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FRANKREICH: Der Charme der Normandie

Kühe und Pferde unter knorrigen Apfelbäumen, Ziegen auf Meeresklippen, mondäne weisse Bäderarchitektur, viel Fachwerk an Schlössern und Scheunen: In malerischen normannischen Dörfern steht die Zeit fast still.
Text und Bilder Norbert Linz
Wie im 19. Jahrhundert ­– die Brücke über die Sarthe in Saint-Céneri-le-Gérei, das zur Vereinigung «Schönste Dörfer Frankreichs» gehört. Die Häuser wurden aus Steinen der zerstörten Festung gebaut.

Wie im 19. Jahrhundert ­– die Brücke über die Sarthe in Saint-Céneri-le-Gérei, das zur Vereinigung «Schönste Dörfer Frankreichs» gehört. Die Häuser wurden aus Steinen der zerstörten Festung gebaut.

Das verträumte Saint-Céneri-le-Gérei am Südrand der Basse-Normandie liegt hoch über einer Flussschleife der Sarthe. Zu Recht gehört es zur Vereinigung «Schönste Dörfer Frankreichs». Öfters führt der pensionierte Banker Bernard le Royer durch sein 129-Einwohner-Dorf. Er erzählt: Die unverputzten Häuser in den liebevoll restaurierten Gassen wurden aus den Steinen der zerstörten Festung gebaut und zeigen noch das Dorfbild von 1850.

Auf der Spitze eines Felssporns steht die bezaubernde kleine Kirche mit romanischen Fresken und wuchtigem Vierungsturm. Der Ort war schon im 19. Jahrhundert eine ideale Kulisse für Maler. Berühmte Impressionisten kamen. Ihre weniger bekannten Nachfolger sind nicht nur in Ateliers zu bewundern, sondern auch in der «Auberge des Peintres», wo früher ihre Bilder und Graffiti als Zahlungsmittel angenommen wurden.

«Liebe auf den ersten Blick»

Hier empfiehlt sich eine Verschnauf-pause auf der Terrasse mit weitem Blick ins Dorf hinein. Viel Zuspruch erhält die Eierterrine Œufs cocotte mit Crème fraîche nach Grossmutters Art. Anschliessend wären am Ortsrand Philippe und Michèle Manson zu besuchen in ihrem ein Hektar grossen Gartenareal. Mit viel Liebe haben die beiden ein Dutzend thematischer Gartenräume geschaffen: neben dem Rosengarten etwa einen der Düfte, einen der Stille und einen gotischen Garten. «Es war Liebe auf den ersten Blick», berichtet Philippe, ein heiterer älterer Herr, der weiterhin seine Apotheke leitet, während Michèle durch die Gärten führt. 1986 haben sie das einzigartige Dorf entdeckt und dieses Weidegrundstück mit seinen majestätischen Bäumen. So sind sie hierher gezogen.

Der Tourismusverband Normandie hat mit der Gruppe «Charmante Hotels» eine Initiative gestartet, um mehr deutschsprachige Gäste in die Region zu locken. Sie nennt sich «Willkommen in der Normandie». Mit den derzeit 25 Hotels kann man auf Deutsch kommunizieren, per Mail wie an der Rezeption.

Die Gesänge von Le Bec Hellouin

Zu dem Projekt gehört «Le Moulin de Connelles». Nicht weit flussaufwärts von Rouen liegt dieses Minihotel an der gemächlich mäandrierenden Seine. Bis vor hundert Jahren eine Mühle, überbrückt dieses 4-Sterne-Haus einen schmalen Seitenarm hin zu einer kleinen Privatinsel. Mit blau gestrichenem Fachwerk, zahlreichen Türmchen, Holzbalkonen und Mansarden sowie den stilvoll eingerichteten zwölf Zimmern und Suiten schwebt dieses Haus als charmanter Traum über dem Wasser. Hotelchef Pierre Torello, früher Direktor im Pariser Hotel Ritz, erklärt bei romantischem Kerzenlicht in exzellentem Deutsch die Speisekarte und fügt hinzu: «Vergessen Sie nicht unsere La Tatin de Pommes Caramélisée, einen normannischen Apfelkuchen!»

