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FERNOST: Laos: Alles im Fluss – «Lebensader» Mekong

Der Fluss ist an die 5000 Kilometer lang, an seinen Ufern wohnen über 100 Millionen Menschen. Und die meisten von ihnen leben buchstäblich von ihm. Der Mekong hat einiges zu bieten. Eine Flussfahrt vom Goldenen Dreieck nach Luang Prabang in Laos.
Blick vom Fluss auf Pak Beng, Zwischenstation der Fahrt von Huay Xai nach Luang Probang. Die Touristen werden hier von emsigen Anbietern von Übernachtungsstätten und Restaurantbesitzern erwartet. (Bild Oskar Keller)

Blick vom Fluss auf Pak Beng, Zwischenstation der Fahrt von Huay Xai nach Luang Probang. Die Touristen werden hier von emsigen Anbietern von Übernachtungsstätten und Restaurantbesitzern erwartet. (Bild Oskar Keller)

Text und Bilder Urs Oskar Keller

In der laotischen Grenzstadt Huay Xai am Mekong ist es im Februar beschaulich, ruhig und 30 Grad heiss. Die Stadt mit 16 000 Einwohnern und einem Flughafen mit regelmässigen Flügen in die Hauptstadt Vientiane und nach Luang Prabang war in den 1970er-Jahren ein wichtiger Standort für Opium. Der Drogenhandel im Goldenen Dreiländereck – Laos, Thailand, Burma – liegt lang zurück. Entstanden ist der Name, weil das Rauschgift früher mit purem Gold bezahlt wurde. Heute sind die Dollars der Touristen das Gold von gestern, aber Laos ist immer noch eines der ärmsten Länder Südostasiens.

Die meisten der Besucher reisen nach Huay Xai, um das bekannte «Gibbon Experience» zu machen. Bei dieser mehrtägigen Treckingtour mitten in der Natur übernachtet man in Baumhäusern und kann sich in geführten Gruppen auf die Spuren der kleinen Menschenaffen begeben, die in dem Dschungel leben.

Die Hauptstrasse am Fluss ist lang und staubig. Auf beiden Seiten reihen sich Geschäfte, Bretterbuden und Gästehäuser. Proviant für die rund 500 Kilometer lange Flussfahrt ist leicht zu finden. Auch in Whisky oder Reiswein eingelegte Schlangen, Skorpione und Reptilien werden in kleinen und grossen Flaschen angeboten. «Very good for you», meint der junge Ladenbesitzer Koukeo lächelnd. Selbst habe er den «Cocktail» nicht probiert. Touristen seien aber «ganz scharf» auf das aphrodisische Gesöff, und es gebe in Laos viele Sauf-, Party- und Backpacker-Touristen.

Schiffskarten für das «Slow boat»

In der Nähe des Spirituosengeschäftes befindet sich das «Bureau de Poste de la Province de Bokeo», wie es noch heute angeschrieben ist. Über der Stadt liegt die französische Festungsruine «Fort Carnot». Von dort wie auch vom Tempel Vat Chome Khaou Maniratn geniessen wir den Blick auf die Stadt und den Mekong. Aufgrund seiner Lage im Herzen des kontinentalen Südostasiens musste Laos, umgeben von starken Nachbarn, ständig um seine territoriale und politische Integrität fürchten. Der heutige Staat wurde 1893 als Protektorat Laos in die französische Kolonie Französisch-Indochina integriert. Erst während der Genfer Indochinakonferenz 1954 war Frankreich bereit, seine Truppen abzuziehen und Laos’ Unabhängigkeit anzuerkennen.

Uns hat die geschäftstüchtige Gästehaus-Besitzerin in Huay Xai am Abend noch Schiffskarten im «Slow boat» verkauft und die Plätze telefonisch reserviert. Die zwei Tage dauernde Flussfahrt kostet rund 29 Dollar. Die Schnellboote (6–7 Std., 46 Dollar) sollte man meiden, da diese schon in schwere Unfälle verwickelt waren.

Unser grün-weiss-braunes Holzboot liegt an der Anlegestelle mit anderen vertäuten Schiffen. Das fünfzig Jahre alte Boot hat einen flachen Boden und senkrechte Bordwände. Der Bug und das Heck sind, wie eine Banane, weit hochgezogen. Vorne, hinter der Steuerkabine, stapeln sich die Rucksäcke der Backpacker; nur ein kleiner Gang führt zu den gepolsterten Sitzen im hinteren Teil des Langschiffes. Bei den Sitzgelegenheiten handelt es sich vermutlich um eine ausrangierte Flugzeugbestuhlung.

Beschaulich stromabwärts

Mit ziemlicher Verspätung geht die Fahrt auf dem schlammbraunen Mekong endlich los. Wie in einer grossen Badewanne treiben wir auf dem Fluss. Unzählige schlanke Frachtkähne und Passagierschiffe, ebenso wie Motor- und Ruderboote, schippern neben uns über die breiten Wasserstrassen. Stundenlang geht es beschaulich stromabwärts. Erst ist die Landschaft ziemlich flach, grüne Auen links und rechts. Später teilt sich das Gelände immer mehr auf, Bergketten sind in einiger Entfernung sichtbar, kleine Dörfer, Fischer, Wasserbüffel, Ziegen. Vögel sind kaum auszumachen. «Die jagen und essen wir», bestätigt ein Schiffsjunge unsere Vermutung.

