Interview

Eugen Bütler über sein Buch zu Beziehungsthemen: «Frauen fehlt eher Nähe, Männern eher Sex»

Der Luzerner Eugen Bütler hat seine psychologischen Ratgeber-Beiträge in einem Buch publiziert. Welche Themen sind besonders brisant?

Arno Renggli
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Eugen Bütler hat seine Ratgeber-Beiträge nun auch in Buchform publiziert. (Bild: PD)

Eugen Bütler hat seine Ratgeber-Beiträge nun auch in Buchform publiziert. (Bild: PD)

Seit vielen Jahren schreibt der psychologische Berater und Theologe Eugen Bütler Ratgeber-Beiträge für unsere Zeitung. Nun sind die spannendsten von ihnen als Buch erschienen.

Um welche Themenbereiche geht es in Ihrem Buch?

Eugen Bütler: Grob gesagt um Beziehungen im Allgemeinen und um Liebe und Sexualität im Besonderen. So beantworte ich Fragen von Singles wie auch von Menschen in Partnerschaften. Da fragt zum Beispiel ein Single, wie er eine Arbeitskollegin als Partnerin gewinnen kann. Oder eine verheiratete Frau möchte wissen, wie sie mit der Schweigsamkeit ihres Mannes umgehen soll. Oder jemand fragt, ob er/sie sich auf die sexuellen Fantasien des Partners einlassen soll.

Die Texte basieren auch auf Beratungen in Ihrer Praxis. Gibt es Themen, die besonders häufig auftauchen?

Grundsätzlich berate ich Paare und Einzelpersonen. Das häufigste Thema von Paaren kann ich mit Mangel an Nähe umschreiben. Nicht selten schleichen sich in Paarbeziehungen Missverständnisse ein, Bedürfnisse werden nicht ernst- oder gar nicht erst wahrgenommen. Das führt zu Konflikten. Manchmal treffe ich Paare, bei denen einfach die emotionale Schwingung nicht stimmt. Beide reden aneinander vorbei, die Herzensebene ist verloren gegangen. Die Folge ist, dass ein Paar kaum mehr körperliche Intimität lebt.

Und was tun Sie dann?

Ab und zu spiele ich den Übersetzer. Praktisch immer stelle ich klärende Fragen. Wenn der Wunsch von beiden da ist, etwas zu ändern, dann kann die Beratung wieder mehr Nähe bewirken. Manchmal ist die Distanz aber so gross, dass es besser ist, den Tatsachen in die Augen zu blicken und sich über Konsequenzen Gedanken zu machen.

Und Einzelpersonen?

Einzelpersonen kommen zu mir, weil sie Orientierung im Beruflichen suchen oder Konflikte in ihrer Partnerschaft haben. Häufig geht es auch um blockierende Lebensmuster, die auch ihre Beziehungen belasten. Solche Muster haben ihre Ursache oft in der frühen Kindheit. Wenn es gelingt, Mangelerfahrungen oder seelische Verletzungen in einen neuen Rahmen zu stellen, stellt sich Klarheit und Heilung ein.

Kann man annehmen, dass häufiger Frauen zu Beziehungs- und Familienthemen Rat suchen? Gibt es bei den Themen geschlechter­spezifische Unterschiede?

Es ist schon so, dass eher Frauen die Initiative ergreifen. Doch gibt es auch immer wieder Männer, die zuerst alleine zu mir kommen und anschliessend mit ihrer Partnerin. Frauen leiden häufig unter der emotionalen Distanz. Männer leiden auch darunter, aber meist mehr an der fehlenden Sexualität. In der Regel äussern sie ihre Bedürfnisse weniger offensiv als ihre Partnerinnen. Immer wieder staune ich, wie Frauen ihren Frust über fehlende Nähe oder ganz allgemein über das Verhalten ihres Partners sehr offensiv kommunizieren, während Männer dann in der Defensive sind.

Sie sind ja seit vielen Jahren tätig: Gibt es Themen, die früher wichtig waren und heute kaum mehr aufscheinen? Und solche, die erst in letzter Zeit häufiger kommen?

Vermehrt erlebe ich die Bereitschaft, an sich selber zu arbeiten. Die wenigsten denken, der Partner oder die Partnerin sei allein das Problem. Ebenso kommen Einzelpersonen, die sich von alten Mustern befreien wollen. Paare kommen öfter mit Kommunikationsproblemen, können auch ihre Themen besser benennen. Mir fällt zudem auf, dass die Offenheit, die eigene Partnerschaft grundsätzlich in Frage zu stellen, gestiegen ist. Aber auch die Bereitschaft, das Möglichste zu versuchen. Nach dem Motto: Wir können auseinandergehen, wenn es nicht geht, und komm, wir versuchen noch einmal alles.

Wann war aus Ihrer Sicht eine Beratung erfolgreich? Gibt es eine Art messbare «Erfolgskontrolle»?

Wenn sich die wichtigen Themen geklärt haben und die Klienten besser wissen, wo sie stehen und wie es in der Beziehung oder im Leben weitergehen könnte, hat es sich schon gelohnt. Ein voller Erfolg ist da, wenn etwa ein Familienvater durch die erwähnte biografische Arbeit wieder freier von Aggression und Ärger mit Angehörigen umgehen kann. Doch manche Impulse oder Erkenntnisse entfalten ihre Wirkung erst mit der Zeit. Wenn Paare wieder näher zusammenfinden, eine bewusstere Kommunikation pflegen, Konflikte in einem neuen Licht sehen, ihren je eigenen Anteil am Problem erkennen, dann hat die Beratung ein wichtiges Ziel erreicht.

Gibt es auch Situationen, die Sie selber stark berühren?

Ab und zu. Etwa wenn ein Mann zu einer andern Frau geht und der bisherigen Partnerin Hoffnung macht, er komme wieder zurück. Meist sind es Verlusterfahrungen von Menschen, die mir nahegehen, oder starke seelische Verletzungen, von denen sie mir erzählen. Trotz nötiger emotionale Distanz will ich Gefühle von Klienten an mich heranlassen, gerade in der biografischen Arbeit. Zuhören mit Verstand und Herz, das ist es, was mich an meiner Arbeit so fasziniert. Genau dieser Faszination entspringt auch mein Buch.

Eugen Bütler: Glückliche Beziehungen. 171 S., Fr. 19.80. Im Buchhandel oder über info@buetlercoaching.ch