Religion
Franz von Sales’ kostbarer Rat für turbulente Zeiten

Am 28. Dezember 2022 hat sich der Tod des heiligen Franz von Sales zum 400. Mal gejährt. Der Ordensgründer und Menschenfreund lebte einen Grundsatz, auf den eine Rückbesinnung sich einst wie heute empfiehlt.

Andreas Faessler
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Franz von Sales im Bischofsornat auf einem Fenster in der Wallfahrtskirche St.Iddaburg bei Kirchberg SG.

Franz von Sales im Bischofsornat auf einem Fenster in der Wallfahrtskirche St.Iddaburg bei Kirchberg SG.

Bild: Andreas Faessler

Die Religionskriege zwischen ­Katholiken und Reformierten in der europäischen Geschichte sind mit viel Feindseligkeit, Gewalt und Blutvergiessen konnotiert. Doch gab es unter all den Glaubenshütern auch jene, die mit Umsicht und ohne Aggression oder Polemik die Menschen für ihr Bekenntnis überzeugen konnten. So auch der Ordensgründer und Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622), der als erfolgreicher Verteidiger seines ­Bekenntnisses und sanftmütiger Rekatholisierer in die Reihe der hohen Heiligen der Katholischen Kirche aufgenommen worden ist.

Für viele Gläubige ist Franz von Sales bis heute – oder gegenwärtig erst recht – eine Leuchtfigur und Vorbild, wenn es darum geht, sich den Anforderungen schnelllebiger und turbulenter Zeiten zu stellen: Zur Grundhaltung des Heiligen gehörte der Rat zu «heiligem Gleichmut mitten im Wandel der wechselnden Lebensumstände und Ereignisse». So gehört die Gelassenheit denn auch seit jeher zur salesianischen Spiritualität.

Vom adligen Sohn zum geweihten Priester

Eine geistliche Laufbahn hätte dem 1567 in die reiche savoyensische Familie von Sales hineingeborenen Franz nicht beschieden sein sollen, zumal dies gegen den Wunsch seines Vaters gewesen wäre. Da Franz jedoch nach Bewältigung einer schweren persönlichen Krise den Entschluss fasste, sein Leben ganz Gott zu widmen, liess er sich nach seinem Studium der Rechtswissenschaft und Theologie zum Priester weihen.

Franz von Sales stand ab 1594 vor einer grossen Aufgabe: Die Region Chablais südlich vom Genfersee war seit deren Besetzung durch die Berner anno 1536 calvinistisch. Franz von Sales übernahm als Dompropst von Annecy, dem damaligen Sitz des Bischofs von Genf, die Wiedereinführung des Katholizismus im Chablais. Eine riskante Mission, da die Calvinisten dem Volk mit drastischen Strafen drohten, sollten sie Franz von Sales’ Predigten zuhören. Dieser liess daraufhin Flugblätter drucken und sie diskret unter die Menschen bringen. Es gelang ihm so, die gesamte Bevölkerung des Chablais zum katholischen Glauben zurückzuführen. Das lag nicht zuletzt an seinen sanften, überzeugenden und von Optimismus geprägten Worten, welche ganz ohne jegliche Polemik auskamen. Zudem hatte sich Franz von Sales intensiv mit den Lehren Calvins auseinandergesetzt, womit er sich zusätzlich Glaubwürdigkeit verschaffte.

1599 wurde Franz von Sales von Papst Clemens VIII. zum Nachfolger des amtierenden Bischofs von Genf-Annecy ernannt. Als Bischof setzte Franz von Sales ab 1601 mit viel Aufwand die am Trienter Konzil beschlossenen Reformen um. Er kümmerte sich aufopfernd und höchstpersönlich um die Pfarreien in seiner Diözese, förderte die Bildung von Kindern wie Erwachsenen und galt mit seinen juristischen Fachkenntnissen als vertrauensvoller Berater und Schlichter. Für seine seelsorgerischen Verdienste, seine verbürgte Menschlichkeit und Sanftmut und seine weisen Ratschläge – darunter die Empfehlung zu Ruhe und Gelassenheit in schwierigen Zeiten – genoss Franz von Sales hohes Ansehen und das Vertrauen der Gläubigen.

Franz von Sales als Ordensgründer

Aus seiner Freundschaft zur später ebenfalls heiliggesprochenen Johanna Franziska von Chantal ging der Orden der Schwestern von der Heimsuchung Mariens hervor, heute besser bekannt als Salesianerinnen. Der Leitsatz des Ordens orientiert sich ganz an der Gesinnung ihres Patrons Franz von Sales: Die Salesianerinnen wollen unter anderem Anlaufstelle sein für diejenigen, welche an «Beziehungslosigkeit, Sprachlosigkeit und Einsamkeit unserer Zeit» leiden. Die Ermutigung des 1665 heiliggesprochenen Franz von Sales zu Ausgeglichenheit und Gelassenheit in unruhigen Zeiten hat nie ihren kostbaren Gehalt verloren – und wird es wohl auch in Hinkunft nicht.

Franz von Sales ist der Schutzherr der Schriftsteller und Journalisten, was auf seine für damalige Zeiten innovative Aktion des Verbreitens von gedruckten Flugblättern zurückzuführen ist. Zudem ist er Patron der Gehörlosen. Dies, weil er einen tauben Buben besonders gefördert haben soll, indem er ihm zu Bildung verhalf.