Gemeinschaft
Eine katholische Bewegung im Auftrag der Geschwisterlichkeit

Die weltumspannende, 1943 von Chiara Lubich (†) gegründete Fokolar-Bewegung ist in der Schweiz mit rund 1000 Mitgliedern vertreten. Nun hat die Gemeinschaft eine neue Präsidentin.

Andreas Faessler
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Im Jahre 1943 gründete die Italienerin Chiara Lubich (1920-2008) eine katholische Gemeinschaft, deren Aufgabe insbesondere die Förderung der Einheit und Geschwisterlichkeit in Kirche und Gesellschaft sowie in allen Bereichen des menschlichen Lebens ist. Ökumene und interreligiöser Dialog sind weitere Schwerpunkte der Bewegung. Auch Menschen ohne religiösen Bezug finden eine Bestimmung in der Bewegung – durch den gemeinsamen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

Diese heute als «Werk Mariens» bezeichnete, jedoch als Fokolar-Bewegung (focolare – ital. die Herdstelle, hier als Sinnbild für Geborgenheit und Wärme) besser bekannte Gemeinschaft besteht gegenwärtig weltweit aus rund 140'000 Mitgliedern in 182 Ländern. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen sind mit der Fokolar-Bewegung eng verbunden, ohne ihr jedoch anzugehören. Die Fokolar-Bewegung Schweiz hat knapp 1000 Mitglieder. In der Zentralschweiz ist die Gemeinschaft insbesondere mit dem Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein in Baar vertreten. In diesem sogenannten «Dialoghotel» werden durch Begegnung, Gespräch sowie Austausch der Dialog und Beziehungen gefördert. Das Wohl von Körper, Geist und Seele steht dabei ebenfalls im Fokus. In der Zentralschweiz existieren – wie auch anderswo – mehrere kleinere Fokolar-Gemeinschaften, welche ordensähnlich zusammenleben. Weiter gibt es Gruppen, die sich regelmässig treffen und austauschen.

Chiara Lubich (1920-2008) hat 1943 die Fokolar-Bewegung gegründet.

Chiara Lubich (1920-2008) hat 1943 die Fokolar-Bewegung gegründet.

Bild: PD/CSC Audiovisivi

Eine Besonderheit der Fokolar-Bewegung ist das eine Statut, welches besagt, dass nur eine Frau Präsidentin werden kann und dass sie aus der Reihe der Fokolarinnen kommen muss. Sie hat die Aufgabe, die Botschaft der Geschwisterlichkeit weiterzutragen, wie sie Gründerin Chiara Lubich einst aus dem Johannesevangelium («Alle sollen eins sein», Joh 17,20-26) formuliert hat. Die Präsidentin verkörpert die Einheit der Bewegung und repräsentiert die religiöse, kulturelle, soziale und geografische Vielfalt all derer, die sich der Spiritualität der Fokolar-Bewegung rund um den Erdball zugehörig fühlen.

Eine erfahrene Persönlichkeit an der Spitze

Per 31. Januar hat die Fokolar-Bewegung mit Margaret Karram per Wahl eine neue Präsidentin erhalten. Karram ist somit die dritte Amtsinhaberin nach der Gründerin Lubich und löst Maria Voce ab. Die 58-jährige Margaret Karram kommt aus Israel, ist Araberin und katholische Christin. Ihr Werdegang bei der Fokolar-Bewegung umfasst mehrere Positionen als Verantwortliche in Los Angeles und Jerusalem. Sie hat bei verschiedenen Organisationen mitgearbeitet, welche sich aktiv für den Dialog zwischen den drei monotheistischen Religionen einsetzen.

Seit 2014 ist Karram am Internationalen Fokolar-Zentrum Beraterin für Italien und Albanien und mitverantwortlich für den Dialog zwischen kirchlichen Bewegungen und neuen katholischen Gemeinschaften. 2013 hat sie für ihr Engagement im Dialog zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen den «Mount Zion Award for Reconciliation» erhalten. Diese Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) an der Universität Luzern verliehen – im Namen der Mount Zion Foundation und in Zusammenarbeit mit der Dormitio-Abtei.

Eine weitere Auszeichnung hat Margaret Karram 2016 entgegennehmen können: Der Internationale Preis der Heiligen Rita zeichnet Menschen aus, die sich für den Dialog zwischen Christen, Juden, Muslimen, Israelis und Palästinensern einsetzen und dabei vom konkreten Alltagsleben ausgehen.

Eine grosse Aufgabe

Die Leitung und Führung einer weltweiten Bewegung, die lokal und global eng mit den Realitäten und Herausforderungen der Menschheit verbunden ist – angefangen mit der Zeit der Pandemie – sei eine Aufgabe, welche mit vielen Verpflichtungen und Herausforderungen einhergeht, schreibt die Fokolar-Bewegung Schweiz in einer Mitteilung anlässlich des Amtswechsels. In den Statuten ist auch der «Führungsstil» der Amtsträgerin definiert. So heisst es da: «Die Präsidentin soll vor allem den Vorsitz der Liebe führen, denn sie soll die Erste in der Liebe sein, das heisst, die Erste im Dienst an ihren Schwestern und Brüdern, entsprechend den Worten Jesu: ‹Wer bei euch der Erste sein will, der soll der Sklave aller sein› (Mk 10, 44).» Die Präsidentin ist demzufolge Brückenbauerin und soll die Botschaft der Fokolar-Bewegung verbreiten.