Suche nach Ausserirdischen

Unsere DNA überlebt im Weltall

Zwei Forscher der Universität Zürich haben eine überraschende Entdeckung gemacht: Teile der Erbsubstanz DNA haben einen Flug durch den Weltraum und den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstanden.

Mark Walther
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Mit dieser Texus-49-Rakete hatten die Forscher das Erbgut ins All geschossen.

Mit dieser Texus-49-Rakete hatten die Forscher das Erbgut ins All geschossen.

Adrian Mettauer

300 Kilometer rauf und wieder runter, und das an der Aussenwand einer Rakete: Zwei Wissenschafter der Universität Zürich hat doppelsträngige DNA-Moleküle auf der Aussenhülle einer Rakete der Texus-49-Mission auf einen Ritt durchs Weltall geschickt.

Das Resultat überraschte die Forscher sehr. Sie fanden das Erbgut an allen aufgetragenen Stellen wieder. Mehr noch: Ein Drittel der DNA funktionierte biologisch noch einwandfrei, nachdem man sie Bakterien eingepflanzt hatte. Und das, obwohl das Erbgut im hohen Vakuum des Weltalls extremer Trockenheit und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre Temperaturen von bis zu 1000 Grad ausgesetzt war.

Bruchteil der Antwort auf eine grosse Frage

Das Ergebnis liefert laut Oliver Ullrich vom Anatomischen Institut der Uni Zürich eine Bruchteil zur Antwort auf die grosse Frage, ob Moleküle lange Reisen durch den Weltraum und den Wiedereintritt in eine Atmosphäre schaffen können.

So überrascht Ullrich von Ergebnissen ist, so nachdenklich stimmen sie ihn: «Das Ergebnis zeigt, dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, dass trotz aller Vorsichtsmassnahmen Raumfahrzeuge auch DNA irdischen Ursprunges an ihre Landestelle auf Planeten und Kometen mitbringen können.» Das müsse man im Griff haben, wenn man nach Leben ausserhalb der Erde suche. «Sonst hinterlässt ein Mars-Rover die DNA auf dem roten Planeten, und die nächste Mission findet sie dann als Hinweise auf ausserirdisches Leben. Wir müssen schauen, dass wir uns nicht selbst wieder finden», so Ullrich.

Cora Thiel und Oliver Ullrich bergen die DNA-Proben von der Aussenseite der Rakete.

Cora Thiel und Oliver Ullrich bergen die DNA-Proben von der Aussenseite der Rakete.

Adrian Mettauer

Wissenschafter sind schon länger der Ansicht, dass DNA durchaus auch aus dem All zu uns gelangen könnte, denn die Erde ist nicht isoliert: Etwa in extraterrestrischem Material aus Staub und Meteoriten, das in rund 100 Tonnen täglich auf die Erde trifft.

Vor dem Start wird sterilisiert

Bereits heute würden Raumsonden, die zur Landung auf ein ausserirdisches Objekt geschickt werden, in Räumen gesäubert, die steriler sind als Operationssääle. «Sämtliche Bakterien und DNA-Spuren lassen sich allerdings nie entfernen», gibt Ullrich zu bedenken.

Das Experiment mit der DNA war eine spontane Idee der Zürcher Forscher. Die Texus-49-Rakete benutzten Ullrich und seine Kollegin Cora Thiel eigentlich dazu, die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf menschliche Zellen zu untersuchen. Plötzlich, so Ullrich, hätten sie die Idee gehabt, einen sogenannten Stabilitätstest mit Erbgut durchzuführen. Laut Ullrich wurde ein solches Experiment noch nie zuvor durchgeführt.