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Oman: Ferien der offenen Tür

Dieser Tage in die arabische Welt reisen? Ja, zumindest, wenn es in den Oman geht. Dort leben Ibaditen, die mit dem Glaubenskrieg zwischen Sunniten und Schiiten nichts zu tun haben. Die Omani sind besonders höflich und freundlich gegenüber Touristen – auf Geheiss von Sultan Qabus , der das Land seit fast 50 Jahren regiert.
Text und Bilder: Jochen Müssig
Das Hajar-Gebirge gilt als Wunderland der Geologie. Hier lässt sich ein Querschnitt durch alle Gesteinsschichten leicht erkunden. Atemberaubend ist die Aussicht vom Mountain-Resort Anantara Al Jabal Al Akhdar auf 2000 Metern über Meer.
Ganz selbstverständlich und in stoischer Ruhe überqueren Kamele Omans Strassen.
In der weissen gebügelten Dishdasha empfängt der Händler seine Kunden auf dem Souk.
Weihrauchbaum im Süden des Landes.
4 Bilder

Ferien der offenen Tür

Plötzlich geht das Tor auf. Das Touristenpärchen schaut verdutzt und entschuldigt sich schnell für seine Neugierde. Hatten die beiden doch durch einen kleinen Spalt in einen der Innenhöfe der Al-Barid-Strasse in der Altstadt von Maskat gespäht. Der Mann in seiner schneeweissen und fein gebügelten Dishdasha, der die Türe von innen öffnete, ist ebenfalls überrascht, sagt dann aber: «Kommen Sie doch bitte herein. Ich zeige Ihnen gerne unsere Majlis.» Damit ist das meist offene Wohnzimmer, oder besser der Versammlungsraum, gemeint, in dem Ernstes besprochen oder zu Heiterem gelacht wird. Die Frauen treffen sich zum Tratsch, die Männer zum Wasserpfeiferauchen. Und dem Pärchen wird dort gleich ein frischer Tee offeriert.

Der Sultan – Qabus ibn Said Al Said – hat beschlossen, dass seine Untertanen grösstmögliche Höflichkeit gegenüber Touristen an den Tag zu legen haben. Also gilt das. Der Taxifahrer antwortet, nachdem man nach dem Fahrpreis zur Grossen Moschee gefragt hat: «Zehn Rial sind genug. Wenn Sie denken, das es zu viel ist, bezahlen Sie weniger.» Im Souk zeigt einem der Textilwarenhändler den Weg zu einem Konkurrenten, nachdem der Kunde nicht ganz schlüssig ist. Es gibt kein Bedrängen, man hat sogar den Eindruck: Selbst das hinterste, finsterste Eck des Basars ist der sicherste Platz der Welt.

Qabus ist der Schlüssel zum Oman. In Europa ausgebildet, erkannte der damals 24-jährige Rückkehrer bald, dass seine Heimat von seinem Vater im tiefsten Mittelalter gehalten wurde. Sechs Jahre später putschte er gegen den Papa und wurde 1970 der neue Sultan des Landes. In der Folge öffnete sich der Oman zwar nur langsam, aber dafür ­stetig. Mag sich die Welt ringsum, besonders im nahen Dubai, im Sauseschritt verändern, im Oman dauert alles ein bisschen länger. Das ist vielleicht der Grund, warum die Heimat von Sindbad, dem Seefahrer, auch im 21. Jahrhundert noch immer ein wenig nach 1001 Nacht klingt. Männer mit Krummdolch, tief verschleierte Frauen und Kamele, die ganz selbstverständlich die Strasse überqueren... Ja, das gibt es alles, doch auch in den Basaren zwischen Musandam im Norden und Salalah im Süden klingeln die iPhones und das Internet ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Nizwa, die älteste Stadt des Landes, mitten im Gebirge

Dieser Tage in die arabische Welt reisen? In den Oman kann man das ohne Bedenken tun. Denn im Oman leben zum grössten Teil Ibaditen. Sie erheben ­keinen ausschliesslichen Wahrheitsanspruch, gewähren Glaubensfreiheit, und Mässigung wie Toleranz sind zwei wichtige Säulen ihrer Islam-Auslegung. Deshalb lassen sie sich nicht vor den Karren der Saudis oder des Iran spannen und können es sich sogar leisten, ihre Grenze zum Bürgerkriegsland Jemen offen zu lassen. Der Oman hat zu keiner Nation ein feindschaftliches Verhältnis, nicht zu Saudi-Arabien, nicht zum Iran, nicht zu den USA, nicht einmal zu Israel oder dem Jemen.

In den Köpfen und Prospekten der Reiseveranstalter ist deshalb auch immer noch ganz romantisch von der Weihrauchstrasse die Rede.

Vom aromatisch duftendem Harz eines unscheinbaren Baumes im Süden des Oman. Und von den Händlern, die diesen Weihrauch aus Salalah und die Muskatnuss nach Maskat beförderten. Der Reichtum des 20. und 21. Jahrhunderts duftet zwar nicht, aber er sprudelt aus der Erde: Öl lautet das Zauberwort – noch immer. Es brachte Wohlstand, ein freies Schul-, Gesundheits- und Steuersystem, sehr gute Strassen, ebenso gute Arbeitsplätze. Armensiedlungen sind nicht zu finden, der grosse Protz aber auch nicht.

