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Die Einheit der Kirche als höchstes Ziel

Die Kirche feiert am Freitag, 28. Juni, einen ihrer frühsten und wichtigsten Kirchenväter: Der hl. Irenäus von Lyon († 202) gilt als Begründer der christlichen Dogmatik.
Andreas Faessler
Der hl. Irenäus von Lyon (135–202). Stich. (Bild: PD)

Der hl. Irenäus von Lyon (135–202). Stich. (Bild: PD)

Irenäus von Lyon wird heute als einer der ersten (wenn nicht gar der erste) grossen Theologen der Kirchengeschichte angeführt. Der 28. Juni wird in der katholischen wie auch in der evangelischen und der anglikanischen Kirche als Gedenktag des Heiligen gefeiert.

Aus Irenäus’ Hand stammt die erste bekannte Gesamtabbildung der christlichen Glaubenslehre, welche ihre Bedeutung insbesondere durch die Unmittelbarkeit zum Leben Jesu Christi erlangt: Irenäus war ein Schüler oder zumindest geistiger Nachfolger und Verehrer des apostolischen Vaters Polykarp, welcher gemäss Aufzeichnungen des Irenäus noch vom Apostel Johannes höchstpersönlich zum Bischof von Smyrna – heute bekannt als das türkische Izmir – eingesetzt worden war.

Zum Bischof von Lyon gewählt

Irenäus (übersetzt «der Friedfertige») wurde wohl etwa um 135 n. Chr. in der Bischofsstadt Smyrna geboren. Vermutlich noch in jungen Jahren folgte der hochgebildete Irenäus Kaufleuten aus seiner Heimat ins heutige Lyon, die seinerzeit einflussreichste Stadt im römischen Gallien, wo sich eine frühe christliche Gemeinde gebildet hatte, deren Oberhaupt Pothinus den tüchtigen, frommen Neuling aus Kleinasien bald zum Priester weihte. Als um das Jahr 177 die Christenverfolgung auch die Gemeinde in Lyon heimsuchte, weilte Irenäus – eine glückliche Fügung – gerade beim Papst in Rom, um bei einer Auseinandersetzung mit einer fragwürdigen Glaubenslehre schlichtend zu vermitteln. Nach Irenäus’ Heimkehr nach Lyon noch im selben Jahr wurde er von der deutlich geschwundenen christlichen Gemeinde zum Nachfolger von Pothinus gewählt, welcher kurz zuvor im Kerker verstorben war. Als nunmehriger Bischof von Lyon trieb Irenäus die Christianisierung im heutigen Frankreich tatkräftig voran.

Solange das Wort Gottes unverändert bleibt ...

Es war die vom Streben nach Frieden getriebene Motivation des Irenäus, welche ihn wiederholt in innerkirchliche Konflikte vermittelnd eingreifen liess – zumeist erfolgreich, es lag wohl in seinem milden, gütigen Wesen. Eine seiner wichtigsten verbürgten Errungenschaften war die Schlichtung eines grossen Streits um das Osterdatum. Rom und die Bistümer Kleinasiens hatten je eine unterschiedliche Ansicht bezüglich des Termins. Der Konflikt sass so tief, dass ein Bruch zwischen der westlichen und der östlichen Kirche drohte, der Papst zog gar in Erwägung, die östlichen Bistümer zu exkommunizieren. Dem weisen Irenäus gelang es schliesslich, die Wogen zu glätten und den Papst davon zu überzeugen, dass sich die Praxis auch innerhalb ein- und derselben Kirche unterscheiden darf, solange das Wort Gottes nicht verändert wird. Denn die Einheit der Kirche war Irenäus’ höchstes Bestreben, sein Kampf gegen die Häresie, sprich gegen Irrlehren, führte er zeitlebens.

Die bedrohlichste aller Häresien war für Irenäus diejenige der so genannten Gnostiker, welche die Menschwerdung von Gottes Botschaft in Jesus Christus in Frage stellten und somit von der «wahren Gnosis» – der Lehre der Apostel – abwichen. Stets die Einheit der Kirche vor Augen, setzte sich Irenäus intensiv mit den Lehren und Schriften der Gnostiker auseinander, um sein für die Kirche wegweisendes Werk «Adversus haereses» («Gegen Irrlehren») abzufassen. Es handelt sich dabei um die eingangs erwähnte Abbildung der christlichen Glaubenslehre.

Glaube an den einzig wahren Gott

Irenäus’ zentrale Aussage war, dass die Kirche in ihrer Ursprünglichkeit und Einigkeit als solche bewahrt werden müsse und sie einzig in der apostolischen Nachfolge Petri, sprich durch den Papst, ihre Legitimität bewahre. Er orientierte sich an den Schriften des Alten wie des Neuen Testaments, welche alleine den Wahrheitsanspruch erheben. Er proklamierte entgegen den Theorien der Gnostiker den Glauben an einen einzig wahren Gott und an die Universalität der Kirche.

Was Irenäus dabei besonders auszeichnete, war der Umstand, dass er seinen Kampf für die Einheit der Kirche stets vom Gedanken des Friedens geleitet führte. Er verzichtete auf Worte der Macht und der Drohung, die Schriften, welche er der Nachwelt hinterlassen hat, sind durchdrungen von Sanftmut, Liebe und Weisheit. Dennoch mahnen sie unmissverständlich zur Treue zur apostolischen Tradition. Die Lehren des auch als «Vater der Dogmatik» bezeichneten Irenäus finden heute vor allem in der orthodoxen Theologie ihre höchste Beachtung. Der Heilige verstarb im Jahre 202, wohl am Ort seines Wirkens.

Kirchenvater mit besonderem Titel

Irenäus von Lyon wird als einer der sogenannten Kirchenväter verehrt. Aktuell ist in Rom ein Antrag in Prüfung, den Heiligen offiziell zum «Lehrer der Einheit der Kirche» zu erheben. Der Wunsch ist vom aktuellen Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, gekommen.

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