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FLÜCHTLINGSKRISE: Touristen meiden den Osten Griechenlands

Der griechische Tourismus boomt. Jedoch nicht auf den Inseln der Ostägäis. Die Bilder der ankommenden Flüchtlinge wirken nach.
An den Stränden in der Ostägäis, wie hier auf der Insel Kos, haben die wenigen Touristen viel Platz. (Bild: Getty/Dan Kitwood)

An den Stränden in der Ostägäis, wie hier auf der Insel Kos, haben die wenigen Touristen viel Platz. (Bild: Getty/Dan Kitwood)

Gerd Höhler, Athen

Krise in Griechenland? Nicht im Tourismus. Seit 2013 steigen die Urlauberzahlen ohne Unterlass. In diesem Jahr dürfte ein neuer Reiserekord erreicht werden. Aber die Hoteliers und Tavernenwirte auf den Ostägäischen Inseln haben keinen Grund zur Freude: Die Flüchtlingskrise verdirbt ihnen das Geschäft.

Das Jahr hat gut begonnen für die meisten griechischen Tourismusunternehmer. In den ersten fünf Monaten stiegen auf den 19 griechischen Flughäfen, die aus dem Ausland angeflogen werden, 1,8 Millionen Passagiere aus den Fliegern. Das war ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders beliebt waren die Kykladen­inseln, mit einem Anstieg um 19 Prozent. Auch Kreta (+12 Prozent) und die Ionischen Inseln (+13 Prozent) verzeichneten ein starkes Wachstum.

Griechen als Nutzniesser

Damit setzt die Branche ihre Erfolgsserie fort. Lediglich 2012, als die Griechenland-Krise mit Streiks und Massenprotesten ihren Höhepunkt erreichte und das Land kurz vor dem «Grexit» stand, dem Ausscheiden aus der Währungsunion, gingen die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr um knapp eine Million zurück. Seither erfreut sich Hellas von Jahr zu Jahr wachsender Beliebtheit. Die Zahl der ausländischen Urlauber stieg von 17,9 Millionen im Jahr 2013 auf 23,5 Millionen im vergangenen Jahr. «2016 rechnen wir mit 25 Millionen Gästen», sagt Andreas Andreadis, Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen (Sete).

Griechenland profitiert nicht zuletzt von den Sicherheitsproblemen in der Türkei und in den nordafrikanischen Ländern. So ging die Zahl der ausländischen Besucher in der Türkei im April um 28 Prozent zurück. Zu den Nutzniessern gehören zwar auch Spanien und Zypern. Griechenland könne aber mit mehr freien Hotelkapazitäten auftrumpfen, sagen Marktkenner.

«Andere Gäste» vertreiben Touristen

Doch nicht überall in Griechenland sieht man zufriedene Gesichter. «Die Saison hat extrem schlecht begonnen», sagt Miltos Petropoulos, der in der Altstadt der Inselhauptstadt Kos eine Taverne betreibt. «Wir haben geschätzt ein Drittel weniger Kunden als im Vorjahr – wegen der anderen Gäste», berichtet der Gastwirt. Die «anderen Gäste»: Damit meint Petropoulos Flüchtlinge und Migranten, die sich auf der Insel aufhalten. Zwar sind die Schutzsuchenden aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden. Und in den Strandhotels bekommen die Gäste überhaupt keine Flüchtlinge zu Gesicht. Aber die Bilder des vergangenen Sommers, als jeden Tag bis zu tausend Schutzsuchende aus der Türkei übers Meer nach Kos kamen und an der Uferpromenade campierten, wirken offenbar nach.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Die Zahl der ausländischen Touristen auf Kos ging in den ersten fünf Monaten um 22 Prozent zurück. Auf Samos betrug der Rückgang 40 Prozent, auf Lesbos sogar 60 Prozent. Die örtlichen Tourismusunternehmer erwar­ten Einbussen von 20 Millionen Euro. «Für Hunderte Familien bedeutet das Einkommensverluste und sogar Arbeitslosigkeit», sagt Perikles Antoniou, der Präsident des Hotelverbandes der Insel Lesbos.

Flüchtlinge stecken fest

Mit der Schliessung der Balkanroute im Februar wurde Griechenland für die aus der Türkei übers Meer kommenden Flüchtlinge zur Endstation. Nach offiziellen Angaben von gestern halten sich 57 141 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland auf. Davon befinden sich 8430 auf den Ostägäischen Inseln. Sie warten dort auf ihre Asylverfahren. Bis über die Anträge entschieden ist, dürfen sie nicht aufs Festland weiterreisen.

Aber die Verfahren ziehen sich viel länger hin als erwartet. Ein Ende der Flüchtlingskrise ist auf den Inseln nicht in Sicht, trotz des Rückführungsabkommens, das die EU mit der Türkei geschlossen hat. Seit Inkrafttreten des Abkommens Ende März wurden erst knapp 500 Menschen zurückgebracht. Einer der Gründe: Zahlreiche griechische Asylrichter stufen die Türkei nicht als sicheres Drittland ein und gewähren den Antragstellern Asyl, statt sie in die Türkei zurückzuschicken.

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