Doch wer nur Maskat gesehen hat, der kennt das Land nicht. Also hoch ­hinauf in das bis zu 3000 Meter hohe Hajar-Gebirge, dessen Berge wie Alpenkämme wirken, bei denen zehn Jahre der Regen ausblieb. Es gilt als ein Wunderland der Geologie, denn nirgends lässt sich ein Querschnitt durch alle Gesteinsschichten so leicht erkunden wie an ­dieser schroffen, steinernen Kulisse. Ein geradezu unglaublicher Platz, um dies hautnah zu erleben, ist das auf 2000 Metern Höhe gelegene Mountain-Resort Anantara Al Jabal Al Akhdar. Die Aussicht auf das Hajar mit seinen Canyons, Plateaus und bizarren Felsformationen ist schlicht atemberaubend. An manchen Stellen geht es tausend Meter senkrecht hinab, und auf der anderen Seite ist Terrassenwirtschaft zu sehen. Das Bewässerungssystem Falaj gehört seit 2006 zum Weltkulturerbe der Menschheit.

In Oasen gehören auch Datteln zum Bild. Und Dattelbäume prägen Nizwa, die ehemalige Hauptstadt und älteste Stadt des Landes mitten im Hajar-Gebirge. Ihr Fort mit dem mächtigen Rundturm ist unübersehbar. Mit einem Durchmesser von fast 45 und einer Höhe von knapp 30 Metern ist er der grösste Turm im Oman. Keine 30 Kilometer weiter, in Bahla, ist die Enttäuschung aber gross: Am Weltkulturerbe Hisn Tamah, eine mächtige omanische Lehmfestung, sind die Türen fest verschlossen. Nicht einmal durch einen Schlitz kann man einen Blick ins Innere werfen.

Nach der Al-Wahiba-Wüste der tropische Garten um Salalah

Ein Passant bemerkt die Ratlosigkeit der Gäste und ruft: «Freitags ist die Burg schon um elf Uhr geschlossen. Warten hat also keinen Sinn. Kommt mit in mein Haus. Wir trinken einen Tee zusammen.» Beim Gespräch stellt sich heraus, dass der Mann zwar keinen ebenso netten leiblichen Bruder in der Altstadt der heutigen Kapitale Maskat hat, aber «wir Omani sind dennoch alle Brüder …». ­Sultan Qabus wäre stolz auf beide.

Die letzten Hajar-Ausläufer reichen bis zur Hafenstadt Sur im Osten, dem früheren Zentrum für Sklavenhandel und der Heimat der Dhaus. Südlich des Hajar liegen noch einige Ortschaften, wie etwa Ibra, wo es einen Frauenmarkt gibt, ehe sich dann ewige menschenleere Wüstenlandschaften erstrecken.

Nur 100 Kilometer südlich von Sur erheben sich die mehr als 100 Meter hohen Dünen der Al-Wahiba-Wüste.

Und erst tief im Süden, wenn die Luft langsam schwüler und feuchter wird, trifft man wieder auf grössere Ansiedlungen. Dann ist die Dhofar-Region erreicht, wo der knorrige Weihrauchbaum gedeiht. Die Wüste weicht dem tropischen Garten mit Bananenstauden und Kokoshainen rund um Salalah, 1023 Kilometer von Maskat entfernt. Von Oktober bis Mai sonnen sich die Europäer an wunderbaren, endlos langen und vergleichsweise vereinsamten Stränden. Und von Juni bis September «kommen gerne die Omani von Norden, die Saudis, die Emirati, denn dann ist Regenzeit bei uns», sagt James Hewitson, Resort-Direktor des «Anantar Al Baleed» in Salalah. Sie geniessen nicht nur ein Bierchen – ausgeschenkt aus einer Teekanne –, sondern «sie stellen sich dann mit geöffneten Händen in den Regen und geniessen ganz einfach die Kühle auf der Haut».

Warme Winter und sehr heisse Sommer

Anreise: Zum Beispiel mit Oman Air ab Zürich (ab 600 Franken). Flugzeit sechs Stunden, Zeitdifferenz drei Stunden.
Einreise: Schweizer erhalten bei der ­Ankunft ein 1 Monat gültiges Visum gegen 20 Rial (ca. 50 Franken) Gebühr.
Geld: In Maskat stehen Geldautomaten zur Verfügung. In grossen Hotels zahlt man mit Kreditkarte.
Reisezeit: Im Norden ganzjährig mit warmen Wintern (um 20 bis 25 Grad) und sehr heissen Sommern (40 Grad und mehr). In den Bergen kann es aber auch sehr kalt werden. Im Süden ist Badesaison von Oktober bis Mai und Regenzeit von Juni bis September, immer mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad.
Unterkunftstipps: In Maskat: Park Inn, zweckmässiges Stadthotel. In den Bergen: Anantara Al Jabal Al Akhdar, Luxus-Mountain-Resort. Am Strand: Anantara Al Baleed Salalah.

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