Papst Franziskus hat einen Auftrag an die Welt

Bischof Büchel lobt den Einsatz des Papstes für den Umweltschutz. Bei der Priesterweihe fordert er eine Diskussion.

Katharina Brenner
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Vor zwei Jahren traf Papst Franziskus Vertreter indigener Gruppen in Peru.

Vor zwei Jahren traf Papst Franziskus Vertreter indigener Gruppen in Peru.

Bild: Henry Romero/Reuters

Für viele progressive Katholiken und vor allem Katholikinnen war das Schreiben «Que­rida Amazonia» («Geliebtes Amazonien») des Papstes eine Enttäuschung. Sie hatten gehofft, ihr Kirchenoberhaupt würde den Zölibat lockern und Weiheämter für Frauen öffnen. Stattdessen vertritt der Papst die Meinung, besondere Aufgaben der Priester wie die Eucharistie seien nicht delegierbar. Der Zölibat taucht in dem nachsynodalen Schreiben nicht auf.

Kleriker und Experten hatten sich an der Amazonas-Synode im Herbst mehrheitlich für die Weihe von «viri probati», «bewährten Männern», die auch verheiratet sein dürfen, aus­gesprochen. Die Synodenteilnehmer wollten zudem prüfen lassen, ob auch Frauen zu Diakoninnen geweiht werden könnten. Diese Vorschläge sind Antworten auf den Priestermangel in den entlegenen Amazonasgemeinden, wo die Gläubigen teils monatelang keine Eucharistie feiern oder beichten können.

«Plädoyer für unbezahlte Care-Arbeit»

Was die Rolle von Frauen betrifft, betont der Papst Unterschiede: Sie würden ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise leisten «und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben». Ohne Frauen würde die innere Struktur der Kirche zusammenbrechen, so wie viele Gemeinschaften in Amazonien auseinandergefallen wären, hätten nicht Frauen sie bewahrt. Das Kapitel «Die Kraft und die Gabe der Frauen» liest sich wie eine Art Plädoyer für unbezahlte Care-Arbeit.

Der St. Galler Bischof Markus Büchel kommentiert die Haltung des Papstes: «Die Diskussion um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt muss weitergeführt werden, insbesondere auch in Bezug auf die Frauen.» Das Schlussdokument der Synode sei durch das nachsynodale Schreiben des Papstes zudem nicht aufgehoben, die darin enthaltenen Postulate blieben bestehen. Kompetenzen und Verantwortung von nicht geweihten Männern und Frauen seien in den Dokumenten der Synodenteilnehmer deutlich aufgenommen. «Das sind neuere Entwicklungen im Vatikan, die mich freuen.»

Die Mitsprache von Frauen ist ein Thema bei den Gläubigen und findet beispielsweise Ausdruck in der Pilgerreise von St. Gallen nach Rom «für eine Kirche mit den Frauen» oder im Aufruf des Katholischen Frauenbunds zum Streik der Kirchenfrauen. Die Priesterweihe betreffend hat Raphael Kühne, der neue Regierungschef der St.Galler Katholiken, eine progressive Haltung. Kurz vor seiner Wahl im November sagte er: « Es spricht nichts dagegen, dass Frauen Priesterinnen werden können.» Und auch der Bischof meinte im vergangenen Sommer, dass es aus lehramtlicher Sicht wenig Gründe gebe, sich absolut gegen die Priesterweihe von Frauen zu stellen. Er merkte aber auch an, dass kulturelle Veränderungen Zeit brauchen und die westeuropäische Kirche teils als neokolonial bezeichnet werde. Wenn Veränderungen wie die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe irgendwo auf der Welt not­wendig werden «und dann nach Europa herüberschwappen, wirkt das anders, als wenn wir es weltweit vorgeben». Er hatte dabei die Amazonas-Synode im Blick. Im nachsynodalen Schreiben des Papstes machen diese innerkirchlichen Fragen nur einen kleinen Teil aus.

Ökologie und Gerechtigkeit sind die dominierenden Themen. Für den Papst ist beides eng verwoben. Obschon Amazonien vor einer ökologischen Katastrophe stehe, müsse darauf hingewiesen werden, dass sich ein wirklich ökologischer Ansatz immer in einen sozialen Ansatz verwandle.

Im Sommer vor der Synode hat das Amazonasgebiet die schwersten Brände seit 2010 verzeichnet. Rodung gefährdet den Regenwald zunehmend.

Gegen Unterdrückung und Ausbeutung

Der Papst warnt davor, die Globalisierung zu einer «neuen Form des Kolonialismus» werden zu lassen und prangert die Unterdrückung und Ausbeutung der Indigenen im Amazonasgebiet an. Der Einbezug der indigenen Völker sei für ihn wesentlich, so Bischof Markus Büchel. «Ich bin dankbar für die sehr deutlichen Worte des Papstes gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur durch internationale Grosskonzerne.»

Das Bistum St.Gallen schätzt den Fokus des Papstes auf Ökologie und Gerechtigkeit. Er richte seinen Brief bewusst an die ganze Welt, so der Bischof. «Er fordert von uns allen soziale, kulturelle und ökologische Verantwortung.» «Querida Amazonia» sei ein klarer Auftrag an die Welt, der hoffentlich gehört werde.