Der laotische Kapitän in blütenweisser Uniform mit messerscharfer Bügelfalte lenkt das lange Holzboot oft sehr nahe an den Felsen vorbei, die manchmal – wegen des niedrigen Wasserstandes – aus dem Fluss ragen. Der Mekong sei nicht leicht zu befahren, auch wegen des Treibholzes, erklärt Kapitän Pholsena. Passiert ein Unfall, ist er seinen Job für immer los. Deshalb dekoriert er nach alter Sitte den Bug mit Blumentöpfen und Reisklümpchen. Damit wollen er und seine Crew die bösen Flussgeister besänftigen. Über ein Echolot verfügt das Schiff ebenso wenig wie über (genügend) Schwimmwesten oder Rettungsringe. Vor dem Anlegen wird deshalb die Wassertiefe mit Bambusstangen ausgelotet, um nicht auf eine Sandbank aufzulaufen.

Sporadisch hält das Boot, lässt vor allem Einheimische ein- und aussteigen. Eine Laotin mit ihren zwei Kindern reist mit halbem Hausrat auf unserem Touristenboot mit. Der Mekong als «Lebensader» trifft zu – der Strom bestimmt fast alles: die Ernte, den Transport von Gütern, Tieren und das Fortkommen der Menschen, die teilweise auch auf ihren Booten leben. Je nach saisonaler Niederschlagsmenge steigt oder sinkt sein Pegel. Während der Trockenzeit pflanzen die Bauern Gemüse in den Flussauen an und holen ihre Ernte ein, bevor der Mekong sich sein Territorium zurückholt.

In Pak Beng, dem Ort auf halber Strecke, kommen wir erst in der Abenddämmerung an. Kaum hat das Schiff festgemacht, stürmen Kinder und junge Männer das Boot und preisen die Übernachtungsstätte lauthals an.

Grosse Staudämme in Bau

Gut, dass wir bereits auf dem Schiff unsere Übernachtung im Guesthouse wVilla Salika gebucht haben. Kaum in der abgetakelten Unterkunft angekommen, ein längerer Stromausfall und eine grosse Stille. Jeden Abend, wenn das Schiff eine Ladung Touristen mit Smartphones und Digitalkameras bringt, gibts einen mobilen Über- und Stromausfall. Wir wagen uns nach draussen, wo es ein bisschen wie am helvetischen Nationalfeiertag aussieht: Vor den wenigen Restaurants und Geschäften brennen Kerzen, Laternen und Petroleumlampen. Im Restaurant am Dorfende steht ein Kohleherd – das Abendessen ist gerettet. Es gibt Hühnersuppe mit Ingwer gekocht, dazu Reis mit Gemüse. «My wife – best cook in town», prahlt der junge Wirt. Gegessen wird mit Holzstäbchen und einem Löffel aus Metall bei Schummerlicht und laotischem Bier. Nach einigen Stunden ist der Spuk vorbei.

Am nächsten Morgen geht die Reise pünktlich weiter. Der Kapitän steuert langsam das Boot auf den Mekong hinaus. In dessen Wassern tummeln sich über 1200 Fischarten, bis heute werden jedes Jahr neue entdeckt. Zum Vergleich: Im gesamten Mittelmeer sind es gerade einmal 700 Arten. Leider ist die seit Jahrtausenden gewachsene Symbiose aus Mensch und Fluss bedroht. China und Laos bauen gewaltige Dämme, die die Kraft des Flusses für Elektrizitätserzeugung nutzbar und den Strom auch für grosse Dampfer schiffbar machen sollen.

«Pak Oh!», ruft der Kapitän, wo Einheimische aussteigen. Er legt unser Boot vor dem Felsvorsprung am westlichen Steilufer an. Die über Treppen begehbare Felskrypta ist ein Ort des Meditierens und der stillen Einkehr. Hinter einem kleinen Eingang soll sich in einer riesigen Kalksteinhöhle einer der wichtigsten Wallfahrtsorte für Buddhisten des Landes verbergen.

Tempelglanz in der Königsstadt

Zehn Kilometer von Luang Prabang entfernt, geht die Flussreise abrupt zu Ende. Obschon es zahlreiche Anlegestellen um die historische Stadt gibt, heisst es den Rucksack schultern und das steile Ufer hochsteigen, wo eine Armada von Tuk-Tuks auf uns wartet. Ist es eine Schikane oder ein praktisches Arbeitsbeschaffungsprogramm?

Die Hintergründe bleiben unklar. Die klapprigen, überladenen und überteuerten drei- und vierrädrigen Fahrzeuge sind die einzige Möglichkeit, rasch in die Stadt zu gelangen, die bis zur Abschaffung der Monarchie in Laos 1975 die Königsstadt war. Mit ihren goldglänzenden Tempelbauten, dem Königspalast und weiteren 600 denkmalgeschützten Häusern ist Luang Prabang einmalig: Magie am Mekong.

Auf dem Heimweg vorbei an den Marktständen in Luang. (Bild Oskar Keller)

Auf dem Heimweg vorbei an den Marktständen in Luang. (Bild Oskar Keller)

Früchteauswahl an den Marktständen in Huay Xai. (Bild Oskar Keller)

Früchteauswahl an den Marktständen in Huay Xai. (Bild Oskar Keller)

Der Abwasch vor der Tür: Haushalt in einer laotischen Kleinstadt. (Bild: Oskar Keller)

Der Abwasch vor der Tür: Haushalt in einer laotischen Kleinstadt. (Bild: Oskar Keller)

Gemüse und Früchte, geerntet in den Mekong-Auen. (Bild Oskar Keller)

Gemüse und Früchte, geerntet in den Mekong-Auen. (Bild Oskar Keller)

Mädchen bei der Arbeit in einer der vielen Strassenküchen. (Bild Oskar Keller)

Mädchen bei der Arbeit in einer der vielen Strassenküchen. (Bild Oskar Keller)

Mädchen bei der Arbeit in einer der vielen Strassenküchen. (Bild Oskar Keller)

Mädchen bei der Arbeit in einer der vielen Strassenküchen. (Bild Oskar Keller)

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