Zu der anspruchsvollen Vereinigung «Schönste Dörfer Frankreichs» gehören in der ganzen Normandie nur fünf Dörfer. Auch das in der Mitte der Haute-Normandie gelegene 420-Seelen-Dorf Le Bec Hellouin. Typisch normannisch mit zweistöckigen Fachwerkhäusern, umgeben von hügeligen Weiden mit Apfelbäumen, in deren Schatten gut genährte Kühe. Das Zentrum des stillen Ortes ist die berühmte Benediktinerabtei mit dem strahlend weissen, weithin sichtbaren quadratischen Glockenturm. Gut besucht sind jeden Sonntag die gregorianischen Gesänge der Patres.

Altes Bassin: Das Sujet der Maler

An der Mündung der Seine liegt das malerische Hafenstädtchen Honfleur, einst eine der Geburtsstätten des Impressionismus. Auch heute noch stehen die Künstler am Hafenquai und malen das Alte Bassin. Nur wenige Kilometer westlich liegt das kleine Seebad Villerville auf einer kleinen Anhöhe über dem Meer, über Treppen gut erreichbar. Von der Gartenterrasse des ruhigen Hotels Le Bellevue ist das Spiel des Meeres mit Ebbe und Flut ausgezeichnet zu beobachten. Hotelier Roland Domen, ein Niederländer, spricht fast perfekt Deutsch. Im Gespräch über seine Vorbesitzer erzählt er, dass der Erbauer der Villa zu Ende des 19. Jahrhunderts der Direktor der Pariser Opéra-Comique war. Nun ist sie ein Drei-Sterne-Hotel mit vielen Stammgästen.

Viel spektakulärer als in Villerville zeigt sich in nördlicher Richtung die Alabasterküste am Ärmelkanal. Besonders bei Etretat, wo gut siebzig Meter hohe Kreideklippen den Ort einrahmen. Wie Celine Jean vom Tourismusverband beim Bummel über den Kiesstrand erklärt, haben die Impressionisten da oft ihre Staffeleien aufgestellt und die grandiose Szenerie festgehalten. Allein Claude Monet malte an diesem Ort rund 80 Gemälde. Diese Bilder der Maler haben dazu beigetragen, den Ort touristisch bekannt zu machen. Die spektakulären Felsformationen beflügelten immer die Fantasie. Der Dichter Victor Hugo sah in dem gewaltigen Felsbogen der Porte d’Aval «einen Elefanten, der seinen Rüssel ins Meer taucht».

Solche Gedanken machen sich die Ziegen von Bernard Dhérbecourt nicht, auch wenn sie auf ihrer Grasweide die Klippen von Etretat in Reichweite haben. Er mache gern Führungen, nicht nur, um seine kluge Leitziege Equerre vorzuführen, erläutert der Hausherr schmunzelnd in gutem Deutsch. Bernard kennt alle 45 Tiere beim Namen: etwa die Gamìn, Idline, Farook und Erina. Sie liefern ihm die Milch für seinen in Feinschmeckerlokalen beliebten Rohmilchkäse «Le Valaine».

Benediktinerlikör oder Calvados

Der Ziegenhof rund um das Herrenhaus Manoir de Cateuil umfasst 20 Hektar. Nach dem Rundgang durch die Käserei stellt er den Gästen im Hofladen seine Zusatzprodukte vor. Hier beweisen Bernard und seine Frau viel Fantasie. Glace aus Ziegenmolke und Früchten mit Zucker ist vorstellbar. Aber Pralinen? Als bei der Probe die edlen Stücke mit Benediktinerlikör oder Calvados auf der Zunge zergehen, schmeckt man: Familie Dhérbecourt ist auf dem richtigen Weg – eine charmante normannische Verführung!

Atout France, die französische Zentrale für Tourismus, hatte zu dieser Pressereise eingeladen.

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