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Ferrari California T – ein Bubentraum

Viele meiner Kollegen hatten einen, manche sogar zwei, meistens knallrot, selten knallgelb. Ein Ferrari, idealerweise ein GTO, durfte einfach nicht fehlen in der Sammlung der liebsten Spielzeugautos.
Dezentes Silber bringt die geschwungenen Kurven noch besser zur Geltung. (Bild Jürg Weber)

Dezentes Silber bringt die geschwungenen Kurven noch besser zur Geltung. (Bild Jürg Weber)

Jürg Weber Ein Ferrari war ein Bubentraum und bleibt ein Bubentraum, denn den meisten dürfte der Preis zwischen Traum und Realität stehen. Immerhin setzt der Besitz eines ausgewachsenen Ferrari California T die Kleinigkeit von 220 000 Franken voraus, und das wohlverstanden in der Grundausstattung. Mit ein paar Zutaten, wie beispielsweise dem Getränkehalter aus Karbon für 2360 oder dem Handling-Special-Paket für 9130 Franken, klettert der Preis schnell auf rund 300 000.

Der Traum und die Bewunderung für Ferrari scheinen allerdings weit herum ungebrochen. So erlebt man beim He-rumkurven mit dem California T überwiegend freudige Zuneigung. Der Bauarbeiter auf der Strecke streckt beim Vorbeifahren lachend den Daumen in die Höhe und ruft laut Enzo, Enzo. Beim Parkieren werde ich freundlich mit «buon giorno, che macchina!» begrüsst, was ich wohl den italienischen Nummernschildern am Testfahrzeug zu verdanken habe. Und beim Zwischenstopp im Landgasthof fragt mich die Wirtin, ob ich der Besitzer dieses schönen Wagens sei. Nur leihweise, muss ich zugeben, leider.

«Fare bella figura»

Nun, von ganz ungefähr kommt diese Bewunderung nicht. Ferrari ist es immer gelungen, ganz spezielle Karosserien zu gestalten, die sich vom automobilen Einheitsbrei deutlich abheben. Und das trifft ganz besonders beim California T zu. Es ist nämlich, wie der Blick auf Konkurrenten zeigt, nicht ganz so einfach, ein Cabrio mit Blechdach zu designen, das sowohl geschlossen wie offen «bella figura» macht.

Dem California gelingt das. Er sieht geschlossen wie das perfekte Coupé und 20 Sekunden später wie das perfekte Cabrio aus. Schade, dass das Dach nur im Stehen und relativ langsam geöffnet werden kann. Geschlossen bietet das blecherne Cabriodach beste Schalldämmeigenschaften. Das schafft Alltagstauglichkeit, ebenso wie das respektable Kofferraumvolumen und die Durchreiche zum Insassenraum, welche sogar den Transport von sperrigen Gütern wie Golftasche oder Ski erlaubt. Der Testwagen kommt weder im gewohnten Rot noch im knalligen Gelb daher, vielmehr im dezenten Silber, was seine voluptuös geschwungenen Linien noch besser zur Geltung bringt. Die hochgezogenen Kotflügel haben zudem den Vorteil, dass der Fahrer, oder vielleicht sprechen wir besser vom Piloten, genau sieht, wo in den Kurven der Einlenkpunkt liegt. Das Ferrari-Rot ist bei diesem Fahrzeug den Ledersitzen vorbehalten, die den Fahrer willkommen heissen. Sie sind ausgesprochen bequem und erinnern mit den dezenten Seitenstützen nur scheu daran, dass die Sommerdiät schon längst fällig wäre.

Pilot an Kommandozentrale

Das Cockpit fasziniert als Gesamtkunstwerk und vor allem mit seinem gelben Tourenzähler, der unübersehbar in der Mitte thront. Die Geschwindigkeitsanzeige wirkt da eher etwas verschupft, aber was solls, in der Preisklasse kann man sich wahrscheinlich ein paar Bussen leisten. Das Allerbeste aber ist das Steuerrad – oder besser: die Kommandozentrale. Hier findet man praktisch alles, was das Fahrerherz begehrt. Startknopf, Stossdämpferverhärtung, der berühmte Schalter namens Manettino, wo der Sportlichkeitsgrad gewählt wird, Blinkertasten, damit kein Hebel im Weg der übergrossen Paddels steht, und ein kleiner Clou, der es dem feurigen Temperament der Italiener erlaubt, noch etwas schneller zu hupen. Die Hupe ist nicht wie üblich im Lenkradtopf versteckt, sondern im Steuerradkranz so integriert, dass die Daumen genau dort liegen. Einmal gefunden, macht Hupen so deutlich mehr Spass. Und natürlich darf das berühmte Cavallo nicht fehlen, sei es auf dem Lenkrad, beim Start auf dem Display, auf der Seite, auf der Front, aber schliesslich kann man sich daran ja auch fast nicht sattsehen.

Erhöhte Leistungswerte

Einzig der Schlüssel scheint mit seinem steifen Bart noch etwas antiquiert zu sein und muss nach wie vor ins Schlüsselloch gesteckt werden. Ich lass mich allerdings gerne belehren, dass dies auf der Rennstrecke ausgesprochen praktisch sein soll, weil man weiss, wo der Schlüssel ist und der Overall keine Taschen hat. Nun, im Alltag trage ich selten Rennoveralls, aber offenbar scheint ein etwas moderneres Schlüsselangebot bei den neuen Modellen in Planung zu sein.

Das Losfahren ist unüblich, aber nach kurzem Angewöhnen ausgesprochen praktisch. Ist der Automatenknopf gedrückt, reicht ein leichter Zug am Paddel und ab gehts. In 3,6 Sekunden solls der California auf 100 km/h richten. Und in der Tat, es geht ausgesprochen zügig auf die 100er-Marke zu, für den normalen Alltagsgebrauch fast etwas zu schnell. Die Leistungswerte wurden im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich erhöht. Aber auch Ferrari kommt nicht ganz ums Downsizing herum. Der klassische Sauger wurde im Hubraum um 0,4 l auf 3,8 l reduziert, dafür – Turbo sei Dank – mit mehr Leistung ausgestattet, die PS wurden von 490 auf 560 erhöht, das maximale Drehmoment sogar um 50 auf 755 NM. Leistung steht definitiv genügend zur Verfügung. Allerdings kann der Turbo-Motor nicht ganz verbergen, dass er eben ein Turbo ist und ganz am Anfang noch eine kleine Denkpause einlegt, bevor er dann ab 2000 Touren hammermässig abgeht.

Unterwegs bereitet der California T pure Freude, ob geschlossen und mit moderater Lärmentwicklung oder insbesondere offen, wenn der 8-Zylinder-Motor seinen konzertanten Auftritt hat. Vom Grollen bis zum scharfen Kreischen bietet das Konzertprogramm fast alles. Kurvenlage 1 A, Beschleunigung tadellos, Elastizität bestens. Und das neue Handling-Paket lässt den Wagen mit härter abgestimmtem Fahrwerk noch satter durch die Kurven brettern. Leider sind die Fahrspass-Intervalle jeweils nur von kurzer Dauer, und man wird sich in dieser Rennmaschine schmerzlich bewusst, wie gross der Dichtestress auf unseren Strassen ist. Spätestens nach zwei, drei Kurven muss man sich im Verkehr wieder hinten anstellen. Dem Ferrari-Fahrer sei wohl dringend empfohlen, ab und zu auf die Rennstrecke zu gehen, damit er seinen Pferden freien Lauf lassen kann und den California T als das geniessen kann, was er ist: eine tolle Spassmaschine!

Steckbrief

Ferrari California T

Motor: V8 90° mit Benzindirekteinspritzung
Leistung: 560 PS, 755 Nm Dreh- moment, V-max 316 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,6 s, 0–200 km/h in 11,2 s
Masse: 4,570 m lang, 1,910 m breit, 1,322 m hoch
Preis:Model California T ab 220 000 Franken
Verbrauch:10,5 l/100 km
CO2:250 g/km
Infos: www.ferrari.com

Das typische Ferrari-Rot findet sich im Interieur wieder. (Bild Jürg Weber)

Das typische Ferrari-Rot findet sich im Interieur wieder. (Bild Jürg Weber)

Rot und Gelb: eine sportliche Farb-Kombination à la Ferrari. (Bild Jürg Weber)

Rot und Gelb: eine sportliche Farb-Kombination à la Ferrari. (Bild Jürg Weber)

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