Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GÄRTEN: Londons Reichtum spriesst grün

Sie dauert lediglich fünf Tage. Aber sie ist bei britischen Gartenfans ein Höhepunkt der beginnenden Saison: die Chelsea Flower Show Ende Mai. Die am meisten beachtete Londoner Blumenschau ist für Botanikfreunde nicht die einzige Attraktion in der britischen Metropole. Sehenswert sind auch Dutzende grosse und kleine Parkanlagen und Gärten.
Andreas Stock
Die Queen ist nicht nur als Blumenschmuck an der Chelsea Flower Show präsent. Königin Elizabeth II. lässt sich die Eröffnung der Londoner Blumenschau nicht entgehen. (Bild: Mark Cuthbert/Getty (London, 23. Mai 2016))

Die Queen ist nicht nur als Blumenschmuck an der Chelsea Flower Show präsent. Königin Elizabeth II. lässt sich die Eröffnung der Londoner Blumenschau nicht entgehen. (Bild: Mark Cuthbert/Getty (London, 23. Mai 2016))

Andreas Stock

Wer das erste Mal an der Chelsea Flower Show ist, braucht einen Moment, bis er sich auf dem riesigen Gelände zurechtfindet. Wer schon an der Zürcher Gartenmesse «Giardina» war, hat eine Vorstellung davon, was an dieser Freiluftschau auf 4,5 Hektar Fläche im Londoner Quartier Chelsea geboten wird – nur eben viel umfangreicher. Es gibt zwei Hauptgassen, einen Park und ein grosses Zelt. Während in einer der Längsachsen vor allem die Schaugärten angeordnet sind, wird die zweite Hauptachse von Marktständen dominiert. Hier gibt es Zubehör und Gerätschaften für die Gartenarbeit, aber auch Dekormaterial, Gartenkleidung sowie Möbel für den Aussenbereich. Es herrschen allerdings strikte Regeln, was ausgestellt respektive verkauft werden darf. Tiere sind ebenso ausgeschlossen wie beispielsweise Ballons oder Girlanden.

Die Chelsea Flower Show geniesst in Grossbritannien grosses Ansehen; es gibt tägliche Spezialsendungen im Fernsehen und Sonderausgaben von Zeitungen und Zeitschriften. Eröffnet wird die Schau jeweils von Queen Elizabeth II. – was allein schon den Stellenwert der Gartenmesse unterstreicht. Die ersten zwei Ausstellungstage gehören exklusiv den Mitgliedern der Royal Horticultural Society (RHS), welche die Show veranstaltet. Für die weiteren drei Tage kommen die Tickets in den öffentlichen Verkauf. Ohne Vorverkauf hat man aber keine Chance auf Karten. Sie sind begehrt, denn die Anzahl ist auf 161000 beschränkt. Die Tickets sind nicht gerade preiswert: 41 Pfund (etwa 55 Franken) kostet eine Halbtageskarte.

Reissender Absatz von Pflanzenlisten

Die grössten Menschentrauben bilden sich vor den durch eine dünne Kordel abgegrenzten Schaugärten. Die Besucher diskutieren hier oft kundig über die Gärten und besprechen die Farbgestaltung und Kombinationen. Blau- und Purpurtöne, kombiniert mit orangen Farbtupfern waren beispielsweise ein Trend der Show 2016. Zwei bis drei Personen hinter den Kordeln stehen für Auskünfte bereit und verteilen Prospekte mit Beschreibungen der Gärten – die Listen mit den verwendeten Pflanzen finden besonders reissenden Absatz. Ständig werden diese Leute auch nach den Namen und Spezifikationen dieser und jener Pflanze befragt, worauf sie kundig aufklären. Das Publikum zückt Smartphones und Fotoapparate, um die Gärten und einzelne Pflanzen abzulichten. Und auch mal Feldstecher, um aus der dritten, vierten Reihe einen genaueren Blick auf die Gärten zu werfen. Obwohl das viele wollen, gibt es keine Rempeleien. In typisch britischer Zuvorkommenheit und Ruhe wartet man geduldig, bis man sich vorne hinstellen kann, um einen freien Blick auf die aufwendig gestaltete Gartenkunst werfen zu dürfen.

Wer hier einen der prestigeträchtigen Schaugärten zeigen darf – mehr als 30 in drei verschiedenen Kategorien sind es – darf sich zu einem privilegierten Kreis zählen. Ein Jahr im voraus müssen sich die Gartendesigner bei der Royal Horticultural Society bewerben und ein 20 Seiten umfassendes Antragsformular sowie Entwürfe einreichen. Die ausgewählten Planer haben sich selber um die Finanzierung der kostspieligen Anlagen zu kümmern, wobei grosse Unternehmen als Sponsoren auftreten. Eine Jury bewertet die Schaugärten und verteilt Auszeichnungen.

Von Männern dominiert, aber von Frauen besucht

Diese Jurierungen werden dann rege diskutiert. 2016 besonders hitzig, weil keine Frau in der Jury gewesen war. Dies, und die Tatsache, dass die RHS als konservativ, stark überaltert und von Männern dominiert gilt, steht im starken Widerspruch zum Publikum, das man auf dem Ausstellungsgelände antrifft: Es ist überwiegend weiblich, und man sieht auch erstaunlich viele junge Menschen (Kinder haben keinen Zutritt), die sich durch die Massen schlängeln. Zentral im Gelände platziert ist der «Grand Pavillon», der aus zwei riesigen Zelten besteht. Hier finden sich zahlreiche Anbieter von Pflanzen, darunter Chrysanthemen, Pfingstrosen, Clematis, Rosen und Dahlien in allerlei Farben. Es gibt verschiedenste Arten von Hecken, Sträuchern, Erdbeeren sowie an einem Stand ein Sortiment mit gegen 50 verschiedenen Kartoffelsorten zu entdecken. Unter dem weissen Zeltdach fühlt man sich ein bisschen wie an einer Olma, so wuselig und geschäftig geht es zu.

London ist für Freunde von Gärten und Parkanlagen freilich nicht nur während der Chelsea Flower Show eine lohnende Destination. In der Metropole grünen so zahlreich öffentliche Gärten und Parkanlagen, wie in keiner anderen Stadt der Welt. Rund 140 öffentliche Parks gibt es in Grosslondon. Denn seit frühmittelalterlichen Zeiten besassen Armenhäuser, Schulen und Spitäler eigene Ziergärten oder private Obstgärten, wie Peter Ackroyd in «London – Eine Biografie» schreibt. Gärten waren immer schon ein integrierender Bestandteil der Stadtlandschaft. Der erste Chronist der Stadt, William Fitz-Stephens, notierte: «Die Bürger Londons hatten grosse und schöne Gärten vor ihren Villen und er stellte «viele rührige Gärtnersleute» fest. Mitte des 20. Jahrhunderts notierte dann auch Albert Camus: «In meiner Erinnerung ist London die Stadt der Gärten, in der mich morgens Vögel weckten.»

Holland Park, statt Hyde Park, und der ruhige Physic Garden

Es gibt noch immer viele «verwunschene Gärten» und Überreste alter Friedhöfe, welche ruhig zwischen den gläsernen Hochhausfassaden der modernen Finanzwelt liegen. In den westlichen Gegenden Londons hat im 21. Jahrhundert fast jedes Haus einen eigenen Garten oder Anteil an einem Gemeinschaftsgarten; in den nördlichen und südlichen Vorstädten sind Gärten ein integrierter Bestandteil der Stadtlandschaft.

Neben den beliebten und entsprechend stark frequentierten Anlagen Hyde Park, St. James Park oder Regent’s Park gibt es beispielsweise den Holland Park. Die etwas verborgene Anlage in Kensington ist für ihre Dahlien ebenso bekannt wie für den japanischen Kyoto Garten, dessen Ruhe viele Besucherinnen loben. Oder den jüngsten geschaffenen Park: den Queen Elizabeth Olympic Park im Osten der Stadt, der nach den Olympischen Sommerspielen 2012 angelegt wurde. Der grösste und berühmteste Garten ist Kew Gardens, der 120 Hektar grosse und rund 250 Jahre alte königliche Botanische Garten im Südwesten der Stadt zwischen Richmond und Kew. Die Anlage mit ihren sechs prächtigen Glashäusern zählt zum Weltkulturerbe und beherbergt Pflan-zen aus aller Welt, darunter mehr als 14000 Bäume. Ein Tag geht hier schnell vorbei.

Viele weitere kleinere Gärten lohnen ebenfalls einen Besuch. Beispielsweise die Kensington Roof Gardens mit Blick über die Dächer oder den wunderbaren Chelsea Physic Garden, der sich fast unscheinbar und eingemauert in einem Geviert zwischen hohen Wohnhäusern befindet. Der 1673 gegründete Garten gehört zu den ältesten in England und hat sich auf das Sammeln und das Studium medizinischer sowie essbarer und nützlicher Pflanzen spezialisiert: rund 5000 Arten aus aller Welt finden sich im ruhigen Chelsea Physic Garden.

Beliebtes Sujet: Von Designern kreierter Blumen-Kopfschmuck. (Bild: Andreas Stock)

Beliebtes Sujet: Von Designern kreierter Blumen-Kopfschmuck. (Bild: Andreas Stock)

In den Schaugärten finden sich oft auch Kunstwerke. (Bild: Andreas Stock)

In den Schaugärten finden sich oft auch Kunstwerke. (Bild: Andreas Stock)

Luftaufnahme über dem Regent’s Park – die britische Metropole zählt rund 140 öffentliche Parkanlagen. (Bild: Andrew Holt/Getty (London, 28. April 2015))

Luftaufnahme über dem Regent’s Park – die britische Metropole zählt rund 140 öffentliche Parkanlagen. (Bild: Andrew Holt/Getty (London, 28. April 2015))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.