann es weit bringen, wie der amerikanische Präsident beweist. Ob mein Sohn deshalb ständig flunkert? Wohl kaum, denn ein Vierjähriger ist zum Lügen noch gar nicht in der Lage. Sein Hirn unterscheidet einfach noch nicht zwischen Fantasie und Fakten und hält beides für real. Anders formuliert: Mein Sohn ist eine Fake-News-Schleuder. Neulich erzählte er von einem Gspänli, das krank sei und zu Hause bleiben müsse. Tags darauf traf ich die Mutter und fragte, wie es dem Kleinen gehe. Sie war erstaunt. Ihrem Sohn gehe es gut, er sei nie krank gewesen.

Kinder bauen sich eigene Weltsichten. Bild: Getty

Kinder bauen sich eigene Weltsichten. Bild: Getty

Seither begegne ich den Geschichten aus dem Kindergarten mit Skepsis. Hat mein Sohn tatsächlich mit Drachen gekämpft, wie er behauptet? Haben ihn wirklich Ninjas zum Znüni besucht? Neulich erzählte er der Kindergärtnerin freudig, dass seine Mama wieder schwanger sei. Meine Frau erwartet keinen Nachwuchs und war deshalb irritiert, als die Kindergärtnerin ihr gratulierte.

Wenn man sich nicht mehr auf eine Faktenlage einigen kann, dann ist die Demokratie in Gefahr. Glaubt jeder an seine eigene Realität, killt das jede Debatte. Eine Familie aber funktioniert anders. Eltern müssen mit alternativen Fakten und parallelen Universen leben. Immerhin töten Drachen und Ninjas nicht die Diskussion, sondern wirken sehr belebend